Montag, 26. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Giotrif
Giotrif

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

28. Mai 2003 Buprenorphin-Schmerzpflaster wirkt stark und dauerhaft

Auch Tumorpatienten profitieren von der transdermalen Therapie

Bei der Behandlung starker Schmerzen bei Tumorpatienten liegt derzeit noch einiges im Argen, so mahnen Experten. So werden Opioide zu selten, oft zu spät oder in unzureichender Dosierung eingesetzt. Dabei wäre die Behandlung meist einfach z.B. mit Hilfe eines Opioid-Pflasters wie dem Buprenorphin-Schmerzpflaster möglich. Dieses ist stark wirksam und einfach zu handhaben. Es wirkt zuverlässig über 72 Stunden, verursacht keine Toleranzphänomene und wird von den Patienten sehr gut akzeptiert. Mit seiner Hilfe lässt sich bei Tumorpatienten auch langfristig eine gute Schmerzlinderung erzielen.
In der Onkologie hat in jüngster Zeit ein Umdenken eingesetzt, wobei es neben der Lebenserwartung mehr und mehr auch um die Lebensqualität der Betroffenen geht. In dieser Hinsicht gewinnt auch die Schmerztherapie zunehmend an Bedeutung, erklärte Dr. Stefan Fuxius, niedergelassener Onkologe und Hämatologe aus Heidelberg bei einem Pressegespräch im Rahmen des AEK Kongress (Abteilung experimentelle Krebsforschung) der Deutschen Krebsgesellschaft in Würzburg. Die Schmerztherapie hat beim Tumorpatienten grundsätzlich das gleiche Ziel wie beim Nicht-Tumorpatienten mit chronischen Schmerzen: Sie soll den Schmerz lindern oder wenn möglich sogar beheben: „Opioide aber werden bei Tumorpatienten mit starken Schmerzen nach wie vor viel zu spät eingesetzt und nicht selten auch in nicht ausreichender Dosierung“, berichtete Fuxius.

Konstante Wirkspiegel durch transdermale Therapie
Tumorpatienten brauchen nach seinen Worten auch bei der Schmerztherapie eine intensive Betreuung. Umso wichtiger ist es, dass eine Behandlung eingeleitet wird, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schmerzen der Patienten ausreichend lindert, ergänzte Dr. Paul Schriek, Allgemein- und Palliativmediziner aus Celle. In der Praxis geschehe dies aber leider oft nicht, und das beginnt schon bei der Dosierung. „Die Therapie ist dann unter Umständen suboptimal“, so Schriek.
Generell ist es laut Schriek ratsam, mit dem Schmerzpatienten eine Art Vereinbarung zu schließen. So sollte man den Betroffenen ehrlich erklären, dass eine komplette Schmerzbefreiung oft nicht möglich ist. Gemeinsam aber kann daran gearbeitet werden, eine Schmerzlinderung bis auf ein gut erträgliches Maß zu realisieren. Wichtig dabei ist, dem Patienten für den Fall sich verstärkender Schmerzen auch eine schnell wirksame Bedarfsmedikation an die Hand zu geben, damit nicht wegen der Schmerzproblematik am Wochenende der Notarzt gerufen werden muss, der möglicherweise eine Klinikeinweisung veranlasst. 0
Ein häufiger Fehler besteht nach Schriek ferner darin, dass Analgetika in nicht retardierter Form verabreicht werden. Gerade Opioide sollten kontinuierlich wirksam sein und müssen nach der Uhr eingenommen werden. Besser noch sei es, wenn ein transdermales System gewählt wird. Dann resultieren tatsächlich konstante Wirkstoffspiegel, betonte der niedergelassene Mediziner, bei dem die Behandlung chronischer Schmerzen ein Praxisschwerpunkt ist.
Den Grund für die Misere in der Tumor-Schmerztherapie sieht Fuxius, der in einer onkologischen Schwerpunktpraxis niedergelassen ist, primär in Defiziten bei der medizinischen Ausbildung, bei der die Schmerztherapie praktisch nicht gelehrt wird. Er kritisierte bei einem Pressegespräch der Grünenthal GmbH, dass Opioide in Deutschland viel zu zögerlich eingesetzt werden. Das zeigen nach seinen Worten die Pro-Kopf-Verbrauchszahlen im internationalen Vergleich, die in den anglo-amerikanischen Ländern 1995 bei 75 kg pro eine Million Einwohner lagen, während hierzulande nur rund 7 kg pro eine Million Einwohner angewandt wurden. „Das ist sicherlich viel zu wenig,“ sagt der Heidelberger Onkologe.

Buprenorphin transdermal – hochpotente Opioidtherapie
Grundsätzlich sollte man sich nach seinen Worten bei der Schmerztherapie an das WHO-Stufenschema halten. Allerdings muss sich die Behandlung an der individuellen Situation orientieren. Es gibt Patienten, bei denen schon früh klar ist, dass sie die einzelnen Stufen des Schemas sehr rasch durchlaufen werden. Dann kann es nach Fuxius unter Umständen gerechtfertigt sein, bereits frühzeitig eine Substanz der Stufe 3, also ein hochpotentes Opioid, einzusetzen. „Man erreicht dann meist rasch eine stabile Einstellung, den Patienten geht es schnell besser und sie fassen Vertrauen zu ihrem Arzt“, so der Onkologe. 1
In einer solchen Situation bietet sich nach Schriek die Behandlung mit einem transdermalen therapeutischen System und speziell mit dem Buprenorphin-Schmerzpflaster (Transtec®) an (Abb. 1). Buprenorphin ist ein hochpotentes Opioid mit starker analgetischer Wirkung, mit dessen Hilfe sich laut Schriek bei Tumorschmerzen eine effektive Linderung erzielen lässt. Das Pflaster ist nach seinen Erfahrungen hochwirksam und erlaubt eine wirksame Schmerztherapie über längere Zeiträume hinweg.
Beim Buprenorphin-Pflaster handelt es sich um ein Pflastersystem der zweiten Generation, also ein Matrixpflaster. Das hat für die Praxis Vorteile bei der Handhabung, wie Fuxius betonte. Denn die moderne Matrixtechnologie macht es möglich, das Buprenorphin-Pflaster zu teilen und damit das stark wirksame Opioid quasi einschleichend zu dosieren.

