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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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19. Dezember 2011

Update Bronchialkarzinom 2011

Achim Rittmeyer, Pneumologische Onkologie, Lungenfachklinik Immenhausen.

Dieses Jahr gab es gleich drei große Kongresse mit bedeutsamen Veröffentlichungen zum Thema Lungenkrebs, die wie meistens fast ausschließlich das NSCLC betrafen. Es lassen sich drei größere Themenkomplexe herauskristallisieren, die jeweils als eigene Abschnitte erläutert werden sollen: EGFR als Ziel von Therapien, Erhaltungstherapie und andere neue Medikamente, die in unterschiedlichen Phasen getestet wurden. Darüber hinaus sollen zwei Publikationen zur Früherkennung von Lungenkrebs und der Einteilung der Adenokarzinome, die bereits im aktuellen Jahr zu erheblichen Diskussionen geführt haben, kurz vorgestellt und kommentiert werden.
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EGFR als Ziel von Therapien

EURTAC: In dieser Studie wurden erstmals „kaukasische“ Patienten mit metastasiertem NSCLC und Nachweis einer aktivierenden EGFR-Mutation in der Erstlinie randomisiert mit Erlotinib oder Chemotherapie behandelt [1]. Bislang gab es vergleichbare Studien nur an asiatischen Patienten, zwei mit Gefitinib [2, 3] und eine mit Erlotinib [4]. Patienten mit einer Exon-19-Deletion oder einer Exon-21-Punktmutation L585R erhielten entweder 150 mg Erlotinib täglich bis zum Progress oder maximal vier Zyklen einer Chemotherapie (mögliche Kombinationen: Cisplatin 75 mg/m2 entweder mit Gemcitabin 1.250 mg/m2 d1,8 oder Docetaxel 75 mg/m2 d1 kombiniert oder Carboplatin AUC 6 d1 mit Docetaxel 75 mg/m2 d1 oder Carboplatin AUC 5 mit Gemcitabin 1.000 mg/m2). Es zeigte sich ein Vorteil für die Erlotinib-Therapie hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens (PFS) mit 9,7 vs. 5,2 Monaten bei Chemotherapie und des objektiven Ansprechens (ORR) mit 58% für Erlotinib und 15% für die Chemotherapie. Unverständlich bleibt, warum die Kombination Pemetrexed/Cisplatin nicht getestet wurde oder wenigstens die Möglichkeit einer Erhaltungstherapie im Chemotherapiearm eingeräumt wurde, da nur vier Zyklen Chemotherapie – davon eine Kombination mit sehr niedriger Dosierung – nicht unbedingt als Therapiestandard für alle Patienten angesehen werden kann, insbesondere bei gutem Ansprechen auf Chemotherapie. Hierfür wirkt das PFS im Chemotherapiearm sogar relativ gut vor allem in Anbetracht der angegebenen Ansprechrate. Auch bleiben die Zahlen für die Erlotinib-Therapie hinter den Erwartungen zurück. Die Ansprechrate und das PFS für Erlotinib lagen in der OPTIMAL-Studie bei asiatischen Patienten mit 83% (ORR) und 13,1 Monaten (PFS) deutlich höher. Galt bislang die Vermutung, dass „kaukasische“ Patienten mit einer aktivierenden EGFR-Mutation ähnlich gut auf eine Therapie mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) ansprechen würden wie asiatische, muss diese Einschätzung jetzt wohl revidiert werden. Wie bei allen Labortests führt vermutlich auch bei der EGFR-Mutationsanalyse eine niedrigere Prätestwahrscheinlichkeit (in diesem Fall die geringere Mutationsrate in der „kaukasischen“ Bevölkerung) zu einem niedrigeren positiv prädiktiven Wert (Ansprechrate auf TKI). Die Daten aller vier Studien, in denen TKI prospektiv gegen Chemotherapie bei EGFR-mutierten Patienten in der Erstlinientherapie getestet wurden, werden in Tabelle 1 gegenübergestellt. Allen vier Studien ist gemeinsam, dass kein cross-over vorgesehen wurde, so dass Zahlen zu PFS und Lebensqualität in der Zweitlinientherapie nicht ermittelt wurden. Dies erscheint unverständlich, handelt es sich doch bei TKI und Platin-basierter Chemotherapie um stark unterschiedliche Therapieansätze.

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Tab. 1: Progressonsfreies Überleben (PFS) und objektive Ansprechrate (ORR) der vier Studien, die bei EGFR-mutierten Patienten in der Erstlinientherapie einen Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) gegen eine Chemotherapie (CTx) getestet haben.


INFORM: Hierbei handelt es sich um eine weitere „Switch-Maintenance“-Studie, da Gefitinib aber an der Tyrosinkinase des EGF-Rezeptors angreift, soll die Studie an dieser Stelle besprochen werden [5]. Das Design entspricht im Wesentlichen der SATURN-Studie, die mit Erlotinib durchgeführt worden war [6]. In der INFORM-Studie erhielten 296 ausschließlich asiatische Patienten (SATURN 889 Patienten, davon 14,6% asiatisch), die nach vier Zyklen Chemotherapie keinen Progress zeigten, randomisiert entweder 250 mg Gefitinib oder Placebo jeweils bis zum Progress. Obwohl die SATURN-Daten bereits 2009 beim ASCO-Meeting vorgestellt wurde, war bei knapp 50% der Patienten der EGFR-Mutationsstatus bekannt. In der INFORM-Studie war der Mutationsstatus nur bei 26,7% der Patienten bekannt. Die vorgestellten Daten zeigten einen Vorteil hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens bei Erhaltungstherapie mit Gefitinib sowohl bei Nachweis einer EGFR-Mutation als auch bei unbekanntem Mutationsstatus. Bei den 49 (16,6%) Patienten mit EGFR-Wildtyp zeigte sich eine Verkürzung des PFS. Obwohl 100% der Patienten Asiaten waren und 54% der Patienten nie geraucht hatten, konnte die INFORM-Studie kein verlängertes medianes Gesamtüberleben nachweisen. In der SATURN-Studie war ein Überlebensvorteil für die Erhaltungstherapie mit Erlotinib sowohl im gesamten Patientenkollektiv als auch in der EGFR-Wildtyp-Kohorte nachgewiesen worden. Wie bei allen bislang veröffentlichten „Switch-Maintenance“-Studien fehlt auch bei der INFORM-Studie der Nachweis, dass die vorgezogene Zweitlinientherapie durch Wechsel von der Erstlinie zur Erhaltungstherapie mit einem zweiten Medikament günstiger für die Patienten ist als eine Behandlung mit dem getesteten Medikament, die erst bei Nachweis eines Progresses begonnen wird (Standard-Zweitlinientherapie).

Afatinib ist der Wirkstoffname eines Medikaments, das bereits in mehreren Studien als BIBW 2992 getestet wurde. Yamamoto stellte dieses Jahr beim ASCO eine Studie mit 62 japanischen Patienten, die mit mindestens einer Chemotherapie und mindestens 12 Wochen Gefitinib oder Erlotinib vorbehandelt worden waren. Bei unabhängiger Auswertung des Ansprechens konnte noch bei 8,2% der Patienten ein objektives Ansprechen und ein progressionsfreies Überleben von 4,4 Monaten erreicht werden [7].

FLEX: Drei Jahre nach der ersten Veröffentlichung der FLEX-Daten [8, 9] und zwei Jahre nach der Veröffentlichung der Biomarkeranalysen der FLEX-Studie [10, 11] wurde nun beim WCLC von Pirker erneut ein weiterer Marker analysiert [12]. Es wurde ein Score der EGFR-positiven Zellen in der Immunhistochemie abhängig von der Zahl der positiven Zellen und der Stärke der Expression mit Werten zwischen 0 und 300 gebildet und der Wert 200 als Cut-off benutzt. Patienten mit einem Wert über 200, also mit einer starken Expression von EGFR in der Mehrzahl der ausgezählten Zellen, zeigten unabhängig von der Histologie ein signifikant besseres Überleben: Bei Plattenepithelkarzinomen (n=144 entspricht 12,8% der Pat. in der FLEX-Studie) waren es 11,2 vs. 8,9 Monate, bei Adenokarzinomen (n=135 entspricht 12,0% der Pat. in der FLEX-Studie) 20,2 vs. 13,6 Monate. Auch ohne Differenzierung der Histologie zeigte sich eine Hazard Ratio von 0,77 (p=0,044). Bei der FLEX-Studie wurden insgesamt 1.125 Patienten eingeschlossen, die mindestens eine einzige EGFR-positive Zelle in der Immunhistochemie aufweisen konnten. Nach der jetzigen Veröffentlichung erscheint es möglich, dass ein immunhistochemischer „EGFR-Score“ von über 200, bei der allerdings 75,2% der Patienten aus der FLEX-Studie von einer Behandlung ausgeschlossen würden, als prädiktiver Parameter für den Einsatz von Cetuximab funktionieren könnte. Aus einer retrospektiven Auswertung drei Jahre später und nach zahllosen Subgruppenanalysen dürfen aber keine Empfehlungen für eine Therapieänderung abgeleitet werden, sondern hier sind nun mit der neuen Hypothese erneute prospektive Studien zu fordern. Insbesondere müssten diese Studien der geänderten Therapielage für nicht-plattenepitheliale NSCLC (nsNSCLC) Rechnung tragen und sich hiermit vergleichen.

