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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Dezember 2006 Akneiforme Hautveränderungen unter Anti-EGFR-Therapie – Praktische Behandlungsansätze

Akneiforme Hautveränderungen treten bei vier von fünf Patienten, die mit einem EGFR-Inhibitor behandelt werden, nach 7 bis14 Tagen in unterschiedlich starker Ausprägung auf. Alle Hautveränderungen sind zwar nach Beendigung der Therapie reversibel, dennoch können sie die Lebensqualität der Patienten stark einschränken. „Schließlich haben die Patienten ihr Krankheitsbild ständig vor Augen, wenn sie in den Spiegel blicken,“ sagte der Dermatologe PD Dr. Thomas Dirschka aus Wuppertal. Die Hautveränderungen sind lokal gut beherrschbar, sie müssen allerdings stadiengerecht behandelt werden.
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Die akneähnlichen Hautveränderungen unter EGFR-Inhibitoren lassen sich in 3 Stadien unterteilen: Akut-exsudative akneiforme Phase, Übergangsphase und Xerotische Phase. Die Lokaltherapie orientiert sich nach der Phase der Hautveränderungen und daran, ob Gesicht, Kopfhaut oder Körper betroffen sind.

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Akut-exsudative akneiforme Phase
In der akuten Phase wird eine austrocknende Lokaltherapie angewandt. Für das Gesicht Gele (z.B. Erydermec®, Lotio alba aquosa oder Ichthyol-haltige Mischpaste), für die Kopfhaut alkoholische Lösungen (z.B. Stiemycine®-Lösung), für den Körper Benzoylperoxid (z.B. Panoxyl®- 5% Gel), Erydermec® Gel. Bei schwersten exsudativen Veränderungen vom Grad 3 empfahl Dirschka zusätzlich eine beruhigende Lokaltherapie, z.B. Schwarzteekompressen, feuchte Kochsalzkompressen und eine lokal-antibiotische Therapie (z.B. Fucidine® Creme) sowie ggf. eine antibiotische Systemtherapie (z.B. Gyrasehemmer).

Übergangsphase
In der Übergangsphase beginnen die Pusteln einzutrocknen, sie verschorfen. In dieser Phase muss rückfettend behandelt werden. Für alle Lokalisationen (Gesicht, Kopf, Körper) werden Lotionen eingesetzt (z.B. erytromycinhaltige Linola emulsion).

Xerotische Phase
Während der Xerotischen Phase empfinden sie Patienten ein sehr starkes Spannungsgefühl der Haut. Die Haut ist sehr trocken auf erythematösem Grund, außerordentlich reizbar und sehr Sonne- und Wärme-intolerant. Gelegentlich liegt eine exsudative Entzündung vor. An Fingern und Zehen bilden sich schmerzhafte Fissuren.
Zur Behandlung der Gesichtshaut während der xerotischen Phase werden Cremes eingesetzt (z.B. Pantederm® Wund- und Heilsalbe oder Bepanthen® Wund- und Heilsalbe), zur Behandlung der Kopfhaut Lotionen (z.B. Bepanthol® Lotio, Asche® Basislotio). Für den Körper müssen harnstoffhaltige Lipolotio eingesetzt werden (z.B. Excipial® U Lipolotio, Eucerin®10% Urea Lotio, Bepanthol® Lotio F). Ferner sollten die Patienten auf eine hohe Raumfeuchtigkeit achten. Sehr wichtig ist jetzt der Lichtschutz (z.B. Anthelios®50+, Daylong®50 extreme).

Systemtherapie
Ein besonderes Augenmerk lenkte Dirschka auf die Systemtherapie mit Tetrazyklinen oder Minozyklin. Diese Antibiotika werden auch in der Aknetherapie eingesetzt, nicht jedoch, weil sie gegen die entsprechenden Keime wirksam sind, sondern weil sie deutlich den inflammatorischen Reiz am Haarfollikel vermindern und die Hautreaktion deutlich abschwächen können. Dirschka empfiehlt bereits eine Woche vor Therapiebeginn mit EGFR-Inhibitoren mit einer niedrig dosierten Tetrazyklintherapie anzufangen. Dies bewirkt eine Reduktion der hautbezogenen Veränderungen von 40-50%.
Auch Antihistaminika spielen eine große Rolle, da die Patienten auch über Juckreiz klagen. Hier bietet sich Desloratadin an oder auch ältere Präparate, wenn Patienten sehr agitiert sind und nicht schlafen können.

Hautreiningung
Die Hautreinigung orientiert sich ebenfalls an den verschiedenen Phasen. In der akut-exsudativen Phase benötigt die Haut austrocknende Präparate, hier empfiehlt sich ein Reinigungskonzentrat (z.B. Dermowas®). In der Übergangsphase sollten die Patienten eine Cremeseife verwenden und in der xerotischen Phase, wenn die Haut sehr trocken wird, Duschöle.
Mit dem nächsten Therapiezyklus treten die 3 Phasen der Hautveränderungen wieder in der gleichen Reihenfolge auf, jedoch von Zyklus zu Zyklus schwächer, und die Behandlung beginnt wieder von vorn.

Rhaghadiforme Hautveränderungen
Sehr unangenehm, schmerzhaft und therapieresistent sind Veränderungen im Bereich der Akren, insbesondere die Rissbildung an den Fingerspitzen. Bewährt haben sich Abklebungen mit Hydrokolloidpflastern (z.B. Varihesive® extradünn).
Die Patienten sollten die Hände nur mit kaltem Wasser waschen, da warmes Wasser die Fette herauslöst, keine Seifen sondern Handwaschöle benutzen sowie Hautschutz- und Hautpflegepräparate (z.B. Protect-Creme tagsüber und Repair-Creme nachts).

Paronychie
Die unangenehmste Veränderung sind Hautveränderung im Bereich der Nägel. Es sind Zehen und Finger betroffen, insbesondere der Daumen und der große Zeh. Diese Veränderung imitiert den eingewachsenen Nagel und ist äußerst schmerzhaft. Keine Therapie ist wirklich effektiv, so Dirschka. Selbst die Emmert-Plastik ist ohne Erfolg. Letztendlich muss man bei schweren Verläufen den Nagel extrahieren, darauf hin lässt der Schmerz nach und die Patienten erholen sich innerhalb weniger Tage.
Für die Therapie insgesamt ist es wichtig, den Patienten gut zu begleiten und ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis aufzubauen, betonte Dirschka abschließend.

Quelle: 8. Münchener Fachpresse-Workshop „Supportivtherapie in der Onkologie“. 15. November 2006.


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