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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. Juni 2014 Das Tumorzentrum Heilbronn-Franken

U. Martens, S. Bochum, SLK-Kliniken Heilbronn GmbH.

Die wichtigsten Voraussetzungen für die bestmögliche Behandlung von Krebspatienten sind eine interdisziplinäre Diagnostik, Therapie und Nachbehandlung. Ein für jeden Patienten maßgeschneidertes Behandlungskonzept kann aufgrund der hohen Komplexität der Erkrankungen heutzutage aber nur noch von einem Netzwerk ausgewiesener Fachexperten gewährleistet werden. Ein solches findet sich am Tumorzentrum Heilbronn-Franken, das seit 2010 nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert ist. Mit seinen insgesamt acht zertifizierten Organzentren gehört das an den SLK-Kliniken in Heilbronn angesiedelte Tumorzentrum bundesweit zu den größten und modernsten onkologischen Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft.

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Breites onkologisches Spektrum

Aktuell verfügen nur wenige Tumorzentren in Deutschland über ein vergleichbar breites Spektrum zertifizierter Organkrebszentren wie das Tumorzentrum Heilbronn-Franken (Abb. 1). Hier ist die Expertise in den Bereichen Hauttumore, Brustkrebs, Prostatakarzinom, Darm- und Pankreaskarzinom sowie Kopf-Halstumore und Lungenkrebs gebündelt. Alle Leiter der Organkrebszentren sind ausgewiesene Fachexperten mit langjähriger klinischer und wissenschaftlicher Erfahrung (Abb. 2). Weitere onkologische Schwerpunkte am Tumorzentrum sind die Diagnostik und Therapie hämatologischer Neoplasien und von Tumoren des oberen Gastrointestinaltraktes sowie die palliativmedizinische Versorgung.

Vervollständigt wird das Leistungsspektrum durch die Querschnittsfächer der Pathologie, der Strahlentherapie, der Nuklearmedizin und der diagnostischen und interventionellen Radiologie. Letztere verfügt neben modernsten bildgebenden Verfahren (u.a. PET-CT) über eine Vielzahl lokoregionaler und lokalablativer Methoden - darunter die Radiofrequenz- und Mikrowellenablation, die transarterielle Chemoembolisation (TACE) und die selektive interne Radiotherapie (SIRT). Diese kommen vor allem zur Behandlung des Hepatozellulären Karzinoms, des Nierenzell-Karzinoms sowie von Lungen- und Lebermetastasen verschiedener Primärtumoren erfolgreich zum Einsatz (Abb. 3).

 

Abb. 1: Organigramm - Tumorzentrum Heilbronn-Franken.
 

Interdisziplinarität als tragende Säule

Die Behandlung am Tumorzentrum erfolgt in allen Abteilungen auf der Basis evidenzbasierter Leitlinien und nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Damit ist in nahezu allen Bereichen eine medizinische Versorgung auf universitärem Niveau gewährleistet. Zentrale Bereiche des Tumorzentrums werden im Jahr 2015 im Rahmen eines Klinikneubaus auch räumlich zusammengeführt - unter anderem entsteht eine moderne, interdisziplinäre onkologische Tagesklinik mit insgesamt 24 Behandlungsplätzen (Abb. 4).

Eine tragende Säule des Tumorzentrums ist bereits jetzt die gelebte Interdisziplinarität. Jeder Krebspatient wird im Rahmen einer Tumorkonferenz fachübergreifend besprochen und die weitere Behandlung in einem gemeinsamen Konferenzbeschluss festgelegt. Aktuell finden wöchentlich zehn verschiedene Tumorkonferenzen statt, die auch den niedergelassenen Behandlungspartnern offen stehen. Einen intensiven Austausch mit den zuweisenden Ärzten gewährleisten zudem zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen sowie ein jährlich stattfindendes onkologisches Symposium mit renommierten externen Referenten. Auch für Patienten werden regelmäßig Informationsveranstaltungen angeboten.
 

