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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. August 2013 Deferasirox verbessert die Hämatopoese bei Patienten mit MDS sowie anderen transfusionsabhängigen Anämien

Interview mit PD Dr. Katharina Götze, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

Chronisch transfundierte Patienten profitieren von Deferasirox (Exjade®): Durch die Behandlung mit diesem Eisenchelator können Patienten eine Verbesserung der Hämatopoese, eine Verringerung des Transfusionsbedarfs sowie einen signifikanten Überlebensvorteil erzielen.

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PD Dr. Katharina Götze, München

JOURNAL ONKOLOGIE: Frau Dr. Götze, die transfusionsbedingte Eisenüberladung tritt bei verschiedenen hämatologischen und onkologischen Grunderkrankungen auf. Welche Patienten können betroffen sein?

Götze: Von einer transfusionsbedingten Eisenüberladung können alle Patienten, die regelmäßige Transfusionen erhalten, betroffen sein. Klassischerweise handelt es sich um Patienten mit angeborenen hämatologischen Erkrankungen oder Patienten, die an einer erworbenen hämatologischen Erkrankung, wie Myelodysplastischen Syndromen (MDS), leiden (1, 2).

JOURNAL ONKOLOGIE: Was muss im Rahmen des Therapiemanagements bei der Behandlung mit Deferasirox beachtet werden?

Götze: Vor Einleitung einer Therapie müssen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie die Nierenfunktion des Patienten ermittelt werden. Daten weisen darauf hin, dass unter Deferasirox die Kreatinin-Werte ansteigen können. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle dieser Werte notwendig. Auch das Serumferritin muss regelmäßig gemessen werden. Wichtig ist, die Patienten über Funktionsweise und Nebenwirkungen des Medikamentes aufzuklären. Unerwünschte, insbesondere gastrointestinale Begleiterscheinungen, können durch die Einnahme am Abend abgemildert werden.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welchen Einfluss hat eine Deferasirox-Therapie auf die Hämatopoese?

Götze: Anfangs wurde angenommen, dass durch eine Eisenchelat-Therapie lediglich die Eisenüberladung in Leber und Herz reduziert wird. Spannend ist jedoch, dass einige Patienten, die regelmäßig Deferasirox einnehmen, eine Verbesserung der Blutwerte zeigen. Dadurch sinkt der Transfusionsbedarf, im Optimalfall werden die Patienten sogar transfusionsfrei (3, 4).

JOURNAL ONKOLOGIE: Welchen Nutzen haben die Patienten von der verbesserten Hämatopoese?

Götze: Verschiedene Studien und Erfahrungen aus dem Praxisalltag zeigen, dass Patienten unter Deferasirox transfusionsfrei werden können (4). Dadurch verbessert sich die Lebensqualität der meist älteren Menschen, die häufig kardial vorbelastet sind.

JOURNAL ONKOLOGIE: Besteht ein Zusammenhang zwischen der Reduktion der Eisenüberladung und hämatologischem Ansprechen?

Götze: Ja, zwei Post-hoc-Analysen der EPIC-Studie zeigen: Je deutlicher die Senkung des Serumferritins, desto wahrscheinlicher ist eine Verbesserung der Hämatopoese (3).

JOURNAL ONKOLOGIE: Was bedeuten diese Daten für den klinischen Alltag?

Götze: Eine Deferasirox-Therapie sollte bei Patienten, die an einer dauerhaft transfusionsabhängigen Anämie leiden, eine Lebenserwartung von mehr als 24 Monaten und ein Serumferritin von über 1.000 ng/µl haben, erwogen werden. Studien belegen, dass das Überleben von Patienten, die an einer transfusionsbedingten Eisenüberladung leiden, mit Hilfe einer Deferasirox-Behandlung signifikant verlängert wird (5, 6).

Vielen Dank für das Gespräch!

Literaturhinweise:
(1) Cappellini et al. Tailoring iron chelation by iron intake and serum ferritin: the prospective EPIC study of deferasirox in 1744 patients with transfusion-dependent anemias. Haematologica 2010; 95:557-566.
(2) Cario et al. S2-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der sekundären Eisenüberladung bei Patienten mit angeborenen Anämien. Klin Pädiatr 2010; 222:399-406.
(3) Gattermann et al. Hematologic responses with deferasirox therapy in transfusion-dependent myelodysplastic syndromes patients. Haematologica 2012; 97(9):1364-1371.
(4) Angelucci et al. Deferasirox Chelation Therapy in Transfusion Dependent MDS Patients. Final Report From the Gimema MDS0306 Prospective Trial. 54th ASH 2012. Abstr. #425.
(5) Lyons et al. Relationship Between Chelation and Clinical Outcomes in 600 Lower-Risk MDS Patients: Registry Analysis At 36 Months. 54th ASH 2012. Abstr. #3800.
(6) Delforge et al. Retrospective analysis on the impact of iron chelation therapy on survival and leukemia progression in transfusion dependent MDS patients in Belgium. Haematologica 2012; 97(Suppl. 1):341-342.


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