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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. November 2005 Chemotherapie-induzierte Neutropenie und Anämie: Aktuelle klinische Daten und Empfehlungen

In der Behandlung Zytostatika-induzierter Neutropenien hat sich der Wachstumsfaktor Pegfilgrastim bewährt, der nur einmal pro Chemotherapiezyklus gegeben werden muss. Die Substanz reduziert signifikant schwere Infektionen, insbesondere in Kombination mit Ciprofloxacin, wie aktuelle klinische Daten zeigen, über die PD Christian Jackisch vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg berichtete. Als einen großen Fortschritt bezeichnete PD Diana Lüftner, Berlin, die ersten europäischen Richtlinien der EORTC zum Einsatz Erythropoesen-stimulierender Faktoren (ESF) bei anämischen Tumorpatienten, weil sie die Lebensqualitätsverbesserung der Patienten in den Vordergrund stellen.
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Häufig kommt es wegen einer Neutropenie zu Zyklusverschiebungen und Dosisreduktionen, welche den Therapieerfolg gefährden. Dies sei ein „ungeschickter“ Weg Nebenwirkungen zu vermeiden, so Jackisch. Bonadonna et al. konnten z.B. nachweisen, dass ein Abweichen von der klassischen Dosisdichte bei CMF eine erhöhte Rückfallrate zur Folge hat und die Überlebenszeit reduziert. Ein besserer Weg ist der prophylaktischen Einsatz von G-CSF, wodurch sich das Neutropenierisiko deutlich verringern lässt. So konnte in einer Phase-III-Studie bei Mammakarzinompatientinnen unter Docetaxel die Rate febriler Neutropenien (FN) von 17% auf 1% reduzieren (Vogel et al., 2005). Die Rate der FN-assoziierten Hospitalisierung sank von 14 auf 1%, der FN-assoziierte Antiinfektiva-Bedarf von 10 auf 2%.
In der neoadjuvanten Chemotherapie sind TAC-assoziierte schwere und febrile Neutropenien sowie Infektionen durch den kombinierten Einsatz von Pegfilgrastim und Ciprofloxacin zum großen Teil vermeidbar. Ergebnisse dazu stellten von Minckwitz et al., auf dem diesjährigen ASCO vor (Abb. 1). Nach einer Metaanalyse von Nicole Kuderer und ihrer Arbeitsgruppe (ASCO 2005 #8117), in der 14 Studien ausgewertet wurden, reduziert die prophylaktische Gabe von G-CSF signifikant febrile Neutropenien unabhängig davon, um welchen Tumor es sich handelte (20,4 vs. 37,3%). In 8 von 14 Studien verbesserte die G-CSF-Prophylaxe auch die dosisdichte Gabe nach Schema. Die relative Risikoreduktion war unter Pegfilgrastim mit 92% signifikant größer als unter Filgrastim (42%) oder Lenograstim (22%).
Jackisch kam zu dem Schluss, dass der prophylaktische Einsatz von Wachstumsfaktoren bei fast allen soliden Tumoren, die mit myelotoxischen Substanzen behandelt werden, notwendig ist. Ein Muss ist seiner Ansicht nach der Einsatz von G-CSF bei TAC.


EORTC-Richtlinien zum Einsatz von ESF

Zwischen 20 und 60% der Tumorpatienten sind bei Erstvorstellung bereits anämisch, die Inzidenz erhöht sich weiter infolge von Chemotherapie, Strahlentherapie und durch die Erkrankung selbst. Häufig erfolgt keine Diagnose, die Folgen der Anämie werden vom Arzt häufig unterschätzt und die Behandlung ist uneinheitlich. So fasste Lüftner den Status quo zusammen. Die neuen europäischen Richtlinien zum Einsatz von Erythropoietin, die im letzten Jahr publiziert wurden, sollen dazu beitragen, dass die Anämie von Krebspatienten wirkungsvoller behandelt wird. Als Hauptziele einer ESF-Behandlung wurden definiert: Die Verbesserung der Lebensqualität und die Vermeidung von Infusionen. Die Behandlung mit ESF sollte bei einem Hb-Wert zwischen 9-11 g/l entsprechend der Symptomatik begonnen werden, der Ziel-Hb liegt bei 12-13 g/l und soll auf diesem Niveau gehalten werden, solange die klinische Symptomatik verbessert wird. Bei Patienten mit normalem Körpergewicht sollte die Behandlung durch eine ESF-Fixdosis erfolgen. 0
Durch die lange Halbwertszeit von Darbepoetin alfa (Aranesp® ist die einmalige Injektion alle 3 Wochen möglich, sie ist ebenso effektiv wie die wöchentliche Gabe. Standarddosis ist 2,2 mg/kg KG. Etwa drei Viertel der Patienten sprechen laut Lüftner auf die Substanz an und haben den gewünschten Hb-Anstieg. Für die Einmalgabe alle 3 Wochen wird als Startdosis 6,75 mg/kg KG empfohlen, für den Theapiebeginn (1 Injektion alle 3 Wochen s.c.) steht als Fixdosis Aranesp® 500 mg zur Verfügung. Bei Respondern ist mit einem Theapieansprechen innerhalb von 9 Wochen zu rechnen.

AS

Quelle: Presse Workshop: Biologics – eine Klasse für sich. München, 27.9.2005. Veranstalter: Amgen


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