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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Dezember 2007 Aktuelle Aspekte zu drei wichtigen Tumorentitäten

Innovationen aus der klinischen Forschung schlagen sich in der Praxis nieder

Aktuelle klinische Forschungsergebnisse in der Behandlung der Hirntumoren, zweier gynäkologischer Tumoren sowie des malignen Melanoms bildeten den thematischen Schwerpunkt des 1. Forschungs- und Entwicklungssymposiums Onkologie, das Mitte Oktober von der essex pharma GmbH in München veranstaltet wurde.
Chirurgie sowie Radio- und Chemotherapie haben die Therapie maligner Hirntumoren in den vergangenen Jahrzehnten deutlich vorangebracht. Allerdings hat sich der Stellenwert der einzelnen Verfahren mit der Zeit gewandelt. Einen greifbaren neuroonkologischen Fortschritt markierte die Entwicklung des oralen Alkylans Temozolomid (Temodal®) zur Primär- und Rezidivtherapie von Glioblastomen, erinnerte Professor Wolfgang Wick, Heidelberg.
Die Wirksamkeit von Temozolomid in Kombination mit anderen neuen Wirkstoffen und im Rahmen multimodaler Therapiekonzepte wurde in vielen klinischen Studien belegt. Dazu zählt auch die EORTC-26981-Studie über die Radiochemotherapie des Glioblastoms mit Temozolomid. Sie war seit den siebziger Jahren die erste randomisierte Studie, die in der Primärtherapie von Glioblastomen einen relevanten Überlebensvorteil ergab. Immerhin überlebten 27% der Patienten länger als zwei Jahre. Zudem ließ sich erstmals in einer randomisierten Studie mit dem Methylierungsstatus des MGMT-Promotors ein für die Alkylanzientherapie prädiktiver Parameter definieren. Erst 2006 zeigte eine randomisierte Studie, dass die komplette neurochirurgische Resektion die Prognose günstig gestaltet.

Pegyliert liposomales Doxorubicin signifikant weniger kardiotoxisch
Von der klinischen Entwicklung des pegyliert liposomalen Doxorubicins (PLD) profitieren auch nicht vorbehandelte Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom. Das ließ sich anhand einer randomisierten Phase-III-Studie mit 509 Patientinnen feststellen, in der PLD (Caelyx®) mit konventionellem Doxorubicin verglichen wurde. Beide Pharmaka unterschieden sich nicht in puncto Effektivität, wohl aber durch ihre Verträglichkeit. Das liegt daran, dass PLD signifikant weniger kardiotoxische Effekte nach sich zieht als herkömmliches Doxorubicin, versicherte Professor Jacobus Pfisterer, Kiel. Auch Alopezie, Übelkeit und Erbrechen waren unter PLD deutlich seltener. Beim Frührezidiv des Platin- bzw. Taxan-refraktären Ovarialkarzinoms gilt bislang, dass die Kombinationstherapie einer Monotherapie nicht überlegen ist. Deshalb wird weiterhin die Monotherapie mit PLD, Topotecan und – bei Patientinnen ohne Taxan-Vorbehandlung – Paclitaxel favorisiert. Von diesen drei Chemotherapeutika wird PLD am besten vertragen. Überdies besagen die Fünfjahresdaten einer randomisierten Phase-III-Studie, dass sich das mediane Gesamtüberleben von Patientinnen mit Platin-sensitivem Ovarialkarzinom von 70 Wochen unter Topotecan auf 108 Wochen unter PLD steigern lässt.

Pegyliertes Interferon alfa-2b gegen das maligne Melanom
Wurde das fortgeschrittene maligne Melanom chirurgisch entfernt, erhält der Patient in aller Regel eine adjuvante Immuntherapie mit Interferon. Von der Pegylierung von Interferon alfa-2b erhofft man sich eine deutlich bessere Pharmakokinetik und –dynamik sowie ein günstigeres Nebenwirkungsprofil. Was davon zu erwarten ist, wurde in der randomisierten EORTC-18991-Studie untersucht. Dabei handelt es sich um die bislang umfassendste Erhebung zur adjuvanten Therapie des malignen Melanoms, wie Professor Axel Hauschild, Kiel, deutlich machte.
Teilnehmer waren 1256 Patienten nach Resektion des Melanoms im Stadium III mit anschließender Dissektion der Lymphknoten. Nach Randomisierung wurden 627 Patienten nach einer achtwöchigen Induktionsphase 5 Jahre lang mit pegyliertem Interferon alfa-2b behandelt. Die übrigen 629 Patienten blieben ohne Therapie und wurden nur nachbeobachtet. Ohne Interferon erreichte die mediane rezidivfreie Überlebenszeit 25,5 Monate und wurde dank aktiver Therapie signifikant auf 34,8 Monate gesteigert. Keine signifikante Differenz ergab sich beim Gesamtüberleben und der medianen Überlebenszeit ohne Fernmetastasen.
Am meisten von pegyliertem Interferon alfa-2b profitierte eine Untergruppe von 543 Patienten mit geringer Tumorlast. Sie befanden sich im Stadium IIIA mit lediglich mikroskopisch nachweisbarer Metastasierung in die Lymphknoten. In diesem Kollektiv kam es nicht nur zu einer signifikanten Verlängerung des rezidivfreien, sondern auch des fernmetastasenfreien Überlebens. Hinsichtlich der Nebeneffekte gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen konventionellem und pegyliertem Interferon alfa-2b.
Ob Interferon alfa-2b und Temozolomid die palliative Therapie des malignen Melanoms voranbringen, wurde in einer großen randomisierten Studie überprüft. Erste Resultate lassen erkennen, dass die Kombination von Temozolomid mit Interferon alfa-2b gegenüber der Monotherapie mit Temozolomid die Gesamtansprechrate signifikant anhebt.

kbf

Quelle: Meet-the-Expert „Aktuelles zu klinischen Studien bei drei wichtigen Tumorentitäten“, München, 12. Oktober 2007; Veranstalter: essex pharma GmbH


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