PF299804: Hierbei handelt es sich um einen oralen Tyrosinkinase-Inhibitor, der gegen alle Tyrosinkinasen der HER-Rezeptor-Familie (EGFR, HER2 und 4) gerichtet ist. In der jetzt beim WCLC vorgestellten Phase-II-Studie wurde das Medikament bei 188 Patienten randomisiert gegen Erlotinib nach ein bis zwei vorangegangenen Chemotherapien getestet [13]. 25% der Patienten stammten aus Ostasien, jeweils 16% wiesen eine EGFR- oder eine KRAS-Mutation auf. Das PFS verlängerte sich durch PF299804 auf 12,4 vs. 8,3 Wochen unter Erlotinib (HR 0,66). Noch deutlicher wurde der Unterschied bei Patienten mit KRAS-Wildtyp. Hier verlängerte sich das PFS von 8,3 Wochen (Erlotinib) auf 16,1 Wochen (PF299804) (HR 0,50). Das mediane Gesamtüberleben wurde von 7,5 Monaten (Erlotinib) auf 9,7 Monate (PF299804) verlängert. Eine Phase-III-Studie mit dem Präparat in gleicher Indikation ist geplant.

Erhaltungstherapie

Die INFORM-Studie mit Gefitinib als so genannte „Switch-Maintenance“-Studie nach 4 Zyklen Platin-haltiger Chemotherapie wurde bereits unter dem Kapitel EGFR als Ziel von Therapien vorgestellt.

PARAMOUNT: Dies ist eine weitere Studie zur „Continuous-maintenance“ also einer echten Erhaltungstherapie, bei der ein Präparat, das bereits in der Erstlinientherapie eingesetzt wurde, weiter verabreicht wird. Im Rahmen der PARAMOUNT-Studie erhielten Patienten nach vier Zyklen Cisplatin/Pemetrexed, wenn sie keinen Progress zeigten, weiter alle drei Wochen bis zum Progress Pemetrexed mit 500 mg/m2 [14]. 939 Patienten erhielten eine Induktionstherapie mit Pemetrexed und Cisplatin, 539 Patienten erhielten nach 2:1 Randomisierung Pemetrexed oder Placebo. Das PFS verlängerte sich in der Pemetrexed-Gruppe bei unabhängiger radiologischer Auswertung von 2,6 auf 3,9 Monate (HR 0,64). Gerechnet ab Tag 1 der Erstlinientherapie verlängerte sich das PFS bei Erhaltungstherapie mit Pemetrexed von 5,6 auf 6,9 Monate (HR 0,59). Vergleicht man die Absolutwerte, so liegt das PFS bei Placebo-Gabe nach vier Zyklen Induktionstherapie auf einem hohen Niveau für Patienten mit nsNSCLC. Bei Erhaltungstherapie mit Pemetrexed wurden erstmals PFS-Werte auf einem Niveau erreicht, das man bislang nur von Patienten kannte, die Bevacizumab erhalten sollten. Für Bevacizumab galten in allen Studien aber sehr strenge Einschluss- und Ausschlusskriterien, so dass hier nur prognostisch relativ gute Patienten untersucht wurden und die absoluten Überlebens- und PFS-Werte immer höher lagen als bei nicht ausgewählten Patienten. Interessant sind in dieser Studie die Subgruppenanalysen. Neben den erwarteten besseren Werten für Geschlecht (Frauen günstiger als Männer), Performance Status (ECOG PS 0 besser als 1) und Rauchen (Nichtraucher günstiger als Raucher) zeigt sich erfreulicherweise ein sehr günstiges Abschneiden auch für Patienten, die älter sind als 70 Jahre (HR 0,34 vs. 0,69 bei jüngeren Patienten). Darüber hinaus konnte die Hazard Ratio für Patienten, die bei der Induktionstherapie eine Remission erzielten, auf 0,48 gegenüber 0,71 bei stabiler Erkrankung gesenkt werden.

