Sonntag, 25. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2018
Seite 1/4
Update 2018 – Medikamentöse Therapie des mCRPC

M. Grabbert, M. Schmautz, F. Haidl, D. Pfister, A. Heidenreich. Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Universitätsklinikum Köln

Alleine durch die große Anzahl an betroffenen Patienten gebührt der Therapie des Prostatakarzinoms eine hohe inhaltliche sowie auch wirtschaftliche Bedeutung. Die Prognose des Prostatakarzinoms hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert, v.a. durch eine verbesserte Früherkennung und der daraus resultierenden Erkennung des Prostatakarzinoms in frühen – nicht lokal fortgeschrittenen oder metastasierten – und damit kurativ therapierbaren Stadien. Jedoch verstarben im Jahr 2012 etwa 13.000 Männer in Deutschland an einem Prostatakarzinom (1), sodass auch die Therapieoptionen beim lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom einer ständigen Weiterentwicklung unterliegen. Die aktuellen medikamentösen Therapieoptionen beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) sollen im Folgenden übersichtlich dargestellt werden und ein besonderes Augenmerk auf neue Therapieoptionen und Daten zu einer möglichen Sequenz der verschiedenen Therapieoptionen in der multimodalen Therapie von Patienten mit mCRPC gelegt werden.
Anzeige:
Definition mCRPC
 
Das mCRPC ist in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie definiert als Anstieg des PSA (Prostata-spezifisches Antigen)-Werts (definiert als 3 konsekutive Anstiege im Abstand von mind. einer Woche von 50% über den Nadir und einem PSA-Wert > 2 ng/ml) oder dem Auftreten radiologischer Anzeichen auf eine Progression (2) der Erkrankung (mind. 2 neue Knochenmetastasen in der Skelettszintigraphie oder das Auftreten von Weichteilmetastasen > 2 cm nach RECIST 1.1) unter laufender Hormontherapie bei einem Serum-Testosteronlevel von < 50 ng/dl bzw. < 1,7 nmol/l (3).
 
Für das mCRPC war die Chemotherapie mit Docetaxel seit der TAX327-Studie im Jahre 2004 (4) lange Zeit der Therapiestandard mit nachgewiesenem Überlebensvorteil, allerdings wurden in den letzten Jahren einige neue Substanzen zugelassen, deren Wirksamkeit sowie deren sinnvolle Therapiesequenz aktuell in Studien untersucht werden.
 

Erstlinientherapie
 
Docetaxel
 
Seit 2004 ist Docetaxel in Kombination mit Prednison als Standard-Erstlinientherapie beim mCRPC zugelassen. Zur Zulassung führten die Ergebnisse der prospektiv randomisierten TAX-327-Studie (Tab. 1), die an 1.006 Patienten einen signifikanten Überlebensvorteil von Docetaxel gegenüber Mitoxantron nachweisen konnten. So zeigte Docetaxel in der Dosis 75 mg/m2 alle 3 Wochen (+ 5 mg Prednison 2x täglich) einen medianen Überlebensvorteil von 19,2 Monaten vs. 16,3 Monaten gegenüber Mitoxantron sowie eine 3-Jahres-Überlebensrate von 18,6% gegenüber 13,5% (5). Es konnte zudem bei Patienten mit einer erhöhten Nebenwirkungsrate aktuell gezeigt werden, dass eine wöchentliche Gabe mit entsprechender Dosisreduktion auf 35 mg/m2 der klassischen Therapie bzgl. des Gesamtüberlebens (OS) nach einem Jahr nicht unterlegen ist (6). Nach gutem primären Ansprechen kann bei Patienten mit erneut progredientem mCRPC auch eine Docetaxel-Rechallenge erwogen werden, wobei eine sorgfältige Patientenselektion erfolgen und die kumulative Toxizität beachtet werden muss (7). Eine aktuelle Arbeit konnte z.B. zeigen, dass Patienten mit einem therapiefreien Intervall von mind. 3 Monaten besonders von einer erneuten Applikation profitierten (8).
 