Abb. 2: Geschäftsführender Vorstand des Tumorzentrums Heilbronn-Franken: PD Dr. med. Jürgen Fischer (Thoraxonkologie), Prof. Dr. med. Uwe Martens (Hämatologie und internistische Onkologie), Prof. Dr. med. Egbert Hagmüller (Viszeralchirurgie) (v.l.n.r).
 

Klinische Krebsforschung: Onkologisches Studienzentrum und Versorgungsforschung

Ein weiterer integraler Bestandteil des Tumorzentrums ist die Durchführung innovativer klinischer Studien. Laufend werden ca. 40 klinische Studien in den Bereichen der verschiedenen Zentren durchgeführt. Wissenschaftliche Schwerpunkte sind Genotyp-spezifische Therapieansätze bei akuten Leukämien oder anderen hämatologischen Neoplasien, bei Lungen- und Hauttumoren sowie bei Tumoren des Gastrointestinaltraktes. Das Spektrum reicht von Phase-I-III-Studien mit zielgerichteten „small molecules“ und Antikörpern bis hin zu neuen multimodalen Therapieansätzen. Dadurch wird den Patienten eine Behandlung mit den neuesten Medikamenten, OP-Verfahren, Bestrahlungstechniken und minimal-invasiven interventionellen radiologischen Methoden ermöglicht, lange bevor diese für die Allgemeinheit zugänglich sind. Die Teilnahme an einer klinischen Studie ist vor allem für jene Patienten von enormer Bedeutung, für die sonst keine effektiven Behandlungsmethoden existieren oder bei denen sich die herkömmlichen Therapieverfahren als nicht wirksam erwiesen haben.

In Kooperation mit dem GECKO-Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie der Hochschule Heilbronn beteiligt sich das Tumorzentrum Heilbronn-Franken zudem an Drittmittel-geförderten Projekten der Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung. Als Datengrundlage dient das seit dem Jahr 1986 an den SLK-Kliniken geführte klinische Krebsregister. Dieses nutzt als Plattform das Gießener Tumordokumentationssystem (GTDS), in dem sämtliche Tumorentitäten dokumentiert werden. Pro Jahr werden mittlerweile ca. 3.500 Neuerkrankungen erfasst, so dass aktuell bereits mehr als 55.000 Krankheitsverläufe in der Datenbank hinterlegt sind. Das Einzugsgebiet des Tumorzentrums Heilbronn-Franken umfasst dabei rund 800.000 Einwohner. Das klinische Krebsregister wird genutzt als Instrument zur internen Qualitätssicherung, zum externen Qualitätsvergleich (Benchmarking) und zur Versorgungsforschung. Die Daten tragen dazu bei, sowohl die Entstehung von Krebserkrankungen besser zu erforschen als auch die Diagnostik und Behandlung am Tumorzentrum kontinuierlich zu verbessern. Unterstützt und evaluiert werden die Aktivitäten von einem unabhängigen Wissenschaftlichen Beirat.

 

Abb. 3: Die interventionelle Radiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Philippe Pereira gehört zu den organübergreifenden Querschnittsfächern am Tumorzentrum Heilbronn-Franken und bietet ein breites Spektrum lokoregionaler und lokalablativer Verfahren.
 

Ganzheitliches Behandlungskonzept

Das Tumorzentrum Heilbronn-Franken unterstützt ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das den Patienten neben der rein medizinischen Versorgung auch eine ergänzende Betreuung durch qualifizierte Psychoonkologen sowie Mitarbeiter des Sozialdienstes, der Brückenpflege und der Seelsorge ermöglicht. Eine spezielle Palliativstation bietet in geschützter Atmosphäre zudem Raum für insgesamt acht Patienten und gewährleistet, dass im letzten Lebensabschnitt eines Menschen vor allem der Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität im Mittelpunkt der Behandlung steht.

Der Fachbereich Psychoonkologie, der direkt dem Tumorzentrum zugeordnet ist, bietet während einer stationären und ambulanten Behandlung am Tumorzentrum Heilbronn-Franken professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung an. Für die meisten Betroffenen stellt eine Tumorerkrankung eine schwere Lebenskrise dar. Sie kann mit zahlreichen körperlichen und seelischen Belastungen verbunden sein und zieht unter Umständen auch Veränderungen im familiären, sozialen und beruflichen Umfeld nach sich. Die psychoonkologische Betreuung unterstützt die Patienten in dieser belastenden Situation und hilft ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme in der Zeit des Krankenhausaufenthalts, der Chemotherapie und der Bestrahlung.