AVAPERL: Diese Studie wurde beim diesjährigen EMCC vorgestellt und prüft ebenfalls eine echte Erhaltungstherapie („Continuous-Maintenance“). Die Patienten erhielten zunächst vier Zyklen Pemetrexed/Cisplatin/Bevacizumab und, sofern kein Progress vorlag, anschließend 1:1 randomisiert eine Erhaltungstherapie entweder mit Bevacizumab alleine oder Bevacizumab zusammen mit Pemetrexed [15]. 376 Patienten erhielten eine Induktionstherapie mit Pemetrexed, Bevacizumab und Cisplatin, 253 (67%) Patienten erhielten Erhaltungstherapie. Gerechnet ab Tag 1 der Erstlinientherapie verlängerte sich das PFS bei kombinierter Erhaltungstherapie (Bevacizumab + Pemetrexed) von 6,6 auf 10,2 Monate (HR 0,50). Bei Erhaltungstherapie mit Bevacizumab alleine wurde das für Patienten mit Bevacizumab erwartete PFS erreicht. Das mediane Gesamtüberleben in der Bevacizumab-Gruppe betrug 15,7 Monate, für die Kombinationsgruppe wurde der Median noch nicht erreicht. Bei der Subgruppenanalyse konnte die HR bei Erreichen einer Remission durch die Induktionstherapie auf 0,46 verglichen mit 0,64 bei stabiler Erkrankung gesenkt werden. Die PFS-Werte für Bevacizumab plus Pemetrexed wurden bislang in der Erstlinienchemotherapie des metastasierten nsNSCLC nicht erreicht. Zumindest bei „kaukasischen“ Patienten lässt sich auch bei Vorliegen einer aktivierenden EGFR-Mutation kein besseres progressionsfreies Überleben erreichen (EURTAC-Studie s. weiter oben). Nach den Daten der AVAPERL-Studie stellt sich die Frage, ob nicht bei Patienten, die für eine Bevacizumab-Therapie überhaupt in Frage kommen, die Therapie mit Pemetrexed/Cisplatin und Bevacizumab sowie anschließender Erhaltungstherapie mit Pemetrexed und Bevacizumab, unabhängig vom EGFR-Mutationsstatus, als bestmöglicher derzeitiger Therapiestandard in der Erstlinienbehandlung des nsNSCLC bei „kaukasischen“ Patienten anzusehen ist.

Fasst man die Daten und Subgruppenanalysen der großen Maintenance-Studien der letzten Jahre zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: Vorteile für einen Wechsel von der ersten Platin-basierten Chemotherapie hin zu einem anderen Medikament, der so genannten „Switch-Maintenance“, die inhaltlich eher einer frühen, vorgezogenen Zweitlinientherapie entspricht, zeigten sich dann, wenn die Patienten auf die Erstlinientherapie nur eine stabile Erkrankung zeigten. Bei gutem, objektivem Ansprechen scheint es dagegen von Vorteil zu sein, mit einer echten Erhaltungstherapie fortzufahren (Abb. 1 und 2).

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Abb. 1: Hazard Ratio (HR) für die beiden großen Studien zur sog.„Switch Maintenance“. Die HR ist jeweils für die Patienten, die in der Induktionstherapie „nur“ eine stabile Erkrankung (SD) erreicht haben, deutlich günstiger als für die Patienten, bei denen eine echte Remission erzielt werden konnte.

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Abb. 2: Hazard Ratio (HR) für die drei großen Studien zur echten Erhaltungstherapie. Die HR ist jeweils für die Patienten, die in der Induktionstherapie echte Remission erreicht haben, deutlich günstiger als für die Patienten, bei denen „nur“ eine stabile Erkrankung (SD) erzielt werden konnte.

Andere neue Medikamente

Met-Mab ein monoklonaler Antikörper gegen Met, den natürlichen Liganden des HGF-Rezeptors (Hepatozellulärer Wachstumsfaktor), wurde in einer Phase-II-Studie mit Erlotinib oder Placebo in der Zweitlinientherapie des NSCLC getestet [16]. Interessanterweise zeigte sich bei positivem immunhistochemischen Nachweis von Met im Tumorgewebe eine HR von 0,53, während bei fehlendem immunhistochemischen Nachweis die HR durch Zugabe von Met-Mab auf 1,82 anstieg. Eine Abhängigkeit vom EGFR-Mutationsstatus ließ sich nicht nachweisen. Weitere Studien, auch in der Erstlinientherapie, des NSCLC sind geplant, dabei soll auch der prädiktive Wert des immunhistochemischen Nachweises einer Met-Expression weiter überprüft werden.

