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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Dezember 2006 Docetaxel in der Therapie des fortgeschrittenen und lokal begrenzten NSCLC

In der Firstline-Therapie des fortgeschrittenen NSCLC hat sich in einer Metaanalyse von Douillard et al. Docetaxel den Vincaalkaloiden als überlegen erwiesen. Damit werden die Ergebnisse der TAX 236-Studie bestätigt. Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem NSCLC im ungünstig prognostischen Stadium IIIB kann nach den Ergebnissen der SWOG-Studie S9504 durch eine Konsolidierungstherapie mit Docetaxel nach Strahlenchemotherapie die Überlebenszeit sogar verdoppelt werden. Für Patienten im Stadium IIIA mit gesichertem N2 besteht die Hoffnung mit einer neoadjuvanten Chemotherapie durch Downstaging eine bessere Operabilität und damit ein Langzeitüberleben zu erreichen. Zwar gibt es hierzu noch wenige Daten, schränkte Prof. M. Wolf, Kassel, ein. Doch falls dieser Weg verfolgt wird, so würden die besten Evidenzen für Docetaxel/Cisplatin vorliegen.
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In die Metaanalyse von Douillard et al., die auf dem ASCO 2006 vorgestellt wurde, gingen die Daten von 2867 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC aus 7 großen Phase-III-Studien ein. In 6 Studien wurde Docetaxel als Monosubstanz oder in Kombination mit Platin bzw. Gemcitabin mit Vinorelbin +/- Cisplatin verglichen, in einer Studie mit Vindesin/Cisplatin. Die Ergebnisse bezüglich Gesamtüberleben und Toxizitäts-Analysen favorisieren Docetaxel als Monotherapie oder Kombinationstherapie (Cisplatin, Carboplatin, Gemcitabin) gegenüber Vinorelbin und Vindesin. Es zeigte sich ein signifikanter Überlebensvorteil für Docetaxel-+/- Platin bzw. Gemcitabin (HR 0,89, p=0,004). Der Überlebensvorteil blieb auch nach Ausschluss der Vindesin-Studie sowie der Monotherapiestudien erhalten (HR 0,91 bzw. 0,89).
Im Vergleich zu Vincaalkaloid-haltigen Therapien traten in Docetaxel-haltigen Regimen um 40% weniger Neutropenien Grad 3/4 und um 40% weniger febrile Neutropenien auf. Dabei lag die Dosisintensität von Docetaxel deutlich über 90%, die von Vinorelbin war geringer, betonte Prof. Frank Griesinger, Kassel. Auch war der Einsatz von G-CSF nicht signifikant unterschiedlich. Griesinger: „Die Metaanalyse von Douillard erfüllt alle Kriterien einer optimalen Metaanalyse, da die Ergebnisse auf den individuellen Patientendaten basieren, die gepoolt und ausgewertet wurden.“ Die Ergebnisse der Metaanalyse bestätigen die der TAX 326-Studie, einer Phase-III-Zulassungsstudie von Docetaxel in Kombination mit Cisplatin als Firstline-Therapie beim fortgeschrittenen NSCLC.

Konsolidierung besser als Induktion
Beim inoperablen NSCLC verbessert eine Induktionschemotherapie vor einer Chemoradiotherapie (CRT) die mediane Überlebenszeit von etwa 11 auf 14 Monate. Ein längeres Langzeitüberleben kann durch eine Konsolidierungstherapie mit Docetaxel erreicht werden, die sich einer Chemostrahlentherapie anschließt. So lautete das Ergebnis der S9504 (Gandara et al. 2003), in die Patienten mit dem prognostisch ungünstigen Stadium IIIB eingeschlossen waren. Hier erfolgte zunächst eine simultane Chemoradiotherapie mit Cisplatin oder Etoposid plus Radiotherapie (RT 61 Gy) und danach 3 Zyklen Docetaxel (1. Zyklus 75 mg/m2, 2. u. 3. Zyklus 100 mg/m2). Unter alleiniger CRT lag die mediane Überlebenszeit bei 15 Monaten, durch eine anschließende Konsolidierung verdoppelte sie sich nahezu auf median 26 Monate. Bemerkenswert war die 3-Jahresüberlebensrate von 37% im Vergleich zu 17% in der Gruppe, die nur eine simultane CRT erhalten hatte. Die SWOG hat deshalb beschlossen, diesen Therapieansatz als Referenz zu übernehmen.
Eine Konsolidierungstherapie mit dem EGFR-Inhibitor Gefitinib in einer Intergroup-Studie hat sich hingegen nicht als vorteilhaft erwiesen – das Überleben war sogar ungünstiger als in der Plazebogruppe, obwohl keine erhöhte Toxizität vorlag. „Dies bedarf eine sorgfältigen Klärung,“ so Wolf.
Wolf: „Das Fazit für die Praxis lautet: Patienten mit einem nicht resektablen NSCLC im Stadium IIIB, mit gutem Allgemeinzustand und jünger als 75 Jahre sollten eine Chemoradiotherapie und eine anschließende Konsolidierungstherapie mit Docetaxel erhalten, da sich dieses Vorgehen als vorteilhafter erwiesen hat als eine Induktionschemotherapie mit anschließender Chemoradiotherapie.“
Bei den Frühstadien steht die primäre chirurgische Resektion im Vordergrund. Allerdings handelt es sich bei dem Stadium IIIA um ein sehr heterogenes Stadium, gab Wolf zu bedenken. Die Prognose ist stark abhängig von der Größe mediastinaler Lymphknotenmetastasen. Das 5-Jahresüberleben bei LKM < 1 cm beträgt 30%, bei > 1 cm nur noch 7%. Je ausgeprägter im Stadium IIIA die N2-Erkrankung ist, um so mehr rückt die Strahlentherapie in den Vordergrund. Bei Patienten im Stadium IIIA mit N2 besteht die Hoffnung durch eine neoadjuvante Therapie ein mediastinales Downstaging zu erreichen. So wurde in einer Studie von Betticher et al., in die 90 Patienten mit gesichertem N2 eingeschlossen waren, durch eine neoadjuvante Therapie mit Cisplatin/Docetaxel bei 15% eine komplette Remission erzielt, bei 31% kam es zu einem Downstaging von N2 zu N0 und bei 29% von N2 zu N1.
Satellitensymposium Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. ASCO 2006 setzt neue Standards – Taxotere bei Bronchial- und Kopf-Hals-Tumoren. Jahrestagung der DGHO, Leipzig, 6./7. November 2006.

as

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