Start der Opioide transdermal und in niedriger Dosierung
Vor diesem Hintergrund hat sich Schriek in der Praxis für ein pragmatisches Vorgehen entschieden und startet bei Tumorpatienten mit starken Schmerzen frühzeitig mit der transdermalen Opioidtherapie. „Wenn die Patienten unter starken Schmerzen leiden, die mit einem nichtsteroidalen Antirheumatikum nicht befriedigend behandelt werden können, ist meines Erachtens die Indikation für ein Opioid gegeben“, erklärt der niedergelassene Mediziner.
Ist dies der Fall, so wählt er nach eigenen Angaben das Buprenorphin-Schmerzpflaster. Dazu Schriek: „Ich beginne meist mit dem mittleren Pflaster und zerteile dieses, so dass eine langsam einschleichende Dosierung gewährleistet ist. Nach ein bis zwei Wochen kann das kleine Pflaster oder bei Bedarf auch das mittlere Pflaster komplett geklebt werden. Falls die Schmerzen im Krankheitsverlauf zu-nehmen, steige ich auf größere Pflasterstärken um“. Dieses Vorgehen gewährleistet nach Angaben des Mediziners, dass innerhalb kurzer Zeit eine effektive Analgesie erwirkt wird und die Schmerzen des Patienten dann über einen langen Zeitraum gelindert werden. Dies ist solange möglich, bis bei fortgeschrittener Erkrankung im Einzelfall invasive Verfahren der Schmerzbehandlung wie beispielweise eine Schmerzmittelpumpe notwendig werden. Bei den meisten Tumorkranken lässt sich laut Schriek mit dem Buprenorphin-Pflaster aber sogar bis zu ihrem Lebensende eine befriedigende Schmerztherapie realisieren (Abb. 2). Das hat entscheidende Auswirkungen auf ihre Lebensqualität und minimiert zugleich die Notwendigkeit von Hausbesuchen oder Notarzteinsätzen am Wochenende. 3

Zuverlässige Wirkung über 72 Stunden für mehr Lebensqualität
Die Patienten selbst akzeptieren das Pflaster sehr gut, was neben der guten Wirksamkeit und Verträglichkeit auch psychologische Gründe haben dürfte. Denn das Buprenorphin-Pflaster muss erst nach drei Tagen gewechselt zu werden. Anstelle mehrmals täglicher Tabletteneinnahmen kann der Patient oft für Tage die Schmerzen und damit auch die zugrundeliegende Erkrankung regelrecht vergessen. „Auch das ist ein Beitrag zu mehr Lebensqualität, die übrigens zunehmend in den Blickpunkt der Medizin rückt“, sagte Schriek.
Das Buprenorphin-Pflaster wirkt nach seinen Worten zuverlässig über 72 Stunden. Es gibt dem Patienten bei guter Einstellung damit die Gewähr, über drei Tage eine befriedigende Schmerzlinderung zu erfahren, während beim Reservoirpflaster nicht selten schon nach zwei Tagen das Pflaster gewechselt werden muss, wie der Mediziner erklärte. Dies führe auch zu einem unverhältnismäßigem Anstieg der Therapiekosten.

Gute Verträglichkeit
Die Schmerzlinderung wird beim Buprenorphin-Pflaster und dem geschilderten Vorgehen laut Fuxius nicht mit gravierenden Nebenwirkungen erkauft. Auch die opioidtypischen Begleitreaktionen sind bei entsprechender Vorbeugung wie z.B. durch Antiemetika selten ein Problem. So klagen die Patienten unter dem Buprenorphin-Pflaster seltener über Nebenwirkungen wie Obstipation oder Sedierung als sonst unter Opioiden üblich, was neben dem Applikationsweg und den Substanzeigenschaften nicht zuletzt auch durch die einschleichende Dosierung mitbedingt sein dürfte. „Erfreulicherweise sehen wir aber auch Patienten“, so Fuxius, „die eine Opioidtherapie erhalten und in Remission kommen und bei denen dann die Dosierung deutlich zurückgenommen, ja sogar abgesetzt werden kann.“ .

Fazit
Mit dem Buprenorphin-Schmerzpflaster ist somit, so das Fazit der beiden Experten, eine Behandlungsoption verfügbar, mit der sich auch bei starken Schmerzen bei Tumorpatienten eine effektive Linderung erwirken lässt. Beim Buprenorphin handelt es sich um ein stark wirksames Opioid, das bei der transdermalen Applikation für eine zuverlässige analgetische Wirksamkeit über 72 Stunden sorgt. Das Schmerzpflaster kann bereits frühzeitig eingesetzt werden und ist sehr gut verträglich.

Christine Vetter

Quelle: Pressegespräch „Opioide in der Tumortherapie“ beim 12. AEK Congress der Deutschen Krebsgesellschaft im März in Würzburg


Anzeige:
Keytruda
Keytruda

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Buprenorphin-Schmerzpflaster wirkt stark und dauerhaft"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab