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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

28. Oktober 2007 Adjuvante endokrine Therapie des Mammakarzinoms - Aromatasehemmer festigen ihren Stellenwert

Auf die überzeugenden Ergebnisse zweier großer Studien ist es zurückzuführen, dass sich in den vergangenen Jahren in der adjuvanten endokrinen Therapie des Mammakarzinoms der postmenopausalen Frau ein Wandel vollzogen hat. An Stelle des bisherigen Standardtherapeutikums Tamoxifen werden immer häufiger Aromatasehemmer eingesetzt, die nur in der Postmenopause indiziert sind.
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Als bahnbrechend gilt in diesem Zusammenhang die Studie mit dem Kürzel ATAC (Anastrozol, Tamoxifen Alone or in Combination). Dabei handelt es sich mit mehr als 9.000 Teilnehmerinnen um die größte Erhebung zur adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms überhaupt. Schon die erste Auswertung nach einer Beobachtungszeit von 33 Monaten fiel so positiv aus, dass Anastrozol (Arimidex®) zur adjuvanten Behandlung zugelassen wurde, unterstrich Professor Wolfgang Eiermann, München.

In puncto Wirksamkeit und Verträglichkeit überlegen
Die Validität der ersten ATAC-Daten wurde durch die Analyse nach einer Studienlaufzeit von 68 Monaten voll bestätigt. Sie signalisiert hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit eine klare Überlegenheit des Aromatasehemmers gegenüber Tamoxifen. So ging unter Anastrozol das Rezidivrisiko Hormonrezeptor-positiver Patientinnen nach 6 Jahren um 26% zurück. Jeder vierte Rückfall wurde also unterbunden. Die Zeit bis zum Auftreten von Fernmetastasen verlängerte sich in der Anastrozol-Gruppe um 14%, und zwar vor allem in den ersten zwei bis drei postoperativen Jahren. Was allerdings das Gesamtüberleben betrifft, schälte sich zwischen beiden Therapiearmen keine Differenz heraus.
Wie die ATAC-Studie zeigt, profitieren die Patientinnen auch noch ein Jahr nach Absetzen der Therapie von der ausgeprägteren Wirksamkeit des Aromatasehemmers, der zudem besser vertragen wird als Tamoxifen.

Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen und Therapieabbrüche halbiert
So wurden unter Anastrozol 4,7% der Patientinnen von schwerwiegenden und behandlungsbedingten Nebenwirkungen, wie Thrombosen und Endometriumkarzinomen, in Mitleidenschaft gezogen. Darunter fielen auch Therapieabbrüche. In der Vergleichsgruppe waren mit 9% fast doppelt so viele Patientinnen betroffen. Bei der kardiovaskulären Verträglichkeit zeigten sich zwischen beiden Substanzen keine nennenswerten Unterschiede. Apoplektische Insulte waren in der Anastrozol-Gruppe signifikant seltener, häufiger indessen Gelenkbeschwerden und Frakturen. Dagegen klagten weniger Frauen, die mit dem Aromatasehemmer behandelt wurden, über Hitzewallungen, Vaginalblutungen und Fluor vaginalis.
„Aromatasehemmer wie Anastrozol repräsentieren in der adjuvanten endokrinen Therapie des Mammakarzinoms in der Postmenopause einen neuen Standard“, konstatierte mit Nachdruck Dr. Stefan Paepke, München. Wie der Onkologe kritisierte, werden diese Substanzen in Frankreich, Italien und Spanien wesentlich häufiger verordnet als hierzulande.

Konsequenzen für die gynäko-onkologische Praxis
Welche antihormonelle Medikation der einzelnen Patientin in der gynäko-onkologischen Praxis am besten angeboten wird, hängt von vielerlei Faktoren ab. An erster Stelle steht dabei die Wirksamkeit. Und dabei sind die Aromatasehemmer dem Tamoxifen klar überlegen, wie neben der ATAC- auch die BIG-1-98-Studie unter Beweis stellt. Entscheidend ist, dass vor allem frühe Lokalrezidive verhindert werden, weil sie oft Fernmetastasen nach sich ziehen. Paepke: „Daher ist es ratsam, sofort nach der primären Therapie mit einem Aromatasehemmer zu beginnen.“
Zweitwichtigstes Kriterium bei der Auswahl einer antihormonellen Substanz ist deren Verträglichkeit. Die häufiger auftretenden Gelenkschmerzen, die durch Anastrozol verursacht werden, bilden sich meist nach wenigen Monaten zurück und sind mit oralen Analgetika meist gut in den Griff zu kriegen. Die häufiger zu beobachtenden Frakturen sind nach einer Messung der Knochendichte mittels DEXA vor Behandlungsbeginn mit einer risikoadaptierten Therapie vermeidbar.
Welche Therapie in die Wege geleitet wird und mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist, muss unbedingt in einem intensiven Gespräch mit der Patientin erörtert werden, forderte Paepke. Nur dann ist gewährleistet, dass die verordneten Tabletten auch regelmäßig über die nächsten fünf Jahre eingenommen werden und die Patientin den maximalen Nutzen daraus zieht. Wie es um die Compliance von Frauen mit Mammakarzinom bestellt ist, wird derzeit mit dem PACT-Programm unter die Lupe genommen.

kbf

Quelle:


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