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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

10. Oktober 2006 Die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) in der Deutschen Krebsgesellschaft stellt vor: Klinische Studien in der Dermato-Onkologie im Jahr 2006

Konstanze Spieth1, Jürgen C. Becker2, 1Zentrum der Dermatologie, Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main,2Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Die in der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie organisierten Zentren führen seit Jahren multizentrische klinische Studien durch. Dazu gehören zum einen zahlreiche Investigator-initiierte Studien, zum anderen werden in vielen Zentren auch zunehmend Phase-I/II- und Phase-III-Zulassungsstudien professionell nach GCP-Kriterien durchgeführt. Weiterhin nehmen einige in der ADO organisierte Zentren auch an Studien der EORTC (European Organisation for Research on Treatment of Cancer) teil. Nachfolgend finden Sie im Überblick eine Auswahl von kürzlich abgeschlossenen, aktuell rekrutierenden und geplanten Studien der ADO sowie auch ausgewählte Studien der EORTC im Bereich der Dermato-Onkologie. Der Schwerpunkt liegt hier auf den von der ADO selbst initiierten klinischen Studien zum malignen Melanom. Außerdem werden Studien zum kutanen T-Zell-Lymphom sowie zu der seltenen Tumorentität des Dermatofibrosarkoma protuberans vorgestellt.
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1. Rückblick – Studien mit kürzlich abgeschlossener Rekrutierung
1.1. Randomisierte, multizentrische, therapieoptimierende Prüfung zur Untersuchung der Wirksamkeit einer adjuvanten Behandlung mit Interferon alpha-2a über 60 Monate versus 18 Monate bei Patienten mit primären kutanen Melanomen mit einer Tumordicke > 1,5 mm. Studie der ADO.
In diese zweiarmige randomisierte Studie wurden insgesamt 850 Patienten in Deutschland bis Mitte des Jahres 2004 rekrutiert. Eingeschlossen wurden Patienten nach operativer Entfernung des malignen Melanoms ohne Vorhandensein von Lymphknoten- oder Fernmetastasen. Das Therapieoptimierungsprotokoll prüft die Frage, ob eine adjuvante Behandlung mit Interferon alfa-2a über 60 Monate Gesamtdauer einer Therapie über 18 Monate überlegen ist. Die Patienten erhielten jeweils Interferon alfa-2a in einer Dosis von 3 x 3 Mio IE subkutan pro Woche. In die Auswertung werden die rezidivfreie Überlebenszeit, die Gesamtüberlebenszeit sowie die Nebenwirkungen der Therapie und die Lebensqualität der Patienten während der Therapie miteinbezogen werden. Als Nachbeobachtungszeitraum ist für alle Patienten die Dauer von 5 Jahren vorgesehen.

1.2. Internationale, randomisierte, multizentrische Prüfung zur Untersuchung der Wirksamkeit einer adjuvanten Behandlung mit pegyliertem Interferon (Peg-Intron®) über 36 Monate versus Interferon alfa-2b (IntronA®) über einen Zeitraum von 18 Monaten bei Patienten mit primären kutanen Melanomen (Tumordicke ≥1,5 mm und klinisch unauffälligen Lymphknoten). Studie der EADO.
Das erste Studienprojekt der „Europäischen Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie; EADO“ zeichnete sich durch eine sehr schnelle und erfolgreiche Rekrutierung aus. Es wurden Patienten in Deutschland (29 Zentren), Frankreich und Österreich für diese internationale Studie rekrutiert. Eingeschlossen wurden Patienten nach Operation des Primärtumors, bei denen keine makroskopischen Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen vorlagen. Patienten mit lymphatischen Mikrometastasen (positiver Sentinel-Lymphknoten) konnten ebenfalls eingeschlossen werden. Insgesamt wurden 890 Patienten randomisiert und erhielten entweder die zugelassene Niedrigdosis-Therapie mit wöchentlich 3 x 3 Mio IE Interferon alfa-2b subkutan über 18 Monate oder 100 µg pegyliertes Interferon alfa-2b einmal wöchentlich subkutan über 36 Monate. Primärer Endpunkt der Studie ist das rezidivfreie Überleben, sekundäre Endpunkte sind die Zeit bis zum Auftreten von Fernmetastasen, die Gesamtüberlebenszeit sowie Toxizität und Lebensqualität. Die Rekrutierung wurde im November 2005 abgeschlossen, eine erste Interimsanalyse ist für 2008 geplant.

1.3. Randomisierte, multizentrische Untersuchung der Wirksamkeit einer Behandlung mit Temozolomid gegenüber einer Kombination von Temozolomid und Interferon alfa beim malignen Melanom im Stadium der Fernmetastasierung. Amendmend #1: Kombinierte Behandlung mit Temozolomid und pegyliertem Interferon alfa-2b beim malignen Melanom im Stadium der Fernmetastasierung. Studie der ADO.
Für diese randomisierte klinische Studie wurden Patienten mit fernmetastasiertem malignen Melanom rekrutiert, die zuvor keine Chemotherapie erhalten hatten und bei denen Gehirnmetastasen ausgeschlossen worden waren. In Arm A und Arm B dieser zweiarmigen Studie erhielten die Patienten eine Therapie mit dem oralen Alkylans Temozolomid in einer Dosierung von 200 mg/m2 Körperoberfläche an Tag 1-5, der Zyklus wurde alle 28 Tage wiederholt. In Arm B erhielten die Patienten zusätzlich Interferon alfa (5 Mio IE / m2 Körperoberfläche 3x wöchentlich subkutan). Es wurden 294 Patienten eingeschlossen, primäre Endpunkte waren die objektive Ansprechrate sowie das Gesamtüberleben. Die Ergebnisse wurden zwischenzeitlich publiziert, es zeigte sich ein signifikant höheres Ansprechen im Kombinationsarm im Vergleich zur Monotherapie, jedoch keine signifikante Zunahme der Gesamtüberlebenszeit. Im Jahr 2002 wurde eine weitere, offene Behandlungsgruppe initiiert, 124 Patienten erhielten eine Kombination aus Temozolomid in der o.g. Dosierung und pegyliertem Interferon alfa-2b in einer Dosis von 100 µg einmal wöchentlich subkutan. Die Ansprechrate lag bei 18,1%, die mediane Überlebenszeit betrug 9,4 Monate. Die Ergebnisse dieser gesonderten Auswertung wurden auf dem diesjährigen Kongress der ASCO präsentiert.

1.4. Prospektive, offene, multizentrische Phase-II-Studie zur therapeutischen Wirksamkeit von Imatinib Mesylat (Glivec®) beim Dermatofibrosarcoma protuberans. Studie der ADO in Kooperation mit der VOD (Vereinigung Operative Dermatologie).
Das Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP) ist ein fibrohistiozytärer, ausschließlich an der Haut vorkommender Tumor von intermediärer Malignität. Er wächst lokal infiltrierend und neigt zu lokalen Rezidiven. Kürzlich wurde eine chromosomale Translokation (17q22/22q13) mit dem Ergebnis der Bildung eines Fusionsproteins COL1A1-PDGFb als bedeutsamer Faktor in der Pathogenese des DFSP beschrieben. Dieses Fusionsprotein zeigt ähnliche Wirkung wie PDGF selbst, d.h. über einen autokrinen Mechanismus kommt es zu einer kontinuierlichen Stimulation der DFSP-Zellen über den PDGF-Rezeptor. Imatinib ist als Inhibitor verschiedener Tyrosin-Kinasen in der Lage, die über den PDGF-Rezeptor vermittelte Signaltransduktion zu hemmen und somit die autokrine Wachstumsstimulation der DFSP-Zellen zu unterbrechen. Eine orale Behandlung mit Imatinib kann eine Therapieoption beim DFSP darstellen, mit der ausgedehnte operative Eingriffe vermieden bzw. in ihrem Umfang reduziert werden können. Die Rekrutierung der Studie ist abgeschlossen und die endgültige Auswertung einschl. der molekularen Analyse der Tumoren steht kurz vor dem Abschluss. Vorläufige Ergebnisse der Zwischenauswertungen legen eine überraschend gute Wirksamkeit nahe.

2. Aktuelle Studien mit laufender Rekrutierung
2.1. Malignes Melanom
2.1.1. Kontrollierte und prospektiv randomisierte Therapiestudie zum Vergleich einer radikalen Lymphadenektomie versus Beobachtung bei Patienten mit malignem Melanom ≥ 1,0 mm Tumordicke und positiver Wächter-Lymphknotenbiopsie. Kooperative Studie der ADO mit der Vereinigung Operativer Dermatologen (VOD) und der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Onkologie (CAO).
Die Sentinel-Lymphknotenbiopsie hat sich als histopathologische Stagingmethode weitgehend etabliert. Sie wird in den aktuellen Leitlinien ab einer Tumordicke von 1 mm empfohlen. In mehreren Untersuchungen wurde der hohe prognostische Wert einer lymphogenen Mikrometastasierung nachgewiesen. Bei Vorliegen einer Mikrometastasierung wird die radikale Lymphadenektomie der entsprechenden Region empfohlen. Es liegen bisher jedoch keine Daten vor, die eine Grundlage für diese Empfehlung darstellen. Die vorliegende Untersuchung, deren Rekrutierung Ende letzten Jahres initiiert wurde, wird mit der Zielsetzung durchgeführt, zu prüfen, ob ohne Nachteile für den Patienten bei vorliegender Mikrometastasierung (Mikrometastasen < 2mm im Sentinel-Lymphknoten) auf eine nachfolgende radikale Lymphadenektomie verzichtet werden kann. Es sollen insgesamt 4650 Patienten mit Sentinel-Lymphknotenbiopsie dokumentiert werden. Erwartungsgemäß wird bei ca. 15-20% der Patienten eine Mikrometastasierung nachgewiesen. Diese Patienten werden in die zweiarmige, randomisierte Studie aufgenommen. In Arm A erfolgt bei den Patienten keine weitere operative Behandlung. In Arm B wird eine radikale Lymphadenektomie des regionären Lymphabflussgebietes vorgenommen. Alle Patienten durchlaufen eine engmaschige Nachsorge in dreimonatigen Abständen. Primärer Endpunkt der Studie ist die Überlebenszeit bis zum Auftreten von Fernmetastasen. Derzeit nehmen 31 Zentren aktiv an der Studie teil, weitere Zentren können noch aktiviert werden, um an dieser wichtigen interdisziplinären Studie teilzunehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits 567 von geplanten 4650 Patientendaten dokumentiert, 23 Patienten von geplanten 558 Patienten konnten randomisiert werden.
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2.1.2. Randomisiertes, multizentrisches Therapieoptimierungsprotokoll zur adjuvanten Behandlung des malignen Melanoms im Stadium III: Intermittierende, hochdosierte i.v.-Gabe von Interferon alfa-2b vs. Standard hochdosierte Interferon alfa-2b-Therapie. Studie der ADO.
Diese Studie ist für Patienten mit malignem Melanom im Stadium der Lymphknotenmetastasierung nach operativer Entfernung aller Tumormassen und nachgewiesener Tumorfreiheit geöffnet (Stadium IIIA, IIIB, IIIC). Für die adjuvante hochdosierte, kombinierte i.v. / s.c. Interferon alfa-2b-Therapie (Kirkwood et al. 1996) konnte erstmalig eine Überlebensverlängerung bei Patienten mit malignem Melanom nach Entfernen von Lymphknoten-Metastasen gezeigt werden. Diese multizentrische Untersuchung soll klären, ob eine intermittierende, hochdosierte i.v. Gabe von Interferon-alfa-2b (20 Mio. I.E. Interferon-alfa-2b/m2, über 4 Wochen, jeweils 5 Tage die Woche, insgesamt 3x wiederholt, unterbrochen von 12 Wochen Therapiepause) dem bisherigen hochdosierten Interferon alfa-2b-Schema (4 Wochen mit 5 x 20 Mio. I.E. Interferon alfa-2b/m2 i.v., gefolgt von 48 Wochen 3 x 10 Mio. I.E. /m2 s.c.) hinsichtlich des fernmetastasenfreien Zeitintervalls als primärem Endpunkt überlegen ist. 600 Patienten sollen eingeschlossen werden. Primärer Endpunkt der Untersuchung ist die Zeitdauer bis zum Auftreten von Fernmetastasen, sekundäre Endpunkte sind die Untersuchung der Gesamtüberlebenszeit, der Toxizität, Erfassung der Morbidität unter der Therapie (Arbeitsunfähigkeit, Krankenhausaufenthalte) sowie die Erfassung der Mx-Protein-Spiegel im Blut. Knapp die Hälfte der geplanten Patientenanzahl konnte bisher schon rekrutiert werden, so wurden insgesamt 299 Patienten randomisiert.
