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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Dezember 2019
Seite 1/4
Diagnostik und Therapie Angioimmunoblastische T-Zell-Lymphome und Anaplastisch-großzellige Lymphome

A. Pichler1, G. Hopfinger2, P. Staber1. 1Medizinische Universität Wien, Univ. Klinik für Innere Medizin I, Hämatologie und Hämostaseologie, 2Medizinische Universität Wien, Univ. Klinik für Innere Medizin I, Stammzelltransplantation.

Das Angioimmunoblastische T-Zell-Lymphom (AITL) und das Anaplastisch-großzellige Lymphom (ALCL) sind zwei Subgruppen des aggressiven neoplastischen peripheren T-Zell-Lymphoms (PTCL). In der neuesten WHO-Klassifikation 2017 finden sich für das AITL und ALCL genauere molekulare Charakterisierungen und bessere Möglichkeiten zur Prognosestellung. Die Standardtherapie wird trotz vielversprechenden wissenschaftlichen Fortschritts in der jüngsten Vergangenheit nach wie vor mit CH(E)OP empfohlen. Durch Kombination des Immunkonjugats Brentuximab Vedotin mit CHP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Prednisolon) konnte erstmals ein ausschlaggebender Effekt auf progressionsfreies (PFS) und Gesamtüberleben (OS) bei CD30+ PTCL, v.a. bei ALCL gezeigt werden. Beim AITL werden gegenwärtig neue Therapieansätze z.B. mit der hypomethylierenden Substanz 5-Azacytidin geprüft.
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PTCL stellen eine sehr heterogene Gruppe lymphatischer Tumoren der T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome dar (1). In Europa kommen als häufigste Subgruppen der PTCL das PTCL ohne weitere Spezifizierung (PTCL, NOS), das AITL und das ALCL vor. AITL und ALCL konnten in jüngster Zeit vielversprechende Fortschritte in Diagnose und Therapie erfahren.
 

AITL
 
In der Vergangenheit trug das heutige AITL bereits viele verschiedene Namen wie angioimmunoblastische Lymph-adenopathie mit Dysproteinemia, immunoblastische Lymphadenopathie und Lymphgranulomatosis X, die alle versuchten, das Krankheitsbild besser zu benennen (1, 2).
 
In der klinischen Präsentation zeigt sich das AITL mit B-Symptomatik (Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß) und Lymphadenopathie (3). Es findet sich in 70% der Fälle ein zusätzlicher Knochenmarksbefall (4). Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass sich 90% der Patienten mit AITL bereits in einem klinisch späten Verlauf präsentieren. Anfangs erwähnte historische Namen basieren auf weiteren klinischen und laborchemischen Auffälligkeiten wie Hautläsionen, Anämien, positivem Coombs-Test und polyklonalen Hypergammaglobulinämien (2).

Das AITL ist eine Neoplasie der reifen T-follicular helper (TFH)-Zelle, die eine essenzielle Rolle in der Aktivierung und Differenzierung von B-Lymphozyten innerhalb des Keimzentrums spielen (1). Ähnlich wie die Sternberg-Reed-Zellen im Hodgkin-Lymphom repräsentieren die malignen TFH-Zellen bei AITL nur eine kleine Fraktion aller Zellen in einem malignen Lymphknoten (5).
 
Es findet sich bei Patienten mit AITL eine starke Assoziation mit Epstein-Barr-Virus (EBV)-Infektionen, womit eine mögliche Ätiologie für das AITL erklärt werden könnte. Bemerkenswert ist dabei, dass der Großteil der B-Zellen eine aktive EBV-Infektion aufweist, in den neoplastischen T-Zellen sich hingegen keine EBV-Infektionen zeigen. Zusätzlich findet sich auch eine gesteigerte Proliferation von B-Zellen in den malignen Lymphknoten. Das genaue Verständnis, wie die mit EBV infizierten B-Lymphozyten in der Pathogenese eine Rolle spielen oder ob eine opportunistische EBV-Infektion der B-Zellen bei bestehender Immundeffizienz durch AITL das Krankheitsbild beschreibt, steht in der Frage zur Ätiologie für das AITL weiter zur Diskussion (1, 6).
 
Auf molekularer Ebene wird das AITL durch Mutationen in den epigenetischen Modulatoren TET2, RHOA, IDH2 und DNMT3 charakterisiert. Seit der WHO-Klassifikation 2017 wurde das nodale PTCL mit einem T-follicular-helper type (TFH)-Phänotyp als eigene provisorische Entität des PTCL aufgenommen. Die TFH-Entität zeigt im Mutationsprofil der epigenetischen Modulatoren (TET2, RHOA, IDH2 und DNMT3) eine große Ähnlichkeit zu AITL, was auf eine möglicherweise enge Beziehung dieser Subtypen schließen lassen kann (3).
 
Epidemiologisch hat sich die Inzidenz des AITL seit den 1970er Jahren wenig verändert. Es repräsentiert etwa 1-2% aller Fälle der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Etwa ein Fünftel der PTCL ist als AITL klassifiziert (3, 7). Das mediane Alter, in dem Patienten mit AITL diagnostiziert werden, ist 65 Jahre (3).
 

ALCL
 
Seit der neuen WHO-Klassifikation 2017 wird das ALCL in ALCL, ALK+ (anaplastische Lymphomkinase-positiv) und als neue distinkte Entität in ALCL, ALK- unterteilt. Das ALCL zeigt sich histologisch namensgebend mit großen Lymphzellen mit reichlich Zytoplasma. Alle Tumorzellen sind stark positiv für CD30 (1). Epidemiologisch ist die Prävalenz des ALCL, ALK+ mit 3% aller NHL bei adulten Patienten angegeben. Bei Kindern fällt es allerdings mit einem Prozentsatz von 10-20% aller pädiatrischen Lymphome auf. Das ALCL, ALK+ wird meistens in den ersten 3 Lebensdekaden diagnostiziert, während das ALCL, ALK- einen deutlich späteren Altersgipfel (zwischen 40 und 65 Jahren) hat (1).
 
Klinisch sind Lymphknoten und auch extranodale Organe betroffen. Im Gegensatz zu AITL lässt sich bei ALCL in der HE-Färbung nur bei 10% ein zusätzlicher Knochenmarksbefall nachweisen; in der Immunohistochemie allerdings bei bis zu 30%, wodurch die häufig schwierige Diagnosestellung im Knochenmark aufgezeigt wird. Die Patienten werden größtenteils im Spätstadium diagnostiziert und weisen klinisch klassische B-Symptomatik auf.
 
 
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