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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. September 2014 Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom: Zulassung für Bevacizumab beim platinresistenten Rezidiv

Bevacizumab (Avastin®) hat sich seit der Zulassung im Jahr 2011 als Standard für die 1st-line-Therapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms fest etabliert. Patientinnen ab FIGO-Stadium IIIB bietet die frühe und kontinuierliche Behandlung mit dem VEGF-Antikörper in Kombination mit Carboplatin plus Paclitaxel die Chance auf ein signifikant verlängertes progressionsfreies Überleben (1, 2). Bereits seit 2012 kann Bevacizumab zudem bei Patientinnen mit platinsensiblem Ovarialkarzinomrezidiv eingesetzt werden, wenn sie den Antikörper nicht als 1st-line-Therapie erhalten konnten (1). Seit August 2014 ist Bevacizumab nun auch für die Behandlung des platinresistenten Rezidivs zugelassen (1). Die erneute Zulassungserweiterung schließt eine therapeutische Lücke in der Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms und untermauert die hohe Wirksamkeit von Bevacizumab bei dieser Erkrankung.

Die aktuelle Zulassung von Bevacizumab für die Behandlung von Patientinnen mit platinresistentem Ovarialkarzinomrezidiv basiert auf den überzeugenden Resultaten der AURELIA-Studie (3). In die randomisierte Phase-III-Studie waren 361 Patientinnen eingeschlossen, die nach Abschluss einer platinbasierten Therapie innerhalb eines halben Jahres ein Rezidiv erlitten hatten. Die Patientinnen erhielten im Rahmen der Studie entweder Bevacizumab (10 mg/kg KG alle 2 Wochen oder 15 mg/kg KG alle 3 Wochen) in Kombination mit Topotecan, pegyliertem liposomalen Doxorubicin oder wöchentlichem Paclitaxel oder eine alleinige Chemotherapie. Primärer Endpunkt der Studie war das durch die Prüfärzte anhand der RECIST-Kriterien beurteilte progressionsfreie Überleben (PFS).

Signifikanter PFS-Vorteil mit Bevacizumab

Das zentrale Ergebnis der Studie: Mit Bevacizumab ist es erstmals gelungen, einen signifikanten Wirksamkeitsvorteil für Frauen mit platinresistentem Ovarialkarzinomrezidiv gegenüber der alleinigen Chemotherapie zu erreichen. Patientinnen, die Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie erhielten, hatten im Vergleich zu Patientinnen, die ausschließlich mit einer Chemotherapie behandelt wurden, ein signifikant um 52% reduziertes Risiko für eine erneute Tumorprogression  (HR 0,48; p<0,001). Das entspricht einer PFS-Verlängerung um median 3,3 Monate (6,7 vs. 3,4 Monate) (Abb. 1) (1, 3).
 

Abb. 1: AURELIA-Studie: Die Primäranalyse zeigt einen signifikanten PFS-Vorteil mit Bevacizumab für Patientinnen mit platinresistentem Ovarialkarzinomrezidiv (mod. n. (3)).
 

Die aktuelle Analyse eines unabhängigen Expertengremiums (Independent Review Committee; IRC), die erstmals im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert wurde, bestätigt das Ergebnis: Mit einer PFS-Verlängerung von median 4,2 Monaten (8,1 vs. 3,9 Monate; HR 0,48; p<0,0001) fiel der Vorteil für die Patientinnen in der IRC-Auswertung sogar noch deutlicher aus (4).

Ansprechrate mehr als verdoppelt


Die Auswertung weiterer klinischer Endpunkte der AURELIA-Studie bestätigen die Überlegenheit des Bevacizumab-Regimes gegenüber der alleinigen Chemotherapie in der Behandlung des platinresistenten Ovarialkarzinomrezidivs: So wurde mit Bevacizumab bei 27,3% der Patientinnen ein objektives Ansprechen nach RECIST erzielt - im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie (11,8%; p=0,001) war die objektive Ansprechrate unter Bevacizumab damit mehr als verdoppelt (3).

Signifikante Verbesserung der Lebensqualität unter Bevacizumab

Die Behandlung mit Bevacizumab erwies sich in der AURELIA-Studie als sicher und gut verträglich. Das Sicherheitsprofil entsprach insgesamt dem bekannten Profil von Bevacizumab aus anderen zulassungsrelevanten Studien (1-3).