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2.1.3. Internationale, randomisierte, multizentrische Prüfung zur Untersuchung der Wirksamkeit einer adjuvanten Behandlung mit pegyliertem Interferon alfa-2a (Pegasys®) versus Interferon alfa-2a (Roferon-A®) über einen Zeitraum von 24 Monaten bei Patienten mit kutanen Melanomen mit hohem Rezidivrisiko und bei Lymphknotenmetastasen (Stadien IIA (T3a)- IIIB). Studie der ADO/EADO.
Diese Multizenter-Studie der ADO mit Zentren in Deutschland und Österreich zur adjuvanten Therapie richtet sich an Patienten mit histologisch gesichertem malignen Melanon in den Stadien IIA (T3a)- IIIB (AJCC) im Alter zwischen 18 und 75 Jahren. Der Karnofsky-Index muss über 80% liegen. Eingeschlossen können demnach sowohl Patienten ohne Lymphknotenmetastasen ab einer Tumordicke von >2mm werden, als auch Patienten nach Resektion von bis zu 3 Lymphknotenmetastasen oder Patienten mit Satelliten- oder Intransitmetastasen. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von pegyliertem Interferon alfa-2a soll evaluiert werden.
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Ziel ist es, insgesamt 880 Patienten einzuschließen. Primärer Endpunkt der Studie ist die Zeit bis zum Auftreten von Fernmetastasen, sekundäre Endpunkte sind krankheitsfreies Überleben und Gesamtüberleben nach 5 Jahren sowie die Verträglichkeit des Regimes. Mittels eines standardisierten Fragebogens (SF 36) wird in regelmäßigen Abständen die Lebensqualität evaluiert. Bisher sind 486 Patienten in 58 Zentren seit Oktober 2004 rekrutiert worden.
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2.1.4. Temozolomid versus DTIC bei Patienten mit metastasiertem malignen Melanom im Stadium IV: Eine randomisierte Phase-III-Studie der EORTC Melanom-Gruppe. (EORTC-Protokoll:18032)
In einer internationalen Phase-III-Studie der EORTC wird derzeit untersucht, ob eine kontinuierliche Einnahme von Temodal über 7 Tage alle 14 Tage wiederholt einer Therapie mit dem Standard-Chemotherapeutikum DTIC (Dacarbazin) überlegen ist. Es können Patienten im Stadium IV eingeschlossen werden, auch Patienten mit Schleimhautmelanomen sowie mit Melanom-Metastasen bei unbekanntem Primärtumor, wenn diese histologisch gesichert sind. Patienten mit Uvea-Melanomen können nicht aufgenommen werden. Teilnehmende Patienten dürfen vorher keine Chemotherapie im Stadium IV bekommen haben und Gehirnmetastasen müssen ausgeschlossen worden sein. Primärer Endpunkt ist das Gesamtüberleben, als sekundäre Endpunkte dienen das progressionsfreie Intervall, die objektive Ansprechrate sowie die Dauer des Ansprechens. Außerdem wird die Verträglichkeit des Temozolomid-Schemas gegenüber der Standardtherapie mit DTIC sowie die Lebensqualität evaluiert.
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2.2. Aktuelle Studien mit laufender Rekrutierung: Kutanes T-Zell-Lymphom
2.2.1. Multizentrisches Therapie-Protokoll zur Bexaroten (Targretin®)-Monotherapie bei vorbehandeltem CTCL Stadium ≥ Ib . Studie der ADO.
Das Ziel dieses Therapie-Protokolls besteht in der Evaluation der Wirksamkeit einer Bexaroten-Monotherapie mit standartisiertem Nebenwirkungs-Management bei Patienten mit vorbehandeltem CTCL-Stadium ≥Ib, welche einer klaren EORTC-
Diagnose zugeordnet werden. Eingeschlossen werden Patienten mit einem Karnofsky-Index >60 und histologisch dokumentiertem CTCL mit Zuordnung zu einer EORTC-Diagnose, die bereits mit einer PUVA vorbehandelt worden sind. Das Hauptziel ist der Wirksamkeitsnachweis (Ansprechrate) einer oralen Therapie mit Bexaroten bei CTCL, wobei die Resultate nach der EORTC-Diagnose stratifiziert werden sollen. Nebenziele sind Gesamtansprechrate (komplette und partielle Remission), die Zeit bis zum Ansprechen, die progressionsfreie Zeit sowie das Sicherheitsprofil von Bexaroten. Die Patienten erhalten Bexaroten 300 mg/m2 täglich für mindestens 24 Wochen.
