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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Mai 2005 AGO-Studie belegt gravierende Unterschiede in der Therapiequalität beim Ovarialkarzinom

Werden Therapieleitlinien in Deutschland überall gleich umgesetzt? Oder existieren zwischen den Kliniken Qualitätsunterschiede, die unter Umständen zu Lasten der Patientinnen gehen? Diesen Fragen ist die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) in einer Studie nachgegangen. Die Resultate zeigen, dass die Therapiequalität sich zwar über die Jahre verbessert hat, sie verdeutlichen aber auch, dass weitere Optimierungen notwendig sind: Nur jede 3. Frau, die an einem Ovarialkarzinom im Frühstadium erkrankt ist, erhält eine optimale Behandlung nach den heutigen Standards. Beim metastasierten Karzinom wurden dagegen immerhin schon 75% der Betroffenen nach den Therapieleitlinien behandelt. Die Umsetzung von Empfehlungen und Leitlinien in Deutschland unterliegt immer noch einer erheblichen Heterogenität ist verbesserungswürdig. In der aktuellen Studie (QS-OVAR 2001) wurden die Daten von 476 Patientinnen, das entspricht 34% aller in diesem Zeitraum (Q III 2001) in Deutschland diagnostizierten Patientinnen, analysiert. Neben dem Therapiekonzept wurden auch Klinikmerkmale wie Behandlungszahlen, Versorgungsstufe und Studienteilnahme der Klinik in die Untersuchung mit einbezogen. „Zur Zeit hängt die Überlebenschance der Patientin in einem hohen Maße von der Therapiequalität und damit auch von der Wahl der ,richtigen‘ Klinik ab“, fasst Prof. Andreas du Bois, Leiter der Studie, Wiesbaden, die Ergebnisse zusammen. Seiner Meinung nach, muss die flächendeckende Implementierung der Therapiekonzepte dringend optimiert werden, um den Patientinnen eine bestmögliche Behandlung zu garantieren.
Mit einer relativen 5-Jahresüberlebensrate von 39% (Quelle: RKI) hat das Ovarialkarzinom verglichen mit anderen gynäkologischen Krebserkrankungen die höchste Sterberate. Obwohl sich die Ergebnisse in den letzten Jahren erheblich verbessert haben, liegt Deutschland noch unter seinen therapeutischen Möglichkeiten. Die AGO Organkommission OVAR hat bereits 1999 ein Aktionsprogramm zur Verbesserung der Versorgung beim Ovarialkarzinom gestartet. Neben der Erstellung von Leitlinien und Durchführung von State-of-the-art-Symposien gehören landesweite Untersuchungen zur Versorgungsqualität zum Programm. Das Qualitätssicherungsprogramm der AGO wird durch die Firma Bristol-Myers-Squibb finanziell unterstützt.

Adäquates Staging wird oft vernachlässigt
Die aktuelle Studie bezieht sich auf Patientinnen, bei denen im 3. Quartal 2001 ein invasives Ovarialkarzinom diagnostiziert wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die vorhandenen Leitlinien in der klinischen Realität oft nicht umgesetzt werden. Vor allem das operative Stagingwird in Deutschland bei der Mehrzahl der Patientinnen nicht vollständig durchgeführt. „Ein komplettes Staging ist gerade für die Prognose des frühen Ovarialkarzinoms unerlässlich“, kommentierte du Bois, „außerdem lässt sich nur mit diesen Daten eine stadiengerechte Therapie planen“. Dies haben, so zeigt die Studie, weniger als die Hälfte der Patientinnen erhalten. Es fehlten oft wichtige OP-Schritte, z. B. wurde bei fast der Hälfte der Patientinnen mit einem frühen Karzinom keine Lymphonodektomie durchgeführt. Andere Verbesserungsoptionen, die die Studie offenlegte, beziehen sich auf die Chemotherapien. Im adjuvanten Bereich wurde bei etlichen Patientinnen trotz bestehender Indikation keine Chemotherapie durchgeführt. Patientinnen mit metastasierten Tumoren erhielten zum Teil nicht die den Leitlinien entsprechende bestmögliche Therapiekombination.
Ein positives Ergebnis, das die Studie hervorgebracht hat, ist die Tatsache, dass ein gewisser Grad an Spezialisierung in Deutschland bereits vorhanden ist. Ein nur begrenzter Kreis an Kliniken behandelt einen großen Prozentsatz der Karzinome. Auch hat sich gezeigt, dass die Therapie in Studienkliniken qualitativ besser ist; das sind Kliniken, die sich an kooperativen Studiengruppen beteiligen und zertifizierte Protokolle etabliert haben. Diese Kliniken unterziehen sich freiwillig einer externen Qualitätskontrolle und nehmen an regelmäßigen Weiterbildungen teil. Trotzdem fordert du Bois noch mehr Weiter- und Fortbildung. „Es sollte nicht sein, dass die Überlebenschance der Patientin in hohem Maße davon abhängt, in welche Klinik sie mehr oder weniger zufällig geht. Wir müssen in Zukunft die Weiterbildung der Ärzte noch mehr intensivieren und strukturieren. Dieser Aufgabe müssen sich auch die Gesundheitspolitik und die Kassen stellen“, so du Bois.
Sämtliche Kliniken mit den entsprechenden Qualitätsmerkmalen sind auf der Internetseite www.eierstock-krebs.de zu finden. Informationen zur Studiengruppe Ovarialkarzinom gibt es im Internet unter www.ago-ovar.de.

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