Mittwoch, 22. Mai 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. November 2014 Editorial

Anzeige:
 

Fortschritte in der Onkologie vollziehen sich in unterschiedlicher Weise. Der Beginn von Fortschritt kann die Benennung eines zu wenig beachteten aber klinisch relevanten Problems sein. Der Beitrag von Weis und Bartsch über kognitive Leistungseinschränkungen infolge adjuvanter onkologischer Therapien, die nicht das zentrale Nervensystem als Zielorgan betreffen, ist ein gutes Beispiel dafür. Haben wir uns bislang ausreichend Gedanken dazu gemacht, welche langfristigen Gedächtnis-, Konzentrations- oder Affektstörungen auf dem Boden adjuvanter Chemotherapie, z.B. zur Behandlung des Mammakarzinoms entstehen? Ganz offensichtlich müssen wir auf diesem Gebiet dazulernen, sowohl im pathophysiologischen Verständnis als auch in der Definition besonderer Risikofaktoren und bei der Entwicklung effektiver Behandlungsstrategien.

Zum Fortschritt führt es hoffentlich auch, wenn benannt wird, wo bestehendes und gesichertes Wissen nicht ausreichend in die Praxis übertragen wird. Das Skelett ist das am häufigsten von Metastasen betroffene Organsystem bei malignen Erkrankungen des Menschen. Knochenmetastasen können zu gravierender Beeinträchtigung der Mobilität, Schmerzen und schwerer Minderung der Lebensqualität beitragen. Die leitliniengerechte osteoprotektive Behandlung von Knochenmetastasen scheint nach einer Analyse des Versorgungsalltags in Deutschland, die Diel et al. vorstellen, dennoch nicht konsistent umgesetzt. Während beim Mammakarzinom eine insgesamt zufriedenstellende Implementierung Leitlinien-gerechter Therapien in den Praxisalltag beobachtet wurde, scheint die Versorgung von Patienten mit ossär metastasiertem Prostatakarzinom nicht überall auf einem ausreichenden Qualitätslevel angekommen zu sein. Es ist zu hoffen, dass die Kenntlichmachung eines möglichen Versorgungsdefizits den Beginn von Verbesserungen markiert.

Das Magenkarzinom war in den vergangenen Jahren wiederholt Thema, wenn es um die Implementierung multidisziplinärer Versorgungsqualität und um positive Entwicklungen in der medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlung ging. Zu den jüngst erzielten Fortschritten tragen die Schaffung Evidenz-basierter interdisziplinärer Leitlinien sowie tiefere Einblicke in die Entstehungsursachen und Biologie der Erkrankung bei. Die beiden Beiträge in diesem Heft stellen die multidisziplinäre State-of-the-Art Behandlung dar und geben Ausblicke auf aktuelle und zukünftig zu erwartende Fortschritte in der medikamentösen Tumorbehandlung.

Ich wünsche allen Lesern einen wertvollen Wissenszuwachs durch die sehr interessanten Beiträge dieses Hefts.

Ihr
Prof. Dr. med. Florian Lordick,
Universitätsklinikum Leipzig


Das könnte Sie auch interessieren

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen
© pathdoc / Fotolia.com

„Ich hatte große Träume für mein Leben, jetzt denke ich oft viel, viel kurzfristiger“, sagt die 25-jährige Studentin Mia*, die vor anderthalb Jahren an Krebs erkrankte. Nach der Diagnose musste sie ihr Studium unterbrechen, ihre Familienplanung in Frage stellen und auch mit ihrem Freundeskreis einen neuen Umgang finden. Sie ist eine von rund 15.000 jungen Menschen, die jährlich im Alter von 18 bis 39 Jahren die Diagnose Krebs erhalten.

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe
© www.psyche-hilft-koerper.de

Die Website „psyche-hilft-koerper.de“ ermöglicht es, über eine Postleitzahl-Suche Psychoonkologen in der Region, in der man lebt, zu finden. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Patienten u. a. dabei, ihre Krebserkrankung zu verarbeiten, das seelische Befinden zu verbessern sowie körperliche Ressourcen zu stärken (1). Novartis Oncology hat sich nicht nur der Entwicklung innovativer Arzneimittel verpflichtet, sondern möchte durch Initiativen...

Kürzlich angesehene Inhalte

Krebstherapie-Nebenwirkungen wirksam bekämpfen, Patienten unterstützen – Bundesweit gültige Leitlinie verabschiedet

Krebstherapie-Nebenwirkungen wirksam bekämpfen, Patienten unterstützen – Bundesweit gültige Leitlinie verabschiedet
© vitanovski / Fotolia.com

Etwa eine halbe Millionen Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs. Für viele ist die Behandlung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen. Doch längst gibt es wirksame Therapien, um Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen besser in den Griff zu bekommen. Die so genannten unterstützenden oder Supportiven Therapien haben in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung genommen.

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt...

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Editorial"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.