Leider gab es auch in diesem Jahr wieder eine Reihe enttäuschter Hoffnungen. Stellvertretend sollen im Folgenden drei Beispiele genannt werden.

ASA404, ein „vascular disrupting agent“, ließ in einer Phase-II-Studie auf eine sehr gute Effektivität hoffen. In einer placebokontrollierten Phase-III-Studie an 1.254 Patienten in der Erstlinienbehandlung des metastasierten NSCLC in Kombination mit Paclitaxel/Carboplatin konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden [17].

Auch Aflibercept, eine Substanz, die in den VEGF-Pfad eingreift und als Pseudorezeptor („VEGF-Trap“) das VEGF abfängt, wurde in einer Phase-III-Studie an 913 Patienten getestet [18]. Die Substanz wurde placebokontrolliert mit Docetaxel in der Zweitlinientherapie des metastasierten NSCLC geprüft und konnte keinen Überlebensvorteil zeigen.

Dalotuzumab, ein weiterer Anti-IGFR1-Antikörper, wurde in einer Phase-I/II-Studie an 75 Patienten placebokontrolliert in der Zweitlinientherapie mit Erlotinib getestet [19]. Obwohl sich eine geringe Verlängerung des progressionsfreien Überlebens zeigte, war das Gesamtüberleben mit 6,9 vs. 14,5 Monaten weniger als halb so lang wie in der Placebogruppe, so dass die Substanz zumindest in dieser Kombination nicht weiter untersucht werden soll.

Abschließend sollen noch zwei Veröffentlichungen vorgestellt werden, die bereits im laufenden Jahr zu erheblichen Diskussionen geführt haben.

Früherkennung von Lungenkrebs

Erstmals konnte in einer großen Studie ein Überlebensvorteil für das Screening auf Lungenkrebs nachgewiesen werden [20]. 53.454 Probanden mit mindestens 30 Packyears, zwischen 55 und 74 Jahren alt, wurden randomisiert in drei aufeinander folgenden Jahren entweder einmal jährlich mit einem Röntgenbild der Lunge (n=26.732) oder einem Low-Dose-CT (n=26.722) untersucht. Anschließend folgte eine dreijährige Nachbeobachtung. Die Zahl der Toten durch Lungenkrebs betrug 309 in der Röntgen- und 247 (-20%) in der CT-Gruppe. Insgesamt starben 2.000 Menschen in der Röntgen- und 1.877 in der CT-Gruppe (-6,7%). Insbesondere diskutiert wurde die mit 96,4% in der Röntgen- und 94,5% in der CT-Gruppe sehr hohe Rate an falsch positiven Befunden, die weiter abgeklärt werden musste und eine Kooperation von Radiologen mit spezialisierten Zentren mit möglichst niedriger Komplikationsrate erforderlich machte. 302 Menschen mussten innerhalb des Screening-Programms untersucht werden, um einen Todesfall durch Lungenkrebs zu vermeiden (“number needed to screen“). Prinzipiell erweist sich eine Früherkennung von Lungenkarzinomen also als möglich, zumindest in der untersuchten Gruppe s.o. Außerdem würde ein Screening der Gesamtbevölkerung zu erheblichen Kosten führen. Es wurde auch immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kosten einer Raucherentwöhnungsbehandlung um ein Vielfaches niedriger lägen, aber vermutlich wesentlich effektiver Lungenkrebstote vermeiden würden.

Vorschlag für die Klassifikation der Adenokarzinome der Lunge

Drei große Fachgesellschaften (IASLC, International association for the study of lung cancer/ATS, American thoracic society/ERS, European respiratory society) haben gemeinsam einen Vorschlag für eine multidisziplinär erarbeitete neue Einteilung der Adenokarzinome veröffentlicht [21]. Eine wesentliche Neuerung ist die Empfehlung, auf den Begriff des bronchioloalveolären Karzinoms zu verzichten und stattdessen nur noch den Begriff des Adenokarzinoms zu verwenden. Erst nachrangig sollen dann das Wachstumsmuster und die Invasivität erwähnt werden. Außerdem legt der Vorschlag getrennte Empfehlungen für die Einteilung von kleinen Biopsien oder zytologischen