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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. Juli 2014 50 Jahre ASCO

Teil 1

Die 50. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) hatte zu ihrem runden Geburtstag mit mehreren Besonderheiten aufzuwarten. Für Hype und Hope sorgten die "Checkpoint-Inhibitoren", die bei verschiedenen Tumorentitäten eine überraschend hohe und lang anhaltende Wirkung demonstrieren konnten. Für viele Diskussionen gaben diesmal auch die in der Plenarsitzung vorgestellten Studien Anlass. Eine Besonderheit dieser Studien ist, dass alle „federal funded“ waren, worauf der diesjährige Kongresspräsident Clifford Hudis ausdrücklich hinwies. Die auf der Plenarsitzung präsentierte Phase-III-Studie zur Initialtherapie beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom, könnte zu einem Umdenken in der Praxis führen. Eine wichtige Frage zur Therapie mit Aromatasehemmern bei prämenopausalen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs beantwortete die Auswertung der Studien TEXT und SOFT. Unerwartet und enttäuschend war das Ergebnis der ALTTO-Studie - die doppelte HER2-Blockade mit Trastuzumab und Lapatinib führte im Vergleich zu Trastuzumab allein zu keiner Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens. Für Diskussionen sorgte eine CALBG-Studie, in der sich mit den Kombinationen Bevacizumab plus Chemotherapie und Cetuximab plus Chemotherapie kein Unterschied im Überleben bei Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom vom KRAS (exon2) Wildtyp zeigte. Eine Auswahl an Studien und Vorträgen stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor, ein zweiter Teil folgt in der nächsten Ausgabe. Weitere Artikel zum ASCO finden Sie außerdem online unter www.journalonko.de auf der Startseite.

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Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Initial Androgenentzug plus Docetaxel verspricht Überlebensvorteil

Die Hinzunahme von Docetaxel zur initialen Hormontherapie bei Männern mit metastasiertem, hormonsensitivem Prostatakarzionom verlängert signifikant das Überleben um etwa 13 Monate. Dies ist das Ergebnis der Phase-III-Studie E3805, die Christopher Sweeney vom Dana-Faber Cancer Institute in Boston auf der Plenarsitzung vorstellte. Der Überlebensvorteil war sogar noch größer für Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung.

In diese Studie des National Cancer Institute waren 790 Männer mit neu diagnostiziertem metastasierten Prostatakarzinom eingeschlossen, die in zwei Arme randomisiert wurden. Sie erhielten entweder eine alleinige Androgenentzugstherapie (ADT=androgen deprivation therapy) oder eine ADT plus maximal 6 Zyklen Docetaxel (75 mg/m2 q3w). Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Bei etwa zwei Drittel der Patienten war die Krankheit bereits weit fortgeschritten, d.h. sie hatten viszerale und/oder Knochenmetastasen zum Zeitpunkt der Diagnose. Von den Patienten aus der ADT + Docetaxel-Gruppe erhielten 45 zusätzlich Docetaxel bei Progression und 123 Patienten aus der ADT-Gruppe erhielten zusätzlich Docetaxel bei Verschlechterung.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 29 Monaten waren in der ADT-Gruppe 136 und in der ADT + Docetaxel-Gruppe 101 Todesfälle zu verzeichnen. Das mediane Gesamt-überleben lag in der ADT-Gruppe bei 44 Monaten und in der ADT + Docetaxel-Gruppe bei 57,6 Monaten (p=0,0006; HR 0,63). Der Überlebensvorteil durch die Hinzunahme von Docetaxel war in der Gruppe von Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung noch ausgeprägter (49,2 versus 32,2 Monate; p=0,0012; HR 0,62). Docetaxel verzögerte auch die Krankheitsprogression. Nach einem Jahr hatten aus der ADT-Gruppe 11,7% einen PSA unter 0,2 ng/ml und in der ADT + Docetaxel-Gruppe 22,7%. Die mediane Zeit bis zur Progression, definiert als neue Symptome oder Metastasen, betrug in der ADT-Gruppe 19,8 Monate und in der ADT + Docetaxel-Gruppe 32,7 Monate. Daten zur Lebensqualität werden noch analysiert und zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert, sagte Sweeney.

as

Abstract LBA2, ASCO 2014

 

Noch nicht androgenabladierte und somit also wohl kastrationssensitive metastasierte Prostatakarzinome werden in dieser Studie begleitend zum Androgenentzug chemotherapiert. Auf den ersten Blick mag man denken, dass die Ergebnisse dieser Studie keine rechte Relevanz für die breitere Praxis haben. Freilich hat die Vorsorgeuntersuchung das Spektrum der Patienten mit einem metastasierten Prostatakarzinom verändert. Die meisten sind dank der Vorbehandlung kastrationsrefraktär oder qualifizieren sich aufgrund des Alters und der Komorbiditäten nicht ohne Weiteres für eine Chemotherapie. Auf den zweiten Blick aber ist die Studie nur der logische Umkehrschluss der gängigen Praxis beim kastrationsrefraktären metastasierten Prostatakarzinom; die Weiterführung des Androgenentzugs während einer Taxantherapie ist Standard.

Warum hat dann noch niemand bisher diesen Ansatz verfolgt? Trotz Jahre der guten Erfahrung mit Taxanen? Vielleicht, weil man beim metastasierten Prostatakarzinom eher an eine Konsolidierung der Erkrankung gedacht, den Erfolg in der Erhaltung des status quo gesehen hat. Im Gegensatz zu sehr aggressiven metastasierten Malignomen, die man maximal angeht, geht es beim Prostatakarzinom nicht so sehr um die Remission der Metastasen. Die erreicht man maximal mit der Kombination der Ansätze. Aber man hatte vielleicht eher die Absicht, sich die unterschiedlichen Ansätze für eine Sequenztherapie aufzuheben, was bei der oftmals langen Überlebensdauer auch naheliegt.

Die Ergebnisse diese Studie aber zeigen nun, dass man das metastasierte Prostatakarzinom so effektiv angehen sollte, wie es der Moment erlaubt. Und dies also in Analogie zu den genannten 
aggressiveren Malignomen.

Und würde man sich dadurch die Sequenztherapie für das kastrationsrefraktäre Stadium nehmen? In den Zeiten der sekundären Androgenmanipulation werden die bisherigen Sequenzen wohl überdacht und der Spielraum größer werden. Taxan nach Taxan bei initial gutem Ansprechen und einer Remission wird auch jetzt schon propagiert.

Von daher hat die Studie wohl eine Relevanz - auch für die breitere zukünftige Praxis. Wir sollten nämlich vielleicht erwägen, in Studien das metastasierte Prostatakarzinom allgemein "aggressiver" anzugehen, nicht nur im hier untersuchten Patientengut.

Prof. Maximillian Burger, Regensburg

 Den 2. Teil "50 Jahre ASCO" lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


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