Freitag, 24. Mai 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Februar 2015 Bedeutung von Lebensqualität und Ernährung bei Pankreaskarzinom-Patienten

Dr. Felix K. Tauchert, Frankfurt, PD Dr. Kristina Norman, Berlin.

Beim fortgeschrittenen Pankreaskarzinom stehen die Behandlungsziele Verlängerung der Überlebenszeit und Lebensqualität meist nicht im Einklang, wie Dr. Felix K. Tauchert, Frankfurt, ausführte. Das Therapieziel im fortgeschrittenen Stadium war lange Zeit die Verbesserung der Symptomatik, was sich in der Zulassungsstudie von Gemcitabin widerspiegelt, in der der klinische Benefit der primäre Studienendpunkt war (1). Dass sich mit einer erfolgreichen Symptomkontrolle auch die Lebensqualität der Patienten verbessert, will die QoliXane-Studie für Pankreaskarzinom-Patienten unter einer Erstlinientherapie aus nab-Paclitaxel + Gemcitabin zeigen (Abb. 2). Offen bleibt, wie die Lebensqualität im klinischen Alltag optimal gemessen werden kann. "Die Dokumentation mit Fragebögen wie dem EORTC-QLQ-C30 hat sich wegen der "Überlänge" der Fragen als nicht praktikabel erwiesen, wohingegen EQ-5D mit nur 2 Fragen in der klinischen Praxis am häufigsten verwendet werden dürfte", so Tauchert. Der Patient kommt am Tablet-PC mit der Beantwortung der Fragen allein meist nicht zurecht. "Um herauszufinden, wie es dem Patienten geht, ist letztendlich das Einzige, was hilft, ausführlich mit ihm zu reden", kommentierte Tauchert.

 

Abb. 2: QoliXane Studiendesign.
 

Wichtig für den Erhalt der Lebensqualität ist auch ein ausreichender Ernährungszustand und Erhalt der Muskelmasse. Wie PD Dr. Kristina Norman, Berlin, erläuterte, führen katabolische und OP-assoziierte Faktoren häufig zu Mangelernährung und Kachexie. Damit einher geht eine schlechtere Prognose für das Langzeitüberleben (2). Eine Mangelernährung liegt vor, wenn der Patient mehr als 5-10% seines Körpergewichts in den letzten 6 Monaten verloren hat (3), der BMI hat keine Aussagekraft. "Von den 55,9% der Patienten mit Pankreaskarzinom, die eine Sarkopenie entwickeln, sind nur 10% untergewichtig, 50% normal- und 40% übergewichtig. "Dick" bedeutet nicht, dass ein guter Ernährungszustand vorliegt", betonte sie. Die S3-Leitlinie (4) sieht für Patienten mit Pankreaskarzinom keine spezifischen Ernährungsempfehlungen vor, eine routinemäßige enterale Ernährung ist nach der vorliegenden Datenlage nicht indiziert. Ist die Energie- und Nährstoffzufuhr über die orale Nahrung nicht gesichert und besteht die Gefahr für Verdauungsbeschwerden und Stoffwechselentgleisungen, sollte ein Ernährungsstufenplan durchgeführt werden, beginnend mit einer Ernährungsberatung. Stufenweise finden dann Trinknahrung, enterale und parenterale Ernährung Anwendung. "Es ist wichtig, beim Pankreaskarzinom den Bogen über die reine Onkologie hinaus hin zur besseren Versorgung der Patienten hinsichtlich ihrer Lebensqualität zu spannen. Die Ernährungssituation spielt dabei eine ganz wichtige Rolle", so das Fazit von Prof. Hanno Riess, Berlin.


Literaturhinweise:
(1) Burris HA et al. J Clin Oncol 1997;15:2403-13.
(2) Bachmann J et al. J Gastointest Surg 2008;12:1193-1301.
(3) Fearon K et al. Lancet Oncology 2011;12:489-95.
(4) S3-Leitlinie Exokrines Pankreaskarzinom, Langversion 1.0, 2013. Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF.


Das könnte Sie auch interessieren

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Die Björn Schulz Stiftung

Die Björn Schulz Stiftung
© Александра Вишнева / fotolia.com

in Deutschland leben derzeit rund 50.000 Familien mit einem lebensbedrohlich oder lebensverkürzend erkrankten Kind. Ihre Zahl steigt, denn dank des medizinischen Fortschritts haben schwerst- oder unheilbar kranke Kinder heute eine höhere Lebenserwartung als noch vor 20 Jahren. In der für die betroffenen Kinder und Angehörigen schwierigen Situation bieten Kinderhospizdienste eine intensive Begleitung sowie eine umfassende Betreuung in einer familiären, kindgerechten...

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf
© Sabphoto / Fotolia.com

In der Schule, vor dem Smartphone oder am Computer: Die Liste sitzender Aktivitäten von Jugendlichen ist lang. Fast die Hälfte ihrer Wachzeit – knapp sieben Stunden pro Tag – verbringen Schüler heutzutage sitzend oder liegend. Je mehr die jungen Menschen sitzen, desto riskanter ist auch ihr Gesundheitsverhalten: Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) im Rahmen des von der Deutschen Krebshilfe geförderten...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Bedeutung von Lebensqualität und Ernährung bei Pankreaskarzinom-Patienten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.