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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. November 2014 Editorial

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Fortschritte in der Onkologie vollziehen sich in unterschiedlicher Weise. Der Beginn von Fortschritt kann die Benennung eines zu wenig beachteten aber klinisch relevanten Problems sein. Der Beitrag von Weis und Bartsch über kognitive Leistungseinschränkungen infolge adjuvanter onkologischer Therapien, die nicht das zentrale Nervensystem als Zielorgan betreffen, ist ein gutes Beispiel dafür. Haben wir uns bislang ausreichend Gedanken dazu gemacht, welche langfristigen Gedächtnis-, Konzentrations- oder Affektstörungen auf dem Boden adjuvanter Chemotherapie, z.B. zur Behandlung des Mammakarzinoms entstehen? Ganz offensichtlich müssen wir auf diesem Gebiet dazulernen, sowohl im pathophysiologischen Verständnis als auch in der Definition besonderer Risikofaktoren und bei der Entwicklung effektiver Behandlungsstrategien.

Zum Fortschritt führt es hoffentlich auch, wenn benannt wird, wo bestehendes und gesichertes Wissen nicht ausreichend in die Praxis übertragen wird. Das Skelett ist das am häufigsten von Metastasen betroffene Organsystem bei malignen Erkrankungen des Menschen. Knochenmetastasen können zu gravierender Beeinträchtigung der Mobilität, Schmerzen und schwerer Minderung der Lebensqualität beitragen. Die leitliniengerechte osteoprotektive Behandlung von Knochenmetastasen scheint nach einer Analyse des Versorgungsalltags in Deutschland, die Diel et al. vorstellen, dennoch nicht konsistent umgesetzt. Während beim Mammakarzinom eine insgesamt zufriedenstellende Implementierung Leitlinien-gerechter Therapien in den Praxisalltag beobachtet wurde, scheint die Versorgung von Patienten mit ossär metastasiertem Prostatakarzinom nicht überall auf einem ausreichenden Qualitätslevel angekommen zu sein. Es ist zu hoffen, dass die Kenntlichmachung eines möglichen Versorgungsdefizits den Beginn von Verbesserungen markiert.

Das Magenkarzinom war in den vergangenen Jahren wiederholt Thema, wenn es um die Implementierung multidisziplinärer Versorgungsqualität und um positive Entwicklungen in der medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlung ging. Zu den jüngst erzielten Fortschritten tragen die Schaffung Evidenz-basierter interdisziplinärer Leitlinien sowie tiefere Einblicke in die Entstehungsursachen und Biologie der Erkrankung bei. Die beiden Beiträge in diesem Heft stellen die multidisziplinäre State-of-the-Art Behandlung dar und geben Ausblicke auf aktuelle und zukünftig zu erwartende Fortschritte in der medikamentösen Tumorbehandlung.

Ich wünsche allen Lesern einen wertvollen Wissenszuwachs durch die sehr interessanten Beiträge dieses Hefts.

Ihr
Prof. Dr. med. Florian Lordick,
Universitätsklinikum Leipzig


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