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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Juli 2010 Ovarialkarzinom: Bei früher Immunantwort auf trifunktionalen Antikörper besseres Gesamtüberleben

ASCO 2010

Eine Post-hoc-Analyse der Zulassungsstudie vom ASCO zeigt, dass eine frühe Immunantwort auf Catumaxomab (Removab®) mit einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens korreliert [1].
„Ein Tag Überleben ist so wertvoll wie ein Jahr“, diese Grundmaxime gilt laut PD Dr. Salah-Eddin Al-Batran, Frankfurt, bei vielen Patienten. Entscheidend ist aber ebenso, dass sie diesen Tag Überleben mit einer bestmöglichen Lebensqualität erleben. Dies gilt insbesondere für den malignen Aszites. Dieses beim Ovarialkarzinom, aber auch beim Magentumor, häufige Symptom hat nicht nur Einfluss auf das Überleben, sondern reduziert ebenfalls die Lebensqualität erheblich.


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Früher Einsatz wird überprüft

Bei EpCam-positiven Tumoren wird der Einsatz von Catumaxomab bei malignem Aszites empfohlen. Die Daten einer Post-hoc-Analyse der Zulassungsstudie zeigen eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens (129 vs. 64 Tage) bei Patienten mit einer frühen Immunantwort. Die Analyse prüfte die mögliche Korrelation zwischen dem Auftreten von Antikörpern gegen den Antikörper und den klinischen Endpunkten 8 Tage nach der letzten Infusion. Hierbei zeigte sich, dass Patienten, in deren Serum zu diesem Zeitpunkt HAMA (humane Anti-Maus-Antikörper) nachweisbar waren, in allen drei Endpunkten signifikant besser von der Therapie profitierten. Dieser Vorteil war unabhängig von den epithelialen Tumoren, aufgrund derer sich der maligne Aszites entwickelt hatte. 76% der Patienten zeigten eine solche Immunantwort. Die offensichtliche Relevanz der Immunantwort legt den Schluss nahe, dass ein möglichst früher Einsatz des trifunktionalen Antikörpers von Vorteil sein könnte. Auf dem diesjährigen ASCO wurden zwei Phase-II-Studien beim Ovarialkarzinom vorgestellt, die den frühen Einsatz entweder als Konsolidierungstherapie nach erfolgter Erstlinien-Behandlung oder als perioperativer Ansatz nach radikaler Tumorentfernung prüfen [2, 3]. „Diese beiden Studien belegen die Durchführbarkeit einer Catumaxomab-Therapie in frühen Behandlungsansätzen beim Ovarialkarzinom. Mögliche Hinweise für eine Effektivität können wir frühestens nach der zweijährigen Nachbeobachtungszeit beurteilen“, sagte der Studienleiter Prof. Dr. Jalid Sehouli, Berlin.


1 Professor Jalid Sehouli, Berlin, Leiter des Europäischen Kompetenzzentrums für Eierstockkrebs (EKZE) und Stellvertretender Direktor der Klinik für Frauenheilkunde Charité Campus Virchow-Klinikum Berlin:

Catumaxomab ist auf keinen Fall als eine „Last-Line-Therapie“ zu sehen. Denn sie ermöglicht es der Patientin, andere Behandlungen zu bekommen. Mit einem malignen Aszites ist ansonsten der Zustand der Patientinnen oft so schlecht, dass an andere, ebenfalls notwendige Behandlungen gar nicht zu denken ist. Im Versorgungsalltag ist die Antikörpertherapie mit etwas Erfahrung sicher und einfach durchführbar. Offensichtlich kann ebenfalls noch mehr erreicht werden, wenn die Substanz früher eingesetzt wird. Momentan noch laufende Studien werden darüber Auskunft geben. Wir haben im klinischen Alltag bereits gute Erfahrungen mit intraoperativ eingesetztem Catumaxomab bei Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom gemacht.


Quellen:

(1) Ott, MG et al.: The trifunctional antibody catumaxomab: Correlation between immunological response and clinical outcome – new analysis of a pivotal phase II/III study. ASCO 2010, Poster #2551
(2) Holloway RW et al.: Immunotherapy with intraperitoneal catumaxomab in patients with advanced ovarian cancer after a complete response to chemotherapy: A phase II study. ASCO 2010, Poster #5015
(3) Chekerov R et al.: Intraoperative immunotherapy with the trifunctional antibody catumaxomab in patients with ovarian-cancer: Results from a phase II study. ASCO 2010, Poster #5039

Abstract LBA 1: Burger et al. Phase III trial of bevacizumab (BEV) in the primary treatment of advanced epithelial ovarian cancer (EOC), primary peritoneal cancer (PPC) or Fallopian tube cancer (FTC): A Gynecologic Oncology Group study. ASCO 2010

Bettina Reich, Hamburg

Quelle:


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