Tab. 1: Erstlinientherapie des mCRPC.
Studie Therapie Anzahl Medianes OS
(Monate)
p-Wert HR
TAX-327 Docetaxel
vs. Mitoxantron
n=1.006 19,2 vs. 16,3 p=0,004 0,70
COUGAR-302 Abirateron
vs. Placebo
n=1.088 34,7 vs. 30,3 p=0,0033 0,75
PREVAIL ENZA vs. Placebo n=1.715 35,3 vs. 31,3 n.a. 0,70
 
 
 
Abirateronacetat
 
Seit 2013 durch die EMA zugelassen, stellt Abirateron (AA) (+ Prednison, P) einen wichtigen Baustein in der Erstlinientherapie des mCRPC dar. Die Ergebnisse der COUGAR-302-Studie, die zur Zulassung führten, zeigten in der finalen Analyse bei einem medianen Follow-up von 49,2 Monaten ein signifikant höheres OS für AA (1.000 mg/d, + 2x 5 mg P/d) gegenüber der Placebo-Gruppe (34,7 Monate vs. 30,3 Monate; p=0,0033). Als CYP17A1-Inhibitor beeinflusst AA über die 17a-Hydroxylase und die 17, 20-Lyase nicht nur die Androgen-Biosynthese, sondern erhöht als unerwünschte Wirkung auch die Synthese von Mineralkortikoiden. Aus diesem Grund muss neben der monatlichen Kontrolle der Leberenzyme auf eine regelmäßige Einnahme von niedrig dosiertem P (5 mg 2x/d) geachtet werden, um Nebeneffekte wie arteriellen Hypertonus, Hypokaliämie und Wasserretention zu vermeiden (9).
 
 
Enzalutamid
 
Als Zweitgenerations-Androgenrezeptorblocker wurde Enzalutamid (ENZA) nach Veröffentlichung der Ergebnisse der PREVAIL-Studie 2014 in der Erstlinientherapie zugelassen. Es zeigte sich ein medianes OS von 35,3 Monaten im ENZA-Arm (n=626) gegenüber 31,3 Monaten in der Placebo-Gruppe (n=523) (10). Ergänzend zeigen die Ergebnisse der Phase-II-Studie TERRAIN für Patienten mit asymptomatischem oder minimal symptomatischem mCRPC einen deutlichen Vorteil bezüglich des progressionsfreien Überlebens (PFS) sowie ein signifikant geringeres Nebenwirkungsprofil für ENZA gegenüber der Einnahme des Erstgenerations-Androgenrezeptorblockers Bicalutamid (11).
 
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen außerhalb des „Screening-Alters“...

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?
© Fotolia / psdesign1

Die Versorgung von krebskranken Menschen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden und individueller Therapien verändert die onkologische Medizin, wie wir sie bisher kennen. Das jüngst gewonnene Wissen über den Krebs und seine molekularbiologische Vielfalt verlangt nach neuen Antworten. In dem vom amerikanischen Biomediziner Leroy Hood geprägten Konzept der P4-Medizin wird die mögliche Krebstherapie der Zukunft...

Kürzlich angesehene Inhalte

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Sonnensünden kommen erst nach Jahrzehnten ans Tageslicht

Sonnensünden kommen erst nach Jahrzehnten ans Tageslicht
© NCT/UCC/Philip Benjamin

Die moderne Krebsmedizin hat bei der Behandlung von Tumorerkrankungen in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt. Das gilt insbesondere auch für Hautkrebs, der durch ein Übermaß an UV-Strahlung ausgelöst wird. Die Hautkrebszahlen steigen. Auch das Dresdner Hauttumorzentrum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) verzeichnet kontinuierlich mehr Hautkrebspatienten – darunter viele Patienten mit fortgeschrittenen Hauttumoren. Bereits...

8. Krebsaktionstag – Gemeinsam gegen Krebs

8. Krebsaktionstag – Gemeinsam gegen Krebs
© Olivier Le Moal / Fotolia.com

Der Krebsaktionstag findet alle zwei Jahre am letzten Kongresstag des Deutschen Krebskongresses in Berlin statt und wird von der Stiftung Deutsche Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Berliner Krebsgesellschaft e. V. organisiert. Krebsexperten treffen, Wissen erweitern, Selbsthilfegruppen kennenlernen: Der 8. Krebsaktionstag bietet Ihnen aktuellste Informationen rund um das Thema Krebs. Betroffene, Angehörige und Interessierte sind herzlich eingeladen, an der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Update 2018 – Medikamentöse Therapie des mCRPC"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren