Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. März 2015 Chronische myeloische Leukämie: Ponatinib zeigt tiefes und dauerhaftes Ansprechen in der Drittlinienbehandlung

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Februar in Mainz referierte Prof. Andreas Hochhaus, Jena, über neue Langzeitergebnisse aus Studien zu Wirksamkeit und Therapiesicherheit von Ponatinib (Iclusig®), die beim Annual Meeting der American Society of Hematology (ASH) 2014 in San Francisco vorgestellt worden sind. Der pan-BCR-ABL-Inhibitor Ponatinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) der dritten Generation, der seit 2013 zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) zugelassen ist. Hochhaus gab einen Überblick über die aktuellen Therapieoptionen der CML (siehe auch Infokasten).

So berichtete Hochhaus über neue Daten aus einer Langzeitnachbeobachtung der Phase-II-Studie PACE (medianes Follow-up 38,4 Monate), denen zu Folge Ponatinib bei stark vorbehandelten Patienten mit CML oder Ph+ ALL (Philadelphia-Chromosom positiver akuter lymphatischer Leukämie) ein tiefes und dauerhaftes Ansprechen bewirkte (1). Dies war besonders ausgeprägt bei Patienten mit einer CML in der chronischen Phase (CP-CML). 39% der CML-Patienten erreichten wenigstens eine MMR (Major Molecular Response). Die mediane Zeit bis zum Erreichen einer MCyR (Major Cytogenetic Response) und einer CCyR (Complete Cytogenetic Response) lag bei jeweils 2,8 Monaten und bis zu einer MMR bei 5,5 Monaten. Die Remissionen hielten dauerhaft an. Bei 83% der Patienten kam es zu einer MCyR von mindestens 36 Monaten. Das gute zytogenetische Ansprechen schlug sich in einer 3-Jahres-Rate im progressionsfreien Überleben (PFS) von 61% und einer 3-Jahres-Rate im Gesamtüberleben (OS) von 82% nieder. Die kumulative Inzidenz arterieller thrombotischer Ereignisse (ATEs) wäre zwar erhöht, so Hochhaus, doch gebe es keine Inzidenz neuer ATEs und venöser thromboembolischer Ereignisse (VTEs) mit längerer Ponatinib-Therapie. Als Reaktion auf das gehäufte Auftreten der ATEs wurde im Oktober 2013 im Ponatinib-Studienprogramm eine Dosisreduktion empfohlen, woraufhin Patienten anstatt mit 45 mg mit 15 mg bzw. 30 mg weiterbehandelt wurden (1). Es zeigte sich, dass 94% der Patienten trotz Dosisreduktion das Therapieansprechen behielten. Bei 5/70 (7%) der Patienten nach Dosisreduktion kam es erstmalig zum Auftreten eines ATEs. Bei 7/67 (10%) der Patienten trat erstmalig ein ATE ohne Dosisreduktion auf. Hochhaus wies daraufhin, dass bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein ATE der Therapienutzen und das Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden sollten.
 


    Therapie der CML in 2015


    Neudiagnostizierte Patienten:
    - Imatinib 400 mg/d
    - Nilotinib 300 mg BID
    - Dasatinib 100 mg/d

    2. oder 3. Therapielinie:
    - Nilotinib, Dasatinib,
      Bosutinib, Ponatinib
    - Allogene Stammzelltransplantation
 
 
   

Frühes Ansprechen auch in der Drittlinie relevant

Wie wichtig ein frühzeitiges Erreichen einer Remission für den Langzeittherapieerfolg einer TKI-Behandlung in der Erst- und Zweitlinienbehandlung ist, konnte bereits mehrfach gezeigt werden. Eine retrospektive Subgruppenanalyse überprüfte nun diesen Zusammenhang auch bei stark vorbehandelten CML-Patienten (2). Dazu wurden 267 CP-CML-Patienten der PACE-Studie ausgewertet. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 27,9 Monate. Alle Patienten waren stark vorbehandelt, 60% hatten zuvor bereits 3 oder mehr TKIs erhalten. 51% der Patienten zeigten nach 3 Monaten eine molekulare Remission mit ≤ 10% BCR-ABL, 36% mit ≤ 1% BCR-ABL und 15% hatten eine MMR erreicht. Eine schnelle und tiefe Reduktion der BCR-ABL-Spiegel durch die Ponatinib-Therapie übertrug sich in eine verbesserte Langzeitwirksamkeit. Je ausgeprägter das molekulare und das zytogenetische Ansprechen, umso größer war nach 3, 6 und 12 Monaten der Vorteil im PFS und OS. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Erreichen eines frühen und tiefen Ansprechens somit auch in diesem Setting unter Ponatinib einen deutlichen Prädiktor für bessere Langzeitergebnisse darstellt. Daher solle man möglichst früh im Verlauf der Behandlung mit der BCR-ABL-Kontrolle beginnen, so Hochhaus.

sk

Post-ASH-Fachpressekonferenz, Veranstalter: ARIAD. 06.02.2015, Mainz

Literaturhinweise:

(1) Cortes JE et al. ASH 2014, Poster, Abstr. #3135.
(2) Müller C et al. ASH 2014, Oral Abstract Session, Abstr. #518.


Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Was leisten Prognosetests? Unnötige Chemotherapien vermeiden

Durch die Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, hat sich die Krebstherapie gewandelt. Während früher alle Patienten quasi die gleiche Behandlung wie nach dem „Gießkannenprinzip“ erhielten, steht nun zunehmend der einzelne Patient mit seinen individuellen Tumoreigenschaften im Fokus. Bei Frauen mit Brustkrebs hat diese Entwicklung zu sogenannten Prognosetests geführt, die eine Vorhersage über den Nutzen einer Chemotherapie erlauben,...

Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Chronische myeloische Leukämie: Ponatinib zeigt tiefes und dauerhaftes Ansprechen in der Drittlinienbehandlung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.