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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

01. September 2007 Aktuelle Therapiekonzepte beim metastasierten Mammakarzinom und Ovarialkarzinom

Die Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms und des rezidivierten Ovarialkarzinoms stellt Ärzte verschiedener Fachdisziplinen vor große Herausforderungen. Über aktuelle Therapiekonzepte berichteten Experten auf Sommersymposium „Gynäkologische Onkologie“ am 21. Juli 2007 in München.
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Interessante Perspektiven in der Therapie des metastasierten Mammakarzinoms zeigen die Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie GEICAM 2001-01, die auf dem diesjährigen ASCO-Jahrestreffen vorgestellt wurden [1]. Ziel der Studie war es, den Effekt einer Erhaltungstherapie nach First-Line-Chemotherapie mit Doxorubicin, gefolgt von Docetaxel im Vergleich zur alleinigen Beobachtung zu untersuchen. Nach Randomisierung erhielten die Patientinnen bis zu sechs Zyklen pegyliertes liposomales Doxorubicin (PLD; 40 mg/m2) alle vier Wochen oder wurden in den gleichen Zeitintervallen weiter beobachtet. Die Behandlung mit PLD führte im Vergleich zur alleinigen Beobachtung zu einer signifikanten Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens um 3,06 Monate von 10,16 auf 13,22 Monate (p=0,0005).
Die Prognose beim Ovarialkarzinom ist im Vergleich zu vielen anderen Krebsarten ungünstig. Wie Prof. Dr. B. Schmalfeldt, München, erläuterte, könnte sowohl durch ein radikaleres Vorgehen in der Oberbauchchirurgie als auch durch eine Optimierung der nachfolgenden systemischen Primärtherapie die Prognose durchaus noch verbessert werden. Die Therapiequalität ist ein wichtiger prognostischer Faktor, der einen entscheidenden Einfluss auf Überlebenschance und Prognose von Patientinnen mit Ovarialkarzinom hat. Dies belegen Daten von Qualitätssicherungserhebungen (QS-OVAR), die von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) in Deutschland regelmäßig durchgeführt werden. Vorläufige Daten der aktuellen Erhebung, die 2004 begonnen wurde, wurden von Prof. Dr. med. Andreas du Bois (Wiesbaden) vorgestellt. Entscheidende prognostische Kriterien beim fortgeschrittenen Stadium sind die Qualität der Operation, bemessen anhand des verbleibenden Tumorrests, und die Qualität der systemischen Chemotherapie. Werden beide optimal, d. h. gemäß Leitlinie [2] durchgeführt, lassen sich die Überlebenschancen signifikant verbessern. Weitere Prognosefaktoren wie Allgemeinzustand, Komorbiditäten oder Aszitesmenge sind zwar auch wichtig, haben aber demgegenüber eine geringere Bedeutung. Als Standard für die systemische Therapie des refraktären Ovarialkarzinoms gelten den S2k-Leitinien der AGO zufolge Platin-freie Regime mit pegylierem liposomalen Doxorubicin, Topotecan oder Paclitaxel (bei nicht mit Taxan vorbehandelten Patienten) [2]. Damit werden in Deutschland rund drei Viertel der Patientinnen behandelt, die innerhalb von 6 Monaten ein Rezidiv entwickelten. Tritt ein Rezidiv innerhalb von 6 bis 12 Monaten auf werden hingegen häufiger Platin-haltige Kombinationen eingesetzt, wie das auch in den Leitlinien empfohlen wird.

Neue Perspektiven in der Rezidivtherapie des Ovarialkarzinoms
Trotz moderner adäquater Primärtherapie erleidet die Mehrzahl der Ovarialkarzinom-Patientinnen ein Rezidiv, wie Prof. U. Wagner (Marburg) erläuterte. Als gesichert gilt, dass beim frühen Rezidiv (d. h. innerhalb von 6 Monaten nach Primärtherapie) eine Kombination gegenüber einer Monotherapie bisher keine Vorteile bietet [2]. Zytostatika mit der höchsten Effektivität sind pegyliert liposomales Doxorubicin (PLD), Topotecan und – bei nicht mit einem Taxan vorbehandelten Patientinnen – Paclitaxel [2]. Darunter zeichnet sich PLD durch eine besonders gute Verträglichkeit aus. 5-Jahres-Daten einer randomisierten Phase-III-Studie zum Vergleich von Topotecan und PLD haben gezeigt, dass Patientinnen mit Platin-sensitivem Tumor signifikant länger lebten, wenn sie mit pegyliertem liposomalen Doxorubicin behandelt wurden [3,4].
Für das Platin-sensible Spätrezidiv (>6 Monate nach Primärtherapie) ist belegt, dass eine Platin-haltige Kombinationstherapie einer Monotherapie überlegen ist [2]. Bisher eingesetzte Kombinationen sind Carboplatin mit Paclitaxel oder Gemcitabin [2]. Erste Hinweise für ein gutes Nutzen-Risiko-Profil der Kombination PLD + Carboplatin gibt es aus einer Phase-II-Studie der GINECO mit Patientinnen, die sowohl mit Taxan als auch Platin vorbehandelt waren [5].
In der randomisierten Studie CALYPSO (AGO OVAR 2.9) sollen nun die Kombinationen Paclitaxel/Carboplatin und PLD/Carboplatin bei Patientinnen mit Spätrezidiv eines Platin-sensiblen Ovarialkarzinoms verglichen werden. Erste Ergebnisse zur Sicherheit sind voraussichtlich im Herbst 2007 zu erwarten.

Quelle: Literatur:

1. Alba E., ASCO 2007, Oral Presentation, Sonntag 3. Juni 2007
2. Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie maligner Ovarial-
tumoren 2007. Zuckschwerdt Verlag, Germering/München
3. Gordon A.N. et al. J Clin Oncol 2001; 19(14): 3312-3322
4. Gordon A.N. et al. Gynecol Oncol 2004; 95: 1-8
5. Ferrero J.M. Ann Oncol 2007; 18(2): 263-8


Sommersymposium Gynäkologische Onkologie, München, 21.7.2007


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