Dienstag, 25. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. Dezember 2015 Studie zur Therapie beim nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom

Nicht-muskelinvasive Harnblasenkarzinome (NMIBC) können in Abhängigkeit von bestimmten Risikofaktoren Rezidive bilden oder einen Progress entwickeln. Entsprechend der aktuellen Leitlinien soll bei diesen Patienten eine adjuvante Behandlung durchgeführt werden. Eine sofortige postoperative Instillation einer Chemotherapie senkt das Rezidivrisiko um ca. 12% und ist für Patienten der Niedrigrisiko-Gruppe ausreichend, für Patienten in der intermediären Risikogruppe werden weitere Blaseninstillationen empfohlen. Hinsichtlich der Wahl des Medikamentes, der optimalen Dosierung und der Dauer der adjuvanten Behandlung liegen keine einheitlichen Empfehlungen vor. Erste Untersuchungen zum Einsatz des Mistelextraktes abnobaVISCUM® 900 im Rahmen einer Dosisfindungsstudie ergaben Hinweise darauf, dass die Therapie mit diesem Mistelextrakt eine vergleichbare Wirksamkeit bei möglicherweise geringeren Nebenwirkungen haben könnte. Deshalb soll dieser Therapieansatz in einer klinischen Phase-III-Studie im 2-stufigen adaptiven Design geprüft werden.

Anzeige:

Hauptstudienziel ist dabei die Zeit bis zum Tumorrezidiv. Nebenziele sind die Sicherheit und Verträglichkeit der Therapie, die Wahrscheinlichkeit für Rezidiv und Progression nach 1 Jahr, das Tumor-Grading sowie die Lebensqualität.

Die Behandlung besteht im Studienarm aus einer Instillationstherapie mit abnobaVISCUM® 900, im Kontrollarm aus der Therapie mit MMC 40 mg. Dabei erhalten beide Arme zunächst eine Induktionstherapie mit wöchentlichen Instillationen über 6 Wochen. Danach folgt eine Erhaltungstherapie von Woche 12 bis 48, die in der Gruppe mit abnobaVISCUM® 900 alle 6 Wochen, in der Kontrollgruppe mit MMC alle 12 Wochen durchgeführt wird. Eine Nachbeobachtungsphase von 12 Monaten schließt sich für beide Gruppen an die Erhaltungstherapie an.

Abb. 1: Bisheriger Rekrutierungsverlauf.
Abb. 1: Bisheriger Rekrutierungsverlauf.



Es handelt sich um eine prospektive, multizentrische, offene, 2-armige, randomisierte Studie, die an 31 Zentren in Deutschland und einem Zentrum in Kairo durchgeführt wird. Es sollen insgesamt 546 Patienten eingeschlossen werden. Das 2-stufige adaptive Bauer-Köhne-Design sieht eine Zwischenauswertung vor, wenn zwei Drittel der Patienten die 2-jährige Studienzeit (1 Jahr Therapie, 1 Jahr Follow-up) erreicht haben bzw. ein Rezidiv aufgetreten ist. Weist die Zwischenauswertung einen Erfolg oder ein Versagen der zu prüfenden Therapie aus, so wird die Studie beendet, andernfalls wird sie fortgesetzt bis zum Erreichen der notwendigen Gesamtpatientenzahl.

Die Studie startete im Frühjahr 2015 und soll die erforderlichen Patienten in 2 Jahren rekrutieren. Den bisherigen Rekrutierungsverlauf können Sie Abbildung 1 entnehmen. Wenn Sie Patienten in die Studie einbringen möchten, wenden Sie sich bitte an eines der teilnehmenden Studienzentren in Ihrer Nähe – siehe Tabelle 1. Im Folgenden sind die Ein- und Ausschlusskriterien zur Studie aufgeführt, so dass Sie bereits im Vorfeld prüfen können, ob Ihre Patienten für die Studienteilnahme geeignet erscheinen.

In der Studie wird weltweit erstmals ein Mistelpräparat mit einer onkologischen Standardtherapie verglichen.

Tab. 1: Teilnehmende Studienzentren und Kontaktdaten.
Tab. 1: Teilnehmende Studienzentren und Kontaktdaten.

 

