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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. September 2014 Therapiedauer mit Bevacizumab - wie lange sollte man therapieren?

First-line-Behandlung des HER2-negativen metastasierten Mammakarzinoms

Der Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin®) ist in Kombination mit Paclitaxel eine etablierte First-line-Behandlung für Patientinnen mit HER2-negativem metastasierten Mammakarzinom. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden im klinischen Alltag bestätigt. Studiendaten deuten darauf hin, dass es Patientinnen gibt, die besonders gut ansprechen und lange progressionsfrei bleiben. Resultate aus der Sicherheitsstudie ATHENA legen außerdem nahe, dass der Therapieerfolg mit der Behandlungsdauer korreliert.

Der First-line-Einsatz von Bevacizumab zusätzlich zur Chemotherapie erreichte in den Zulassungsstudien einen klaren Wirksamkeitsvorteil gegenüber der alleinigen Chemotherapie: So verdoppelte die First-line-Behandlung mit Bevacizumab in Kombination mit Paclitaxel in der Studie E2100 (1) die progressionsfreie Überlebenszeit (PFS) der Patientinnen gegenüber der alleinigen Behandlung mit Paclitaxel im Median um fast sechs Monate (11,3 vs. 5,8 Monate). Das entspricht einer relativen Risikoreduktion um mehr als 50% (HR 0,48; p<0,0001). Zusätzlich wurde die objektive Ansprechrate mit fast 50% mehr als verdoppelt (49% vs. 22%; p<0,0001).

Kommt eine Taxan-haltige Therapie nicht in Frage, ist die Kombination von Bevacizumab mit Capecitabin (Xeloda®) eine wirksame Alternative. Die Kombination erreichte in der zulassungsrelevanten Studie Ribbon-1 gegenüber der Monotherapie mit Capecitabin ebenfalls eine deutlich höhere Ansprechrate (35,4% vs. 23,6%) und eine relative Reduktion des Progressionsrisikos um 31% (8,6 vs. 5,7 Monate: HR 0,69; p=0,0002) (2).

 

Abb. 1: Die über ein Jahr First-line mit Bevacizumab weiterbehandelten Patientinnen mit HER2-negativem metastasierten Mammakarzinom waren deutlich länger progressionsfrei (mod. nach (4)).
 

Im klinischen Alltag bewährt

Untersuchungen aus der klinischen Routine zeigen, dass es Patientinnen gibt, die sehr lange auf Bevacizumab ansprechen: In der ATHENA-Studie (3) lag das progressionsfreie Überleben der mit Bevacizumab alleine weiterbehandelten Patientinnen im Median bei 11,6 Monaten. Für Patienten, bei denen die Bevacizumab-Gabe vor oder mit der Chemotherapie beendet wurde, lag es bei 6,7 Monaten. Auch in einer nicht-interventionellen (praxisorientierten) Studie (NIS) aus Deutschland (4) blieb die Subgruppe der Patientinnen, die mindestens ein Jahr mit Bevacizumab behandelt wurden, im Median über 10 Monate länger progressionsfrei als jene, die weniger als ein Jahr Bevacizumab erhalten hatten (8,0 vs. 18,4 Monate) (Abb. 1). Zudem erreichten diese Patientinnen ein fast 18 Monate längeres Gesamtüberleben (35,7 vs. 18,0 Monate). Unter der Langzeit-Gabe von Bevacizumab zeigte sich keine klinisch-relevante Zunahme der Grad ≥3 Nebenwirkungen. Aufgrund dieser Daten sollte nach Beendigung der First-line-Chemotherapie die Behandlung mit Bevacizumab bis zum Progress weitergeführt werden. Dies wird ebenso in der Fachinformation empfohlen (5).


Literaturhinweise:
(1) Gray R et al. JCO 2009; 27:4966-72.
(2) Robert NJ et al. JCO 2011; 29:1252-60.
(3) Smith I et al. Breast Cancer Res Treat. 2011; 130:133-43.
(4) Schmidt M et al. SABCS 2013; Poster P2-16-03.
(5)Fachinformation Avastin, Stand Juli 2014.



"Bevacizumab ist eine effektive Option bei Remissionsdruck"

 

Interview mit PD Dr. med. Eugen Ruckhäberle, Universitätsfrauenklinik Düsseldorf.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welchen Patientinnen bieten Sie Bevacizumab im Rahmen der First-line-Behandlung des HER2-negativen metastasierten Mammakarzinoms an?

