Donnerstag, 28. Mai 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

10. September 2018 Adjuvante Therapie des Nierenzellkarzinoms mit hohem Rezidivrisiko nach Nephrektomie

H. Rexer1, Prof. Dr. C. Doehn2, PD Dr. C. Grüllich3. 1AUO Geschäftsstelle, Seestr. 11, 17252 Schwarz, 2Organgruppe Nierenkarzinom der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., Kuno-Fischer-Str. 8, 14057 Berlin, 3Leiter der klinischen Prüfung, Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik Innere Medizin/Hämatologie/Onkologie, NCT, INF 460, 69120 Heidelberg.

Eine randomisierte, multizentrische, Placebo-kontrollierte, doppelblinde Phase-III-Studie zu Atezolizumab (Anti-PD-L1-Antikörper) als adjuvante Therapie für Patienten mit Nierenzellkarzinom (RCC) und einem hohen Rezidiv-Risiko nach Nephrektomie (IMmotion010) – AN 42/16 der AUO.
Anzeige:

Für Patienten mit einem RCC im frühen Stadium stellt die Operation die Standardtherapie dar. Die operative Therapie beim lokalen RCC wird bei ca. 75% der Patienten als radikale Operation und bei ca. 25% der Patienten als partielle Nephrektomie durchgeführt. Nach operativer Therapie liegt die Überlebensrate im Stadium I nach 5 Jahren bei > 90%, während die Rezidivrate für Patienten mit Stadium II oder III bei 30-40% liegt. Für diese Patientengruppe wird eine Reduktion des Rezidivrisikos angestrebt. Derzeit gibt es keine zugelassene adjuvante Therapieoption nach kompletter Tumorresektion, die Leitlinien empfehlen in dieser Situation eine Nachbeobachtung bzw. die Einbringung von Patienten in entsprechende Studien.

Für diese doppelblinde Studie werden weltweit 664 Patienten in etwa 200 Zentren eingeschlossen. Davon sollen ca. 20 Patienten in 10 deutschen Zentren eingebracht werden (Abb. 1). Patientenzuweisungen können direkt an die Zentren erfolgen, Kontaktdaten hierzu sind Tabelle 1 zu entnehmen. Um eine Vorauswahl geeigneter Patienten zu treffen, beachten Sie bitte die Ein- und Ausschlusskriterien. Abbildung 2 zeigt den bisherigen Rekrutierungsverlauf in der Studie.
 
Abb. 1: Studienzentren in Deutschland.
Studienzentren
 
Abb. 2: Bisheriger Rekrutierungsverlauf.
Rekrutierungsverlauf


Zur Studienteilnahme geeignet sind Patienten mit einem histologisch gesicherten RCC, die die Einschlusskriterien erfüllen und nach einer erfolgten Nephrektomie und/oder Metastasektomie mit einem hohen Rezidivrisiko eingestuft wurden. Bei Studieneinschluss wird eine Gewebeprobe des Tumorresektats oder der Metastasenresektionen, sofern vorhanden, durch den Prüfarzt sowie zentral ausgewertet und der PD-L1-Expressionsstatus bestimmt. Patienten mit hohem Rezidivrisiko sind durch die TNM/Grading-Kriterien: T2 G4, T3a G3-4, T3b/c, T4, TxN+ definiert und werden anschließend im Verhältnis 1:1 in einen der folgenden Behandlungsarme randomisiert:
  • Patienten im Arm A erhalten 1.200 mg Atezolizumab alle 3 Wochen über 16 Zyklen bzw. 1 Jahr.
  • Patienten im Kontroll-Arm erhalten über 16 Zyklen oder 1 Jahr alle 3 Wochen eine Placebogabe.

Das Studienziel ist die Beurteilung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit einer adjuvanten Behandlung mit Atezolizumab bei diesen RCC-Patienten. Atezolizumab ist ein PD-L1-Antikörper, für den eine Wirksamkeit bei fortgeschrittenem und metastasiertem Nierenzellkarzinom bereits nachgewiesen wurde (1) und der einen potentiellen Nutzen auch für die adjuvante Therapie verspricht. Atezolizumab ist bereits als Monotherapie in vielen Ländern für die Zweitlinientherapie beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) und beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinom (UC) zugelassen.
 
Tab. 1: Teilnehmende Studienzentren.
Ort Kontaktdaten
Dresden Prof. Dr. Manfred Wirth, Tel.: 0351/458-24 47, E-Mail: manfred.wirth@uniklinikum-dresden.de
Essen Prof. Dr. Susanne Krege, Tel.: 0201/174-29 036, E-Mail: s.krege@kliniken-essen-mitte.de
Hamburg Dr. Gunhild von Amsberg, Tel.: 040/74 10-57 774, E-Mail: g.von-amsberg@uke.de
Hannover Prof. Dr. Viktor Grünwald, Tel.: 0511/532-23 01, E-Mail: Gruenwald.Viktor@mh-hannover.de
Heidelberg PD Dr. Carsten Grüllich, Tel.: 06221/56-48 01, E-Mail: carsten.gruellich@nct-heidelberg.de
Homburg Prof. Dr. Michael Stöckle, Tel.: 06841/16-24 787, E-Mail: michael.stoeckle@uks.eu
Köln Prof. Dr. David Pfister, Tel.: 0221/478-82 112, E-Mail: david.pfister@uk-koeln.de
München Prof. Dr. Margitta Retz, Tel.: 089/41 40-25 22, E-Mail: margitta.retz@lrz.tum.de
Tübingen Prof. Dr. Jens Bedke, Tel.: 07071/29-80 349, E-Mail: jens.bedke@med.uni-tuebingen.de
Ulm Prof. Dr. Christian Bolenz, Tel.: 0731/500-58 000, E-Mail: christian.bolenz@uniklinik-ulm.de


Der primäre Endpunkt der Studie ist das von einem unabhängigen Prüfungsgremium (Independent Review Facility, IRF)-bestimmte krankheitsfreie Überleben (disease free survival, DFS). Sekundäre Endpunkte umfassen u.a. das Gesamtüberleben (overall survival, OS), Prüfer definiertes DFS, Bewertung des DFS in Abhängigkeit des a-PD-L1-Expressionslevels (IC 1/2/3), krankheitsspezifisches Überleben, Fernmetastasen freies Überleben und 3-Jahres-DFS (IRF/Prüfer). Die Auswertungen zur Sicherheit der Therapie, Pharmakokinetik, Immunogenität und explorativen Fragestellungen ergänzen die Studienziele.


Einschlusskriterien
  • Patienten älter als 18 Jahre
  • Histologisch bestätigtes RCC mit klarzelliger oder sarkomatoider Komponente, das nicht adjuvant oder neoadjuvant vorbehandelt wurde (T2 G4, T3a G3-4, T3b/c, T4 sowie TxN+).
  • ECOG ≤ 1
  • Radikale oder partielle Nephrektomie; Vollständige Genesung nach Nephrektomie oder Metastasektomie
  • Keine vorherige systemische Therapie des fortgeschrittenen RCC
  • Repräsentatives FFPE-Tumorgewebe (Gewebeblock oder min. 15 Gewebeschnitte)
  • Adäquate hämatologische Funktion und Organfunktion

Ausschlusskriterien
  • Vorherige Krebstherapie, einschließlich Chemotherapie oder Hormontherapie, binnen 3 Wochen vor Studienstart
  • Bilaterale synchrone Tumore mit vererbbaren Formen inkl. von Hippel-Lindau
  • ZNS-Metastasen oder leptomeningeale Erkrankung
  • Lebenserwartung von < 24 Wochen
  • HIV, aktive TB-, HBV- oder HCV-Infektion

Leiter der klinischen Studie in Deutschland ist PD Dr. C. Grüllich; Sponsor der Studie ist die F. Hoffmann-La Roche Ltd, Grenzach-Whylen.
Die Studie ist unter der Nummer NCT NCT03024996 bei clinicaltrials.gov registriert.

Weitere Details zur Studie finden Sie auf www.med4u.org/13766

Literatur:

(1) Motzer R et al. ASCO-GU 2018, IMmotion 151.


Das könnte Sie auch interessieren

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken
@ efmukel / Fotolia.com

Das Opioid Methadon sollte nicht zur Tumortherapie eingesetzt werden. Die derzeit vorliegenden Daten aus Labor- und Tierversuchen sowie einer Studie mit 27 Krebspatienten reichen nicht aus, um eine Behandlung zu rechtfertigen. Einige Medienberichte wecken dennoch bei an Leukämie oder Hirntumor erkrankten Patienten die falsche Hoffnung auf Heilung. Methadon ist zur Behandlung starker Schmerzen zugelassen und ein etabliertes Medikament in der Schmerztherapie bei Krebserkrankten. Darauf...

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der beruflichen Rehabilitation ein breites Spektrum, um die...

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen
Universitätsklinikum Ulm

Senkt Sport das Rückfallrisiko bei Krebs? Welcher Badeanzug steht mir nach der Brustamputation? Wie ernähre ich mich so, dass ich fit bleibe? Um diese und weitere Fragen dreht sich der 11. Krebsaktionstag der Medizinisch-Onkologischen Tagesklinik (MOT) der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Ulm. Krebspatient*innen, Angehörige und Interessierte sind am Freitag, den 14.09.2018 herzlich eingeladen, sich von 10.00 bis 16.30 Uhr bei kostenfreien Vorträgen...

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Adjuvante Therapie des Nierenzellkarzinoms mit hohem Rezidivrisiko nach Nephrektomie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden