20. Juli 2012

Ergebnisse der Studie LUX-Lung 3 – Afatinib verzögert Tumorprogression

ASCO 2012 – Lungenkrebs

Ausgabe 06 / 2012

Die Phase-III-Studie LUX-Lung 3 ergab, dass Patienten mit Lungenkarzinom, die den irreversiblen ErbB-Family-Blocker Afatinib als Erstlinientherapie erhielten, fast ein Jahr ohne Fortschreiten der Erkrankung blieben (medianes progressionsfreies Überleben (PFS) 11,1 Monate) gegenüber knapp über einem halben Jahr (PFS 6,9 Monate) in der Gruppe, die eine konventionelle Chemotherapie mit Pemetrexed/Cisplatin erhielt (1).

Besonders hervorzuheben sind Patienten mit den häufigsten EGFR-Mutationen (del19 und L858R), die zusammen mehr als 90% aller Mutationen ausmachen. Hier blieben Patienten, die mit Afatinib behandelt wurden, für deutlich über ein Jahr progressionsfrei (PFS 13,6 Monate) gegenüber etwa einem halben Jahr (PFS 6,9 Monate) in der Vergleichsgruppe. „LUX-Lung 3 erreichte nicht nur das primäre Studienziel, sondern zeigte auch, dass Afatinib – insbesondere bei Patienten mit den häufigsten EGFR-Mutationen – die progressionsfreie Überlebenszeit im Vergleich zur Chemotherapie fast verdoppelte”, kommentierte der Studienleiter, James Chih-Hsin Yang, Direktor des Krebsforschungszentrums an der Medizinischen Hochschule der Nationalen Universität von Taiwan in Taipei. „Auf Basis dieser Ergebnisse und seines neuartigen Wirkmechanismus könnte Afatinib zu einer der aussichtsreichsten Therapieoptionen bei dieser klar definierten Patientenpopulation werden.“

Die Verzögerung der Tumorprogression in der Afatinib-Gruppe ging einher mit einer Verbesserung von erkrankungsassoziierten Symptomen wie Dyspnoe und Schmerzen im Brustbereich bei mehr Patienten als in der Kontrollgruppe. Zudem verzögerte Afatinib das Auftreten dieser Symptome.

Die Erhebung der Lebensqualität mit einem Standardfragebogen für Patienten mit Lungenkrebs ergab, dass die Afatinib-Therapie mit einer signifikant besseren Lebensqualität (z.B. in Bezug auf die Arbeit oder alltägliche häusliche Aktivitäten) einherging als die Vergleichstherapie.

Die häufigsten Nebenwirkungen, die unter Afatinib beobachtet wurden, waren Diarrhoe und Hautreaktionen. Diese unerwünschten Wirkungen entsprachen dem erwarteten Nebenwirkungsprofil bei Therapie mit einem EGFR-Hemmer, blieben konsistent mit vorangegangenen Studien und waren vorhersehbar, beherrschbar und reversibel. Sie führten nur in wenigen Fällen zum Abbruch der Behandlung.

Afatinib unterscheidet sich von anderen, bereits zugelassenen EGFR-Inhibitoren indem es die Rezeptorkinasen der ErbB-Family irreversibel blockiert – d.h. nicht nur EGFR (ErbB1), sondern auch die anderen relevanten Rezeptorkinasen der ErbB-Family. Sie alle können in Signalwege involviert sein, die das Wachstum, die Streuung und den Stoffwechsel der Tumorzellen fördern.

Litearaturhinweis:
(1) ASCO 2012. http://abstract.asco.org/AbstView_114_91942.html. Abstract #LBA7500.