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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Februar 2020
Seite 1/4
Adjuvante Therapie bei Gastrointestinalen Stromatumoren

D. Dürr, Zuger Kantonsspital, Baar, Schweiz.

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) sind eine seltene Sarkom-Entität, welche im Bereich des gesamten Magen-Darm-Traktes entstehen können; in der Mehrheit der Fälle präsentieren sie sich aber im Bereich des Magens. Bei computertomographisch fehlenden Zeichen für eine Metastasierung soll bei Tumoren ab einer Größe von 2 cm eine chirurgische Resektion erfolgen. Postoperativ kommt der Abschätzung des Rückfallrisikos eine entscheidende Bedeutung zu, da mit 400 mg Imatinib/d eine effektive, lebensverlängernde Therapie existiert. Bei welcher Patientengruppe und in welcher Form (Dauer und Dosis) eine adjuvante Therapie sinnvoll ist, wird im folgenden Artikel diskutiert.
Zu diesem Artikel ist auch ein CME-Test verfügbar.
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(verfügbar bis zum 03.08.2021)


Epidemiologie
 
Bei GIST handelt es sich um eine insgesamt seltene Tumorentität, die ca. 18% aller Sarkome ausmacht und die häufigste Sarkom-Art im Bereich des Magen-Darm-Traktes darstellt (1); der Magen ist das häufigste betroffene Organ (65%), gefolgt vom Dünndarm (23%) und Kolon (6%). Ösophagus, Rektum und Mesenterium machen zusammen lediglich ca. 6% aus (2). Die jährliche Inzidenz von GIST wird in der Literatur mit ca. 7,8 pro 1 Mio. Einwohner angegeben (3). Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 55 und 60 Jahren (4). Patienten mit einer frisch gestellten GIST-Diagnose in diesem Alter weisen typischerweise eine sporadische GIST-Erkrankung auf; GIST im Rahmen eines komplexen Syndroms wie der Carney-Triade (gastrale GIST, Paragangliome, pulmonale Chordome), dem Carney-Stratakis-Syndrom (gastrale GIST und Paragliome) oder im Rahmen einer Neurofibromatose Typ 1 treten i.d.R. früher auf.
 

Pathogenese
 
Während die Risikofaktoren für die Entwicklung einer GIST-Erkrankung nach wie vor unklar sind, sind die pathophysiologischen Mechanismen heutzutage größtenteils bekannt: Ca. 86% aller GIST weisen eine Mutation im c-KIT- oder PDGF-Rezeptor-Alpha (PDGFRA)-Gen auf (5). Diese genetischen Veränderungen führen zu einer konstanten Aktivierung der Zelle und damit zur Zellteilung. Sie eignen sich als Target für eine zielgerichtete Therapie. Substanzen wie Imatinib, Sunitinib und Regorafenib sind potente c-KIT- und PDGFRA-Inhibitoren und haben die Therapie von GIST, welcher früher als Chemotherapie-refraktäre Erkrankung in der Literatur bekannt war, entscheidend revolutioniert. Lesen Sie dazu auch den nachfolgenden Beitrag von PD Dr. Peter Reichardt zur disseminierten GIST-Erkrankung.
 

Diagnosestellung
 
Steht die Verdachtsdiagnose GIST im Raum und ist die vermeintliche Läsion von ihrer Lage her einer Endosonographie zugänglich, so stellt eine endosonographisch gesteuerte Biopsie den nächsten diagnostischen Schritt dar. Ansonsten soll bei computertomographisch fehlenden Zeichen für eine Metastasierung direkt die chirurgische Resektion angestrebt werden. Der pathologische Bericht sollte die Parameter Tumorgrößen, mitotischer Index und Resektionsränder (R0 vs. R1) enthalten. Histopathologisch charakteristisch für eine GIST-Erkrankung ist der immunhistochemische Nachweis von c-Kit (positive Färbung für CD117 in 95% der Fälle) und eine DOG-1-Positivität (98%) (6).
 
Die Mehrheit der Patienten weist bei Diagnosestellung unspezifische Abdominalbeschwerden oder Zeichen einer akuten bzw. latenten gastrointestinalen Blutung auf; bei lediglich 12-18% der Fälle wurde die Erkrankung als Zufallsbefund diagnostiziert (7, 8). In Anbetracht der heutzutage immer häufiger durchgeführten Bildgebung im Rahmen anderer Fragestellungen dürfte die Zahl der asymptomatisch diagnostizierten GIST-Erkrankungen inzwischen höher liegen.
 
 
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