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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. März 2010 „Die zweite Stimme“ – Film für Patientinnen mit Ovarialkarzinom

Interview mit Prof. Jalid Sehouli, Europäisches Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs, Klinik für Frauenheilkunde, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum.

Zu einer exklusiven Premiereveranstaltung hatte Prof. Dr. Jalid Sehouli im Namen der Stiftung Eierstockkrebs in die Astor Filmlounge nach Berlin eingeladen. Anlass war der von ihm initiierte erste deutsche Film für Frauen mit der Diagnose Eierstockkrebs und deren Angehörige. Der Film erzählt die Geschichte von vier Frauen, die vom Eierstockkrebs geheilt wurden oder noch mit der Krankheit kämpfen sowie von einem Ehemann, der seine Frau durch diese Erkrankung verloren hat. Eine der Darstellerinnen ist die Mezzosopranistin Carolin Masur, deren Geschichte dem Film den Namen gab. Sie erzählte von ihrem Gefühl, dass sich nach Operation und Chemotherapie ihre neu trainierte Stimme verändert hatte – zum Positiven.
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Prof. Jalid Sehouli

Herr Professor Sehouli, wie ist die Idee zu diesem Film entstanden?
Die Idee, einen Film mit Patienten für Patienten zu machen, hatte ich schon lange im Kopf. Vor 10 Jahren hatte ich angefangen, Bücher für die Selbst-hilfe und Patientenbroschüren zu schreiben, dafür Patienten interviewt und bemerkt, dass ein großes Missverständnis herrscht. Als ich gefragt wurde, ob ich Interesse daran hätte, einen Film für Ärzte über das Operieren zu machen, sagte ich, dass mich ein Film für Patienten mehr interessieren würde und habe ein Konzept erarbeitet. Schließlich habe ich die vier Frauen und den Ehemann in unserer Klinik darauf angesprochen, und so hat sich alles entwickelt.

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Wie haben denn die Patientinnen reagiert, als Sie sie darauf angesprochen haben, bei einem Film mitzuwirken?
Die ersten waren zunächst sehr skeptisch. Krebspatienten sagen immer, dass die Erkrankung in unserer Gesellschaft tabuisiert ist. Sie selbst tabuisieren aber auch. Carolin Masur war eine der ersten, die sich sehr positiv dazu geäußert hat. Sie wollte, dass die Patienten wachgerüttelt werden und sich nicht so ausgeliefert fühlen.

Wie haben Sie die Patienten für diesen Film ausgewählt?
Es wurden vier Frauen und ein Ehemann portraitiert. Zwei Frauen gelten als geheilt, Frau Mittermeier ist seit 9 Jahren tumorfrei und leitet eine Selbsthilfegruppe, Frau Masur ist seit 5 Jahren tumorfrei ist, die anderen beiden, Frau Gabriel und Frau Liebert haben ein zweites und drittes Rezidiv. Wichtig war mir, dass eine Frau mit Migrationshintergrund wie Frau Gabriel dabei war. Außerdem haben wir einen Ehemann portraitiert, dessen Frau an Eierstockkrebs gestorben ist.

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Wie ist der Film aufgebaut und wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?
Ich wollte, dass der Film mit Schock beginnt, weil sich damit jeder identifizieren kann – Patientinnen, Ehemann, Arzt, Angehörige. Im Laufe der Dreharbeiten hat sich der Film immer weiter entwickelt. Wir haben den medizinischen Teil immer mehr zurückgenommen, weil wir zeigen wollten, dass Studien, Operation, Chemotherapie und die Meditation, die Liebe zu Tieren und die Liebe zu Gott keine Widersprüche sind. Es war schön zu beobachten, wie die Beziehung zwischen Frau Gabriel, eine Frau mit Ovarialkarzinomrezidiv, und ihrer Tochter während des Films immer intensiver wurde. Bemerkenswert war auch, dass keiner über das Sterben sprechen wollte. Es ging nur um das Leben. Die Darsteller haben sich im Lauf des Films immer selbstbewusster mit der Thematik auseinandergesetzt. Dadurch, dass Martin Berg Arzt und Regisseur ist, hatte er ein besonderes Gefühl für die Situation, so dass sich die Patienten sehr geöffnet haben.

Seit wann gibt es die Stiftung Eierstockkrebs und was sind die Ziele der Stiftung?
Die Stiftung gibt es seit wenigen Monaten. Die Stiftung arbeitet dafür, dass Patientinnen und ihre Angehörige aber auch alle Beteiligten im Gesundheitssystem über diese Erkrankung besser und gezielter informiert werden, die Aufklärung von Patientinnen und ihren Angehörigen zur Erkrankung und zu den einzelnen Behandlungsschritten entscheidend verbessert wird und dass innovative Forschungsprojekte zur Tumorbiologie, Diagnostik, Therapie und Nachsorge systematisch gefördert werden. Eine besondere Berücksichtigung finden die Sprachen, weil wir auch die Migrantinnen in Deutschland erreichen wollen. Der Film „Die zweite Stimme“ steht im Internet unter www.stiftungeierstockkrebs.de. Er ist bereits auf Arabisch synchronisiert worden und wird auch türkisch und englisch synchronisiert werden.

Quelle:


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