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2.2.2. Multizentrische, randomisierte Phase-III-Studie zur Evaluierung der Wirkung und Sicherheit von Bexaroten (Targretin®)-Kapseln in Kombination mit einer PUVA-Therapie im Vergleich zu einer alleinigen PUVA-Therapie bei Patienten mit kutanen T-Zell-Lymphomen vom Typ der Mycosis fungoides (EORTC-Protokoll 21011)
Ziel der Studie ist die Evaluation der Wertigkeit einer Kombinationsbehandlung mit PUVA-Bestrahlung und Bexarotene (Targretin®) im Vergleich zur derzeitigen Standardtherapie einer alleinigen PUVA-Bestrahlung bei Mycosis fungoides. Möglicherweise erfordert die Kombinationsbehandlung eine geringere kumulative UV-A-Dosis und eine geringere Anzahl von Bestrahlungen; weiterhin ist möglicherweise ein schnelleres Ansprechen und ein längeres rezidivfreies Intervall nach erfolgreicher Behandlung zu erzielen. Die Studie wird die Frage klären, ob die Kombinationsbehandlung hinsichtlich der genannten Aspekte der bisherige Standardtherapie überlegen ist, so dass sich dann ggf. eine verbesserte Therapie der Mycosis fungoides ergeben könnte.
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2.2.3. Phase-II-Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Monochemotherapie mit Caelyx bei Patienten mit fortgeschrittener Mycosis fungoides (Stadium IIb, IVa und IVb) mit oder ohne vorausgegangener Chemotherapie (EORTC-Protokoll 21012).
Patienten mit Mycosis fungoides in fortgeschrittenem Stadium haben im Allgemeinen eine schlechte Prognose. Der Nutzen aggressiver Chemotherapien in Hinblick auf die Gesamtüberlebenszeit ist nicht gesichert. Doxorubicin, ein Chemotherapeutikum aus der Gruppe der Anthracycline, konnte bereits erfolgreich in der Therapie von Lymphomen, Leukämien und soliden Tumoren eingesetzt werden, meist in Kombination mit anderen Zytostatika (z.B. CHOP-Schema). Der therapeutische Einsatz wird jedoch aufgrund von Kardiotoxizität und emetogener Wirkung stark eingeschränkt. Liposomal verkapseltes Doxorubicin (Caelyx) bietet aufgrund schwächerer Toxizität und günstigerem Wirkungsprofil eine erfolgversprechende Therapiealternative zu herkömmlichem Doxorubicin. Erste Studien zeigen erfolgversprechende Therapieergebnisse bei mit Caelyx therapierten Patienten mit Mycosis fungoides. Diese Beobachtungen gilt es an einem größeren Patientenkollektiv zu verifizieren.
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Ausblick
Es steht außer Frage, dass sich die Behandlung des Melanoms in den nächsten Jahren deutlich verändern wird. Die grundlagenwissenschaftliche und translationale Forschung hat bahnbrechende Erkenntnisse zu den Ursachen und Mechanismen der Entwicklung des Melanoms erbracht. Das Verständnis für die Entstehung dieses Tumors ist durch moderne biochemische und molekulare Techniken differenzierter geworden. Eine zielgerichte und individualisierte Therapie ist das Ziel der Krebsbehandlung von morgen: Nicht mehr jeder Patient erhält die gleiche Medikation, sondern man wählt – abhängig von molekularen Parametern der Erkrankung – eine von mehreren möglichen Behandlungsoptionen aus.

Prätherapeutische Chemosensitivitätstestung
Ein Prinzip einer individualisierten Therapie soll in einer Studie, die von der ADO zusammen mit der interdisziplinären Arbeitsgruppe ‚Malignes Melanom’ der Deutschen Krebsgesellschaft durchgeführt werden soll, überprüft werden. Die Studie steht unmittelbar vor der Aktivierung.