Um auch den onkologisch tätigen Ärzten Unterstützung zu bieten, wurde von den Mitarbeitern der Psychoonkologie ein spezielles Kommunikations-training entwickelt: TaKT (Training achtsamer Kommunikation im Tumorzentrum). Dieses ist mittlerweile fester Bestandteil der internen Fort- und Weiterbildung aller am Tumorzentrum tätigen Ärzte und vermittelt die Fähigkeiten und Kenntnisse, die notwendig sind, um auch in emotionalen Ausnahmesituationen ein gutes und vertrauensvolles Patientengespräch führen zu können.

Support durch Brückenpflege und Sozialberatung

Die Brückenpflege ist ein für das Land Baden-Württemberg spezifisches Konzept zur ambulanten Versorgung unheilbar an Krebs erkrankter Menschen. Betreut werden die Patienten durch ausgebildete Krankenschwestern und -pfleger, die eine Zusatzqualifikation im Bereich der Palliativen Pflege vorweisen können. Ziel der Brückenpflege ist die Verbesserung des Übergangs schwerkranker Tumorpatienten vom Krankenhaus in die häusliche Betreuung. Zu ihren Aufgaben gehören die Vorbereitung der Entlassung in den häuslichen Bereich, die Koordinierung der notwendigen ambulanten Unterstützungsmaßnahmen unter Einbeziehung der behandelnden Ärzte, des Sozialdienstes und ambulanter Pflegedienste sowie übergangsweise auch die Übernahme pflegerischer Aufgaben.

Eine weitere wichtige Ergänzung zur medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Versorgung der Patienten ist die Sozialberatung. Im Tumorzentrum Heilbronn-Franken arbeitet ein großes Team aus Dipl.-Sozialarbeiterinnen bzw. Dipl.-Sozialpädagoginnen, das den Betroffenen - orientiert an der individuellen Lebenssituation und dem sozialen Umfeld - beratend zur Seite steht. Zu den Hauptaufgaben der Sozialberatung gehört die Vorbereitung der Wiedereingliederung in das Alltags- und Berufsleben durch Planung und Organisation entsprechender Rehabilitationsmaßnahmen.

 

Abb. 4: Das Tumorzentrum Heilbronn-Franken erhält im Rahmen des Klinikneubaus (geplante Fertigstellung 2015) auch eine zentrale interdisziplinäre Poliklinik.
 

Ergänzende Therapien und Selbsthilfegruppen

Darüber hinaus gibt es am Tumorzentrum Heilbronn-Franken zahlreiche begleitende Therapieangebote, die die Patienten in der Krankheitsverarbeitung unterstützen. Zu diesen gehören unter anderem Entspannungskurse, Klangschalenmassage, Maltherapie, QiGong und Tanztherapie. Außerdem besteht eine enge Kooperation mit den regionalen Selbsthilfegruppen, die den Betroffenen eine wesentliche Stütze bei der Bewältigung und im Umgang mit der Krankheit bieten. Neben zahlreichen gemeinsamen Informationsveranstaltungen gewährleistet ein jährlich durchgeführter gemeinsamer Qualitätszirkel einen kontinuierlichen Austausch aller Akteure. Mehrere Selbsthilfegruppen halten ihre regelmäßigen Mitgliedertreffen zudem in den Räumlichkeiten der SLK-Kliniken ab.


 

 

Prof. Dr. med. Uwe Martens

Am Gesundbrunnen 20-26
74078 Heilbronn

Tel.: 07131/492 801
E-Mail: uwe.martens@slk-kliniken.de




 

 

Dr. med. Sylvia Bochum

Am Gesundbrunnen 20-26
74078 Heilbronn

Tel.: 07131/492 810
E-Mail: sylvia.bochum@slk-kliniken.de





 


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