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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Mai 2018
Seite 2/2

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Gibt es neue Empfehlungen zum Fertilitätserhalt unter zytostatischer Therapie?

Die aufgrund einer aktuellen Metaanalyse erhobenen Daten bezüglich einer medikamentösen ovariellen Herunterregulierung mittels GnRH-Agonisten führten zu einer Aufwertung (+/-). Die Daten von Lambertini ergaben eine Verdoppelung der Schwangerschaftsraten (10% vs. 5%). Interessant für die Praxis ist die Tatsache, dass nicht nur Hormonrezeptor-negative Patientinnen untersucht wurden. Auch bei positivem Hormonrezeptor – und das ist eine neue Erkenntnis – ergab sich keine Verschlechterung der onkologischen Prognose durch eine protektive GnRH-Gabe.


Gibt es Neuigkeiten bezüglich der Therapie der metastasierten prämenopausalen Patientin?

Für die Praxis eine wichtige Aussage ist, dass wir die prämenopausalen Patientinnen unter einer ovariellen Suppression mit GnRH gemäß den Empfehlungen für postmenopausale Patientinnen in Kombination mit Tamoxifen, Aromatasehemmern oder Fulvestrant in Kombination mit den CDK4/6-Inhibitoren Palbociclib, Ribociclib oder Abemaciclib, wobei letzteres noch nicht zugelassen ist, behandeln können.


Viele Patientinnen leiden bekanntermaßen unter den Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie – welche Empfehlungen spricht die AGO hier aus?

Erfreulicherweise widmet die AGO diesem Symptomkomplex ein ganzes Kapitel. In der gynäkologisch-onkologischen Praxis beschäftigen uns in der Tat täglich Fragen zu Hitzewallungen, Schlafstörungen, Arthralgien und vulvovaginaler Atrophie.

Zur Hormonersatztherapie bezieht die AGO bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren klar Stellung: Eine HRT kann weiterhin nicht empfohlen werden, im Gegensatz zu Beobachtungsstudien zeigen 2 prospektiv-randomisierte Studien ein erhöhtes Rezidivrisiko bzw. Risiko für kontralaterale Tumoren (-). Bei Hormonrezeptor-negativen Patientinnen muss aufgrund einer unzureichenden Datenlage eine sorgfältige Einzelfallentscheidung getroffen werden, auch wenn die Studienlage bislang kein erhöhtes Rezidivisiko gezeigt hat.

Als nichthormonelle Optionen bieten sich z.B. SSRI wie Venlafaxin (2x 37,5 mg auch unter Tamoxifen einsetzbar) an, oder auch Melatonin (kleine positive Studie mit 3 mg Melatonin abends).

Bezüglich komplementärer Maßnahmen bei Hitzewallungen wurde die vollständig negative Bewertung von Johanniskraut aufgegeben. Diese beruhte auf den bekannten Effekten auf die Cytochrom-Oxidasen der Leber und der daraus resultierenden pharmakologischen Interaktion mit Zytostatika, Tamoxifen, Aromtasehemmern und Tyrosinkinase-Inhibitoren. Hier wurde nun aus der Bewertung eine +/- Bewertung mit dem einschränkenden Hinweis auf o.g. Interaktionen.

Offen gesagt bin ich persönlich mit dieser Lösung nicht ganz glücklich: Es bleibt zu hoffen, dass diese Stellungnahme im klinischen Alltag auch vollständig wahrgenommen wird und Johanniskraut wirklich ausschließlich solchen Patientinnen ohne onkologisch (oder auch nicht-onkologisch) kritische Medikation empfohlen wird.


Was empfiehlt die AGO bei den Gelenkbeschwerden und der vaginalen Atrophie unter Aromatasehemmern (AI)?

Die AGO empfiehlt zur Therapie von AI-bedingten Arthralgien die Kombination von proteolytischen Enzymen (Bromelain und Papain), Lektin (aus der Küchenlinse) und Selen. Meiner Ansicht nach beruht der antiphlogistische Effekt pharmakologisch am ehesten auf der Wirkung der enthaltenen proteolytischen Enzyme. Meine persönliche kritische Meinung dazu: Die von der AGO empfohlene Kombination ist ausschließlich von einem einzigen Hersteller erhältlich, sehr kostenintensiv und die zugrundeliegenden Daten der Kombination stammen zudem aus einer einzigen Arbeitsgruppe.

Uneingeschränkt und gut belegt sind die positiven Wirkungen von körperlicher Aktivität, kognitiven Verhaltenstherapien und Body-Mind-Techniken auf Arthralgien und Gelenkschmerzen. Eine kürzlich vorgestellte randomisierte Studie konnte positive Effekte von Akupunktur auf Arthralgien nachweisen (+).

Gegen die häufig quälenden vaginalen Atrophiesymptome unter einer AI-Therapie hat die AGO die lokale Östrogentherapie mit ultraniedrig dosiertem Östriol (0,03 mg Vaginalovula) als entsprechend den vorliegenden limitierten Studiendaten als „Kur“ zugelassen (4 Wo. 1x 1/Tag , dann 3x 1/Woche) (+/-). Diese Entscheidung war meines Erachtens überfällig und gibt nun im Praxisalltag Sicherheit und ergänzt die bei vielen Frauen nur unbefriedigende Wirksamkeit hormonfreier Vaginalcremes.

Als weitere neue interessante Therapieoption wurde die fraktionierte mikroablative Lasertherapie bei östrogenmangelbedingter symptomatischer Vaginalatrophie mit einer +/- Bewertung gewürdigt. Meines Erachtens wird diese Technik zukünftig an Bedeutung gewinnen. Bislang limitierend sind die Verfügbarkeit und die relativ hohen Kosten.


Wir danken für das Gespräch!



BNGO e.V.
Geschäftsstelle
Friedenstraße 58
15366 Neuenhagen

Tel.: 03342/42689 -70
Fax: 03342/42689 -80

E-Mail: info@bngo.de
Internet: www.bngo.de

Das Interview führte Dr. rer. nat. Petra Ortner

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