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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2006 Bahnbrechende Studie zum Mammakarzinom: Endokrine Sequenztherapie verlängert Gesamtüberleben

Postmenopausale Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem, invasivem und frühem Mammakarzinom sollten nach adjuvanter Initialtherapie mit Tamoxifen auf den Aromatasehemmer Exemestan umgestellt werden. Diese endokrine Sequenztherapie verlängert das Gesamtüberleben im Vergleich mit Tamoxifen signifikant. Einbußen an Lebensqualität stehen nicht zu befürchten, und osteoporotische Frakturen treten deutlich später auf.
Die endokrine Langzeittherapie des Mammakarzinoms setzt sich immer mehr durch, weil sich damit die Prognose auf lange Sicht verbessern lässt. Weil Tamoxifen die größten Vorteile nur in den ersten zwei Jahren der adjuvanten Therapie entfaltet, sollte danach auf einen Aromatasehemmer umgestellt werden, empfahl Professor Björn W. Lisboa, Hamburg. Substanzielle Vorteile bietet bei einem solchen Switch die Substanz Exemestan (Aromasin®).

Als bahnbrechend gilt seit dem ASCO 2006 die Intergroup Exemestane Study (IES) mit 4.724 Patientinnen aus 37 Ländern, unterstrich Professor Olaf Ortmann, Regensburg. Bei dieser randomisierten, doppelblinden und multizentrischen Phase-III-Studie handelt es sich um die bislang größte Einzelstudie zur endokrinen Sequenztherapie. Sie verfügt mit 56 Monaten über das längste Follow-up, das sich über zwei Jahre nach Ende der Therapie erstreckt.

Gesamtüberleben erstmals günstig beeinflusst
Nach zwei- bis dreijähriger Tamoxifen-Therapie wurden 2.352 Frauen auf Exemestan umgestellt. Die übrigen behielten die Tamoxifen-Gabe bei. Die Sequenztherapie bewirkte im Vergleich mit der fünfjährigen Tamoxifen-Behandlung eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens um 17%. Ferner wurden das Rezidivrisiko um 24% und das Risiko von Fernmetastasen um 18% reduziert. Zudem ging das Risiko, an einem kontralateralen Mammakarzinom zu erkranken, um 44% zurück. Aufgrund der überzeugenden Resultate wurde Exemestan im Herbst 2005 auch in Deutschland zur frühen, adjuvanten Sequenztherapie zugelassen.

Der Trend geht jetzt eindeutig hin zur chronischen Therapie, die aber möglichst gut vertragen werden muss. Und dabei ist man mit Exemestan auf der sicheren Seite, denn dieser Aromatasehemmer ist nach Ortmanns Worten nicht nur nachhaltig wirksam, sondern auch sicher und gut verträglich. Die Lebensqualität wird also nicht in Mitleidenschaft gezogen. Und davon profitieren auch alle Subgruppen.

Exemestan hält die Knochen länger stabil
Ein Östrogenmangel hat vielfältige Auswirkungen auf den weiblichen Organismus und ist die Hauptursache der Osteoporose. Zu den Medikamenten, welche die endogene Östrogenkonzentration bis zur Nachweisgrenze senken können, gehören auch die Aromatasehemmer. Sie ziehen sehr rasch einen Verlust der Knochendichte nach sich. Kommt es dann zu einer osteoporotisch bedingten Schenkelhalsfraktur, liegt die Mortalität innerhalb des ersten Jahres bei rund 20%, warnte Privatdozent Peyman Hadji, Marburg.

Bedenken gegen den Switch von Tamoxifen auf einen Aromatasehemmer speisen sich aus der Tatsache, dass Tamoxifen die Knochendichte steigert und damit einen osteoprotektiven Effekt entfaltet, während Aromatasehemmer das Gegenteil bewirken. Doch die drei Vertreter dieser Substanzklasse sind nicht über einen Kamm zu scheren. So ist für Exemestan gesichert, dass es die Knochendichte bei weitem nicht so negativ beeinflusst wie Anastrozol und Letrozol. So zeigte sich in der COOMBES-Studie kein erhöhtes Risiko für Osteoporose und Frakturen durch Exemestan.

Osteoporose tritt dank Exemestan viel später auf
Unter der Sequenztherapie mit Exemestan bildet sich die Knochendichte keinesfalls stärker zurück als bei gleichaltrigen Frauen ohne Mammakarzinom. Erst nach einem Follow-up von knapp 56 Monaten, also lange Zeit nach Therapieende, lag in der IES-Studie die Frakturrate unter Tamoxifen niedriger als unter Exemestan. Der Aromatasehemmer hält also die Osteoporose nicht auf, sorgt aber dafür, dass sie sich erst rund zwei Jahre, nachdem die Sequenztherapie beendet ist, manifestiert. Die Lebensqualität bleibt also deutlich länger erhalten.

Wie ein Subgruppenanalyse mit 582 Patientinnen ergab, verursacht der dauerhafte Östrogenentzug unter der Sequenztherapie keine kognitiven Defizite, sagte Professorin Nadia Harbeck, München. Bei den gynäkologischen Nebenwirkungen ergeben sich zudem klare Vorteile durch Exemestan. Gesamtcholesterin und Triglyzeride werden nicht signifikant verändert. Generell lässt sich konstatieren, dass die Effektivität von Exemestan nicht auf Kosten der Lebensqualität geht.

kbf

Quelle: Satelliten-Symposium „Länger leben – Besser leben: Innovative Therapieansätze in der endokrinen Behandlung des Mammakarzinoms“ anlässlich der 26. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Dresden, 31. August 2006; Veranstalter: Pfizer Oncology


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