Die Auswahl eines Zytostatikums oder einer Zytostatikakombination zur individuellen Behandlungsplanung erfolgt in der Regel willkürlich; da derzeit keine prädiktiven Marker des Therapie-Outcomes bekannt sind. Im Rahmen einer multizentrischen einarmigen Phase-II-Studie der ADO wurden 57 Patienten mittels einer individualisierten Chemotherapie nach prätherapeutisch erstelltem Chemosensitivitätsprofil behandelt. Die Substanzkombination mit dem besten individuellen Chemosensitivitätsindex wurde für die anschließende Behandlung des Patienten eingesetzt. Als am häufigsten verwendete Kombinationen ergaben sich Gemcitabin + Treosulfan, Paclitaxel + Cisplatin, Paclitaxel + Doxorubicin sowie Gemcitabin + Cisplatin. Die 53 nach Protokoll auswertbaren Patienten ließen sich in eine „chemosensitive“ und eine „chemoresistente“ Gruppe unterteilen. Die „chemosensitive“ Patientengruppe zeigte im Vergleich zur „chemoresistenten“ Gruppe eine erhöhte Therapieansprechrate sowie ein verlängertes Gesamtüberleben. Die nun geplante Phase-III-Studie (Titel: Prospektiv randomisierte Überprüfung des prätherapeutisch bestimmten Chemosensitivitätsindex (BICSI) als prädiktivem Marker des Therapieoutcome einer individualisierten Chemotherapie im Vergleich zu einer Monochemotherapie mit DTIC beim nicht-chemotherapeutisch vorbehandelten fernmetastasierten Melanom AJCC Stadium IV, Studienleitung: PD Dr. Selma Ugurel, Mannheim) soll überprüfen, ob eine individualisierte Chemotherapie nach Sensitivitätsprofil einer Monochemotherapie mit DTIC überlegen ist.

„Targeted therapy“
Die bisherige ‚Standard’-Therapie des inoperablen, metastasierten Melanoms basiert im Wesentlichen auf zytotoxischen und zytostatischen Substanzen. Diese Substanzen, die – relativ unselektiv – auf alle proliferierenden Zellen wirken, haben zwar die Heilungs- und Überlebensraten einiger malignen Erkrankungen wesentlich verbessert, bei der Behandlung des Melanoms aber weitgehend enttäuscht. Die zunehmende Aufklärung der molekularen Pathogenese maligner Erkrankungen und differenzierte Analysen der verschiedenen Signal- und Regulationswege innerhalb und außerhalb der malignen Zelle sowie Untersuchung der an der Tumorentstehung beteiligten Strukturen brachte neue, relativ spezifische Ansatzpunkte, um in den malignen Prozess einzugreifen. Diese neuen Therapeutika geben Anlass zu der Hoffnung, dass durch ihren Einsatz eine Verbesserung der Prognose des Melanoms erreicht werden kann. Allerdings stehen aktuell die klinischen Forschungen erst am Beginn und es muss sich zeigen, ob die ‚targeted therapy’ die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann.
Die Antworten auf diese Frage können nur aus der Klinik kommen, daher ist es von größter Bedeutung, dass die neuen Konzepte rasch ihren Weg von „bench to bedside“ finden und dort in kontrollierter Weise, d.h. in Form von klinischen Studien evaluiert werden. Die Arbeitsgemeinschaft dermatologische Onkologie (ADO) dient dieser Aufgabe, indem sie in enger Kooperation mit der forschenden pharmazeutischen Industrie entsprechende klinische Studien der Phase I bis III durchführt. Aktuell werden Multikinase-Inhibitoren (u.a. Sorafenib), Histondeactylase-Inhibitoren (u.a. SAHA, FK228), immunmodulierende Strategien (u.a. CTLA-4 Blockade, Toll-like-Rezeptor-Agonisten) und antiangiogene Substanzen (u.a. anti-VEGF-Antikörper, anti-Integrin-Antikörper) überprüft. Es ist wesentlich festzuhalten, dass eine hohe Dynamik mit Bezug auf die jeweils aktiven Studien besteht, so dass hier auf die Homepage der ADO (http://www.ado-homepage.de/) hingewiesen sei; dort können Informationen über aktuelle Therapieprotokolle sowie die in der ADO organisierten Kliniken abgerufen werden.

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