Einschlusskriterien

- Unterzeichnete und datierte Einverständniserklärung
- Männliche oder weibliche ambulante Patienten
- Alter zwischen 18 und < 80 Jahren
- Komplett reseziertes oberflächliches Blasenkarzinom (Stage Ta) (Musculus-detrusor-Proben aus der TUR müssen vorliegen) mit mittlerem Risiko gemäß Klassifikation der EAU (2013) und einer sofortigen post-operativen Frühinstillation von 40 mg MMC und mit vollständiger Nach-Resektion, sofern indiziert
- Karnofsky Performance Status von 50-100% (entspricht dem ECOG Performance Status von 0 bis 2)
- Lebenserwartung von ≥ 2 Jahren ab dem Zeitpunkt des Studieneinschlusses
- Normale Nieren- und Leberfunktionen, normale Herz- und Hämatologie-Profile (Patienten mit Laborwerten, die gering außerhalb der Normwerte liegen, können eingeschlossen werden, außer der Prüfer betrachtet die Abweichung als klinisch signifikant)
- Weibliche Patienten im gebärfähigen Alter müssen zum Screening einen negativen Schwangerschaftstest (β-HCG Test) haben. Alle weiblichen Patienten müssen eines der folgenden Kriterien erfüllen:
- postmenopausale Amenorrhoe von mindestens 12 Monaten nach Einstellung aller exogenen hormonellen Behandlungen und mit einem FSH-Level im postmenopausalen Bereich
- Dokumentation einer irreversiblen chirurgischen Sterilisation durch Hysterektomie, bilaterale Oophorektomie oder bilaterale Salpingektomie, aber keine Tubenligatur
- Sexuell aktive Frauen im gebärfähigen Alter müssen vom Zeitpunkt der Unterschrift auf der Einverständniserklärung bis 12 Wochen nach der letzten Instillation eine effektive Methode der Empfängnisverhütung nutzen (Pearl-Index < 1, z.B. orale Kontrazeptiva, andere hormonelle Kontrazeptiva (Vaginalprodukte, Hautpflaster, oder implantierbare oder injizierbare Produkte), oder mechanische Produkte, wie intrauterine Mittel oder Barrieremethoden (Diaphragma, Spermizide)).

 

Ausschlusskriterien

- Patienten mit lokal infiltriertem oder metastasiertem Blasenkarzinom (≥ Stage T2), Stage-Ta-Tumoren mit niedrigem oder hohem Risiko (gemäß EAU-Klassifikation 2013), Vorliegen von Tumoren des oberen Harntraktes oder von Läsionen, welche nicht vollständig durch die TURB entfernt wurden
- Patienten mit Harnwegsinfektion, benigner prostatischer Obstruktion Grad II oder III, neurogener Harnblase, Stressinkontinenz, Blasen- oder Urethradivertikeln, Fisteln oder Urethrastenosen
- Patienten mit akuter systemischer Erkrankung, wie entzündliche Infektionen mit Fieber > 38°C
- Patienten mit vorangegangenem Rezidiv des oberflächlichen Blasenkarzinoms oder Radiotherapie der Harnblase oder anderer intravesikaler Therapie innerhalb der letzten 6 Monate, oder Patienten mit vorangegangener Misteltherapie
- Patienten mit anderer vorangegangener oder begleitender Malignität oder CIS
- Patienten mit vorangegangener oder begleitender systemischer Chemo- oder Immunotherapie, insbesondere mit Vincaalkaloiden, Bleomycin und Doxorubicin, oder Patienten, die mit Pyroxidin Hydrochlorid (Vitamin B6) behandelt werden
- Unbehandelte Gerinnungsstörungen oder ungenügende Antikoagulationstherapie
- Leukozytenzahl < 4.000/mm3 oder Thrombozytenzahl < 100.000/mm3
- Serumkreatinin > 1,7 mg/dL
- Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit auf die Hilfsstoffe der Studienmedikation (Mononatriumphosphat, Bi-Natriumphosphat, Ascorbinsäure)
- Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit auf Mistelprodukte und MMC
- Patienten, welchen innerhalb eines Zeitraumes von 4 Wochen vor Visite 1 unter Beobachtung irgendein anderes experimentelles Medikament verabreicht wurde
- männliche Patienten, welche die Zeugung eines Kindes oder eine Samenspende planen, von der ersten Verabreichung der Studienmedikation bis 3 Monate nach der letzten Verabreichung der Studienmedikation
- männliche Patienten, welche nicht bereit sind, Barrieremethoden zur Verhütung einzusetzen, d.h. Kondome und Spermizide, vom Tag der ersten Verabreichung der Studienmedikation bis 12 Wochen nach Verabreichung der Studienmedikation
- Patienten mit einer Vorgeschichte von Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch
- Patienten, die nicht regelmäßig nachgesorgt werden können oder die einem adäquaten Follow-up und einem protokollgemäßen Verhalten nicht zustimmen.


Das könnte Sie auch interessieren

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: „Aktiv gegen Krebs“

Das Vermitteln von Wissen zum Thema Krebs versteht die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. (SKG) als ihre vordringlichste Aufgabe. Das betrifft das Wissen der Betroffenen, also der an Krebs erkrankten Menschen, die sich in allen
Fragen rund um ihre Erkrankung an die SKG wenden können, wie auch das Wissen der Bevölkerung. "Wir wollen vermitteln, dass man mit Krebs leben kann", erklärt Professor Dr. Ursula Froster, Vorstandsvorsitzende der SKG.

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“
© Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

„Hut ab“ oder „Chapeau“ - das sagen Menschen, um Wertschätzung und Anerkennung vor der Leistung Anderer auszudrücken. Am 25. Juni 2016 bietet die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums an 40 Orten in Deutschland Mitbürgern die Möglichkeit, durch die Geste des „Hutziehens“ ein Zeichen der Solidarität mit an Krebs erkrankten Menschen zu setzen und das Engagement der ehrenamtlich...

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Studie zur Therapie beim nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich