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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

05. April 2012 Aflibercept künftige Option beim Kolorektalkarzinom

DKK 2012

„Das 5-Jahres-Überleben beim metastasierten Kolorektalkarzinom erreicht mittlerweile bis zu 20%, dennoch sind im Jahre 2002 in Deutschland 28.700 Patienten an Darmkrebs verstorben“, so Prof. Ralf-Dieter Hofheinz, Mannheim. Das Armamentarium beim metastasierten Kolorektalkarzinom (mCRC)-Rezidiv wird nun mit dem in der klinischen Phase-III-Prüfung befindlichen Aflibercept nochmals erweitert. „Einen höheren Stellenwert bei soliden Tumoren soll die Vermeidung von venösen Thromboembolien bekommen“, so Prof. Meinolf Karthaus, München.
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Aflibercept ist ein Angiogenesehemmer (löslicher VEGF-Rezeptor), der bei progredienten Patienten mit mCRC einen signifikanten Überlebensvorteil erreichte, auch wenn diese anti-angiogen vorbehandelt waren. Aflibercept bindet nicht nur – wie Bevacizumab – an den angiogenen Wachstumsfaktor VEGF-A, sondern auch an VEGF-B und PlGF (Plazenta-Wachstumsfaktor). Werden alle drei Liganden blockiert, lassen sich Interaktionen und mögliche Kompensationseffekte vermeiden. „Der breite anti-angiogene Wirkansatz von Aflibercept könnte erklären, warum Aflibercept auch bei mit Bevacizumab vorbehandelten Patienten wirkt“, sagte Hofheinz. Einen offiziellen Biomarker habe man noch nicht, doch scheine ein hoher Wert an VEGF-A im Blutplasma mit einer entsprechend hohen Effektivität von Aflibercept zu korrelieren, berichtete er.

Neue Therapieoptionen

In der multinationalen, randomisierten, doppelblinden VELOUR-Studie (1) mit 1.226 Patienten mit mCRC reduzierte die zusätzliche Gabe von Aflibercept zur Chemotherapie (FOLFIRI) das Sterberisiko um ca. 20% (HR 0,817; p=0,0032), berichtete Hofheinz. Die Patienten hatten zuvor ein Oxaliplatin-Regime erhalten, 30% von ihnen waren bereits mit Bevacizumab vorbehandelt. Der Überlebensvorteil war unabhängig von Alter, Allgemeinzustand und Vorbehandlung. Aflibercept wurde gut vertragen und wirkte auch bei den vorher mit Bevacizumab behandelten Patienten, deren progressionsfreies Überleben (PFS) sich um 2,8 Monate verlängerte (Subgruppenanalyse). Die Kurve des Gesamtüberlebens, der primäre Endpunkt der Studie, erreichte nach etwa 3 Jahren in beiden Armen ein Plateau, das unter Aflibercept etwa 10% höher lag als im Kontrollarm. Dies, so Hofheinz, deute darauf hin, dass Aflibercept auch die Anzahl der Langzeitüberlebenden erhöhe. Signifikante Wirksamkeitsvorteile für Aflibercept zeigten sich darüber hinaus beim medianen PFS (p=0,00007) und der objektiven Ansprechrate (p=0,0001).

„Die Evidenzlage gibt Bevacizumab als Firstline-Therapie vor, als Secondline kann neben Bevacizumab nun auch Aflibercept zum Einsatz kommen, für die Dritt- und Viertlinie wird das Regorafenib sein, für das die zulassungsrelevante Phase-III-Studie CORRECT auch ein verbessertes Gesamtüberleben gezeigt hat“, so Hofheinz.

Thromboembolie-Risiko bei Krebspatienten

Prof. Karthaus wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die venöse Thromboembolie (VTE) gerade bei Krebspatienten immer noch unterschätzt werde. „Die Inzidenz asymptomatischer VTE liegt doppelt so hoch wie die der symptomatischen, beide haben jedoch die gleiche schlechte Prognose“, so Karthaus (2). Die Thrombogenität variiere je nach Tumorentität, speziell gastrointestinale Tumoren gingen jedoch mit einem erhöhten VTE-Risiko einher (3). So betrage das Risiko für eine tiefe Venenthrombose oder Pneumoembolie beim Pankreaskarzinom 21,5%, ähnlich hoch ist das Risiko auch beim Magenkarzinom. Mit Semuloparin steht erstmals ein ultra-niedermolekulares Heparin zur Senkung des thromboembolischen Risikos zur Verfügung, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen. In der erst kürzlich hochrangig publizierten Phase-III-Studie SAVE-ONCO (4) bei über 3.000 Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren senkte Semuloparin (zusätzlich zur Chemotherapie) das Risiko für symptomatische tiefe Venenthrombosen sowie Lungenembolien um 64% (p<0,0001). Das pulmonale Embolierisiko wurde um 59% reduziert (OR 0,41). Das Blutungsrisiko war gegenüber dem Plazebo-Arm (Chemotherapie ohne VTE-Prophylaxe) nicht signifikant erhöht, die Rate schwerer Blutungen lag in beiden Armen bei rund 1%.

ab

Literaturhinweise:
(1) Tabernero J, et al. EMCC 2011, Abstract 6LBA.
(2) Font C, et al. Ann Oncol 2011 (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/ 21325446)
(3) Lyman GH. Cancer 2011; 1334-50.
(4) Agnelli G, et al. ASCO June 3-7, 2011 Chicago. Oral Abstract #LBA9014.

Satellitensymposium „Neue Therapieoptionen bei soliden Tumoren“, 23.02.2012, DKK 2012, Berlin; Veranstalter: Sanofi aventis

Quelle:


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