Ruckhäberle: Bevacizumab plus Paclitaxel ist bei uns eine bevorzugte Kombination für die First-line-Behandlung besagter Patientinnen. Sie bietet den Patientinnen im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie eine signifikant höhere Chance auf ein Therapieansprechen und eine signifikant längere progressionsfreie Überlebenszeit. Bei Therapieansprechen wird der Tumor in der Regel sehr schnell kleiner und bildet sich zurück. Die Kombination Bevacizumab plus Paclitaxel ist daher bei erhöhtem Remissionsdruck eine wichtige Therapieoption. Das sind Patienten mit ausgeprägter Metastasierung, insbesondere mit viszeralen Metastasen, aber auch solche mit ausgedehntem Lymphknotenbefall, mit Pleuraerguss, peritonealer Metastasierung oder Lebermetastasen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Rolle spielt der Hormonrezeptor-Status für den Einsatz von Bevacizumab?

Ruckhäberle: Entscheidend ist nicht der Hormonrezeptor-Status, sondern der Remissionsdruck. Bei hohem Remissionsdruck ist immer ein zuverlässiges und schnelles Ansprechen notwendig, weshalb diese Patientinnen bei positivem Hormonrezeptor-Status first-line keine endokrine Behandlung, sondern vorzugsweise Bevacizumab plus Chemotherapie erhalten sollten. Subgruppenanalysen aus kontrollierten klinischen Studien zeigen, dass Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem, metastasiertem Mammakarzinom von der First-line-Behandlung mit Bevacizumab plus Chemotherapie profitieren.

Bei den Patienten mit negativem Hormonrezeptor-Status haben wir als Alternative zu Bevacizumab in Kombination mit Chemotherapie nur die Poly-Chemotherapie, die aber deutlich schlechter vertragen wird als Bevacizumab plus Chemotherapie. Auch hier zeigen Subgruppenanalysen, dass die Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom (TNBC) unter Bevacizumab plus Chemotherapie eine hohe Ansprechwahrscheinlichkeit haben und im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie deutlich länger ohne Progress bleiben.

JOURNAL ONKOLOGIE: Gilt das auch für Patientinnen, die bereits (neo)adjuvant eine Taxan-Therapie erhalten haben?

Ruckhäberle: Patientinnen, die gut auf die (neo)adjuvante Taxan-Therapie angesprochen haben, profitieren in der Regel noch einmal von der erneuten Taxan-Gabe in der First-line-Situation. Kommt eine Taxan-Therapie nicht in Frage, ist die Kombination Bevacizumab plus Capecitabin eine wirksame Alternative für die First-line-Behandlung.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie lange sollten die Patientinnen im Rahmen der First-line-Behandlung mit Bevacizumab behandelt werden?

Ruckhäberle: Patientinnen, die gut ansprechen und die Therapie mit Bevacizumab gut vertragen, behandeln wir bis zum Progress. Bevacizumab hemmt die Tumorangiogenese und verlangsamt so die erneute Tumorproliferation. Das legt nahe, dass die kontinuierliche Gabe von Bevacizumab wichtig ist, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Die Daten aus der ATHENA-Studie (3) sowie einer nicht-interventionellen Studie (NIS) (4) unterstreichen das: Patientinnen, die nach Abschluss der Chemotherapie mit Bevacizumab alleine weiterbehandelt wurden, blieben im Median nicht nur länger ohne erneuten Progress, sondern überlebten auch länger. In der NIS überlebten die Patientinnen, die länger als ein Jahr mit Bevacizumab behandelt wurden, im Median fast 18 Monate länger (35,7 vs. 18,0 Monate) als jene, die kürzer als ein Jahr Bevacizumab erhalten haben. In einem nächsten Schritt prüft gerade eine randomisierte Studie, ob die Patientinnen einen prognostischen Vorteil davon haben, wenn sie zusätzlich zur fortgeführten Bevacizumab-Gabe eine andere Chemotherapie erhalten.

JOURNAL ONKOLOGIE: Ihr Fazit zum Stellenwert von Bevacizumab für die First-line-Behandlung des HER2-negativen metastasierten Mammakarzinoms?

Ruckhäberle: Die Kombination Bevacizumab plus Chemotherapie ist eine wichtige Therapieoption für die First-line-Behandlung besagter Patientinnen. Das gilt bei hohem Remissionsdruck unabhängig vom Hormonrezeptor-Status, da ich bei diesen Patientinnen ein zuverlässiges und zügiges Ansprechen benötige. Gegebenenfalls kann ich Bevacizumab jederzeit absetzen, eventuelle Nebenwirkungen sind schnell reversibel. Bei den triple-negativen Patientinnen würde ich, so keine Kontraindikationen vorliegen, immer versuchen, den zusätzlichen Wirkeffekt von Bevacizumab zu nutzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Birgit-Kristin Pohlmann, Nordkirchen

Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG


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