Die Resultate einer Lebensqualitätsanalyse, die im Rahmen der AURELIA-Studie durchgeführt wurde, belegen zudem erneut, dass die Behandlung mit Bevacizumab zu einer signifikanten Verbesserung der abdominellen Symptomatik führte: Nach acht bzw. neun Wochen berichteten 21,9% der Bevacizumab-Patientinnen über eine substanzielle Besserung ihrer abdominellen Beschwerden anhand eines Ovarialkarzinom-spezifischen Fragebogens (EORTC QLQ-OV28) - und damit signifikant mehr Patientinnen als unter alleiniger Chemotherapie (vs. 9,3%; p=0,002). Die Verbesserung der Lebensqualität bei Behandlung mit Bevacizumab war noch ausgeprägter in der Subgruppe der Patientinnen mit Aszites (21,6% vs. 2,1%; p=0,004) (5).

Wirksamkeit von Bevacizumab beim Ovarialkarzinom umfassend belegt

Die aktuelle Zulassung beim platinresistenten Rezidiv untermauert den hohen Stellenwert von Bevacizumab in der Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms. Mittlerweile belegen vier randomisierte Phase-III-Studien mit zusammen mehr als 4.200 Patientinnen die hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit von Bevacizumab beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom. Auf Basis der beiden Phase-III-Studien GOG-0218 und ICON7 wurde Bevacizumab (15 mg/kg KG alle 3 Wochen) bereits 2011 in Kombination mit Carboplatin plus Paclitaxel für die 1st-line-Therapie ab FIGO-Stadium IIIB zugelassen (1). Beide Studien hatten gezeigt, dass die frühe und kontinuierliche 1st-line-Therapie mit Bevacizumab die progressionsfreie Zeit der Patientinnen im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie signifikant verlängert (1, 2, 6). So lag der PFS-Vorteil für Patientinnen, die im Rahmen der GOG-0218-Studie über insgesamt 15 Monate mit Bevacizumab behandelt wurden, bei median 6,2 Monaten (18,2 vs. 12,0 Monate; HR 0,62; p<0,0001) (1, 2).

Die OCEANS-Studie, eine weitere Phase-III-Studie, bestätigt die hohe Wirksamkeit von Bevacizumab beim platinsensiblen Ovarialkarzinomrezidiv: Auch bei diesen Patientinnen bewirkt Bevacizumab in Kombination mit Gemcitabin eine signifikante PFS-Verlängerung im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie (12,4 vs. 8,4 Monate; HR 0,48; p<0,0001). Auf Basis dieser Studiendaten wurde Bevacizumab im Oktober 2012 für Patientinnen mit platinsensiblem Rezidiv zugelassen, die Bevacizumab nicht bereits als 1st-line-Therapie erhalten konnten (1).

Fazit

Der frühe und kontinuierliche Einsatz von Bevacizumab in der 1st-line-Therapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms ab FIGO-Stadium IIIB bietet den Patientinnen die Aussicht auf eine signifikant verlängerte progressionsfreie Überlebenszeit. Darüber hinaus ist Bevacizumab in der Rezidivsituation eine wichtige Therapieoption für Patientinnen, die den VEGF-Antikörper nicht als 1st-line-Therapie erhalten konnten: Sowohl beim platinresistenten als auch beim platinsensiblen Ovarialkarzinomrezidiv bewirkt Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie ein signifikant verlängertes PFS. Dass Bevacizumab mittlerweile ein gelebter Standard beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom ist, belegen aktuelle Daten der Qualitätssicherungserhebung Ovarialkarzinom (QS OVAR) der AGO-Studiengruppe: In der klinischen Praxis erhält rund die Hälfte der Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom ab FIGO-Stadium IIIB Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie (Abb. 2) (8).
 

Abb. 2: QS OVAR 2012-2016 der AGO-Studiengruppe: Einsatz von Antikörpern beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom ab FIGO-Stadium IIIB (mod. n. (8)).
 


Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG


Literaturhinweise:

(1) Aktuelle Fachinformation Avastin®, Stand: Juli 2014.
(2) Burger RA et al. N Engl J Med. 2011; 365:2473-83.
(3) Pujade-Lauraine E et al. J Clin Oncol. 2014; 32:1302-8.
(4) Husain A et al. J Clin Oncol. 2014; 32 (suppl):5s: Abstract #5540.
(5) Stockler MR et al. J Clin Oncol. 2014; 32:1309-16.
(6) Perren TJ et al. N Engl J Med. 2011; 365:2484-96.
(7) Aghajanian C et al. J Clin Oncol. 2012; 30:2039-45.
(8) Pfisterer J et al. DKK 2014; Qualitätssicherung Ovarialkarzinom in Deutschland - Erhebung 2012-2016.


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