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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. September 2015 CML: Nach 6 Jahren ist Nilotinib weiterhin deutlich überlegen

Der Zweit-Generations-Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) Nilotinib (Tasigna®) zeigt in der Behandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) auch nach 6 Jahren deutlich höhere Wirksamkeit als die Vorgängersubstanz Imatinib. Die Resultate der ENESTnd-Studie zeigten ein schnelleres und tieferes molekulares Ansprechen als unter Imatinib. Die Ergebnisse der ENEST1st-Studie bestätigten das günstige Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofil.

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Im Follow-up der ENESTnd-Studie zeigten sich unter 2x 300 mg/d Nilotinib im Vergleich zu 400 mg/d Imatinib nach 6 Jahren

- höhere Raten an guten molekularen Remissionen, d.h. BCR-ABL-Werte ≤ 0,1% (77,3% versus 61%; p<0,0001),
- höhere Raten an besonders tiefen molekularen Remissionen (MR4,5, d.h. BCR-ABL ≤ 0,0032%: 55,7% vs. 32,9%; p<0,0001) und
- niedrigere Progressionsraten zu akzelerierter Phase bzw. Blastenkrise.

In allen 3 Armen (Arm A: 2x 300 mg Nilotinib, Arm B: 2x 400 mg Nilotinib, Arm C: 1x 400 mg Imatinib) war ein früher Abfall der BCR-ABL-Konzentrationen nach 3 Monaten Therapie auf unter 1% nach dem internationalen Standard prädiktiv für ein späteres tiefes molekulares Ansprechen: Diese Patienten hatten in der ENESTnd-Studie nach 6 Jahren deutlich höhere Raten an MR4,5 (73,6% unter 2x 300 mg/d Nilotinib bzw. 72,1% unter 400 mg/d Imatinib) als vor allem diejenigen, deren Titer nach 3 Monaten noch über 10% gelegen hatten (8,3% bzw. 15,9%). Auch nach 6 Jahren bestätigte sich, dass eine MR4,5 von deutlich mehr Patienten in den beiden Nilotinib-Armen erreicht wurde als im Imatinib-Arm (56% bzw. 55% vs. 33%). Eine solche tiefe molekulare Remission ist aber eine Voraussetzung für die Teilnahme an Studien, in denen das kontrollierte Absetzen der Medikation und das Halten einer „therapiefreien Remission“ erprobt wird.

Das Sicherheitsprofil hat sich während der letzten Jahre nicht verändert, und Nilotinib stellt daher einen Standard in der Behandlung von Patienten mit neu diagnostizierter CML in der chronischen Phase dar.


CML: Optimierung des Therapiemanagements

In der 1-armigen ENEST1st-Studie (Evaluating Nilotinib Efficacy and Safety in clinical Trials as First-line treatment) hatten 1.089 Patienten mit CML in der chronischen Phase, die vorher höchstens 3 Monate lang mit Imatinib behandelt worden waren, Nilotinib in der Standarddosierung von 2x täglich 300 mg erhalten. Nach 18 Monaten der Therapie mit Nilotinib hatte beinahe jeder 2. Patient (48%) mindestens eine MR4 erreicht, 32% sogar eine MR4,5; nach 2 Jahren waren mehr als die Hälfte der Patienten (55,2%) in einer MR4. Progressionen zu akzelerierter Phase oder Blastenkrise waren mit 6 Fällen (0,6%) sehr selten.

Ein Vergleich zwischen ENESTnd (die 2007-2008 rekrutiert hatte) und ENEST1st (Rekrutierung 2010-2012) zeigt, dass der Anteil der Patienten, die nach 12 Monaten eine gute molekulare Remission (MMR) erreicht hatten, in ENEST1st mit 69% deutlich höher war als in der Nilotinib-300-mg-Gruppe der ENESTnd-Studie (55%); ähnliches galt für eine MR4,5 nach einem Jahr (21% vs. 11%). Wie in ENESTnd war das Erreichen einer MMR nach 3 Monaten prädiktiv für das Erreichen eine späteren tiefen molekularen Remission: Keiner der Patienten, die diese Marke nach 3 Monaten verfehlt hatten, konnte nach 2 Jahren mit einer MR4 aufwarten.

Die zunehmende Erfahrung mit der Gabe von Nilotinib scheint also durchaus mit einer Optimierung des Therapiemanagements und dadurch auch mit noch besseren Resultaten assoziiert zu sein. Beispielsweise konnte in ENEST1st die Nilotinib-Dosis bei wiederholtem Auftreten von Nebenwirkungen auf 450 mg/d reduziert werden. Die Ergebnisse stützen die Gabe von Nilotinib als Erstlinientherapie bei Patienten mit neu diagnostizierter CML in der chronischen Phase. Vor allem lassen sich damit deutlich mehr Patienten in eine tiefe molekulare Remission bringen, die es ihnen wiederum ermöglicht, an den derzeit laufenden bzw. geplanten Studien teilzunehmen, in denen solche Patienten unter kontrollierten Bedingungen die Therapie beenden können. Das Ziel dieser Strategie ist die „therapiefreie Remission“ für möglichst viele Patienten.

Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH

Josef Gulden (jg)

Quelle: 20th Congress of the European Hematology Association (EHA) vom 11.-14. Juni 2015 in Wien


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