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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. Dezember 2013 Die Antiemese - eine Erfolgsgeschichte

Übelkeit und Erbrechen stellen diejenigen Begleiterscheinungen der Chemo- und Strahlentherapie dar, unter welchen die Patienten am meisten leiden. Das galt früher noch viel mehr als heute. Prof. Hans-Joachim Schmoll, Halle-Wittenberg, erinnerte an die Anfänge der Cisplatintherapie bei jungen Patienten mit Hodenkarzinom: "Sich permanent erbrechende Patienten waren damals das klassische Bild der Chemotherapie." Seither hat sich auf dem Gebiet der Antiemese einiges getan.

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Der erste Durchbruch kam mit der Einführung der 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten, welche insbesondere das akute Chemotherapie-induzierte Erbrechen verbessern. Einen weiteren Fortschritt markierte die Einführung des ersten NK1-Rezeptorantagonisten Aprepitant (Emend®). Dem lag die Erkenntnis zugrunde, dass das akute Erbrechen insbesondere auf der Stimulation peripherer 5-HT3-Rezeptoren basiert, während das verzögerte Erbrechen vor allem durch hohe Konzentrationen der Substanz P im Gehirn ausgelöst wird. Indem Aprepitant an die NK1-Rezeptoren bindet und diese für die Substanz P unzugänglich macht, vermindert es insbesondere das verzögerte, aber auch das akute Erbrechen. "Es ist der Verdienst moderner Antiemetika, dass die Emese heute kein Problem mehr darstellt - sofern die Antiemese richtig durchgeführt wird", resümierte Schmoll. Das heute noch bestehende Problem sei die Übelkeit.

Für hochemetogene Chemotherapien (HEC) und AC-basierte Chemotherapien empfehlen die Leitlinien die 3-fach-Kombination aus Aprepitant, 5-HT3-Rezeptorantagonist und Dexamethason (1). Den Einfluss dieser 3-fach-Kombination auf die Lebensqualität der Patienten untersuchte nun eine Metaanalyse anhand von zwei Studien mit HEC sowie einer Studie mit moderat emetogener Chemotherapie (MEC) (2). Wie PD Dr. Karin Jordan, Halle-Wittenberg, berichtete, war der Einfluss auf die Lebensqualität durch Chemotherapie-assoziierte Übelkeit und Erbrechen (CINV) sowohl bei HEC- als auch bei MEC-Regimen wesentlich geringer, wenn die 3-fach-Kombination verabreicht wurde. So gaben 74,4% der HEC-Studiengruppe keine oder nur eine geringe Beeinflussung der Lebensqualität durch CINV an, verglichen mit 63,9% unter der 2-fachen Kombination. In der MEC-Gruppe blieben durch die Hinzunahme von Aprepitant 73,4% vollständig oder nahezu unbeeinträchtigt von CINV, im Vergleich zu 66,3% unter der 2-fachen Kombination.

Bei MEC-Regimen gibt es keine eindeutige Empfehlung für die Hinzunahme von Aprepitant seitens der Leitlinien. Es könne jedoch in gewissen Fällen erwogen werden. Dazu zählen laut Jordan Chemotherapeutika wie etwa Carboplatin, das "aus der moderaten Reihe schlägt und ein hohes Potential zeigt, Erbrechen zu verursachen." Für die Entscheidung, ob Aprepitant indiziert sei, verwies sie auf die individuellen Risikofaktoren für CINV. Dazu zählt etwa weibliches Geschlecht, jüngeres Alter oder eine ängstliche Persönlichkeit. "Diesen Patienten kann die Gabe von Aprepitant durchaus zugute kommen", erklärte die Onkologin.

Dr. Marion Hofmann-Aßmus

25. Münchner Fachpresse-Workshop "Onkologische Supportivtherapie und Onkologie", München, 6.11.2013


Literaturhinweise:
(1) Rola F et al. (2010) Annals of Oncol 21(5):v232-v243.
(2) Molassiotis A et al. (2013) Future Oncol Oct;9(10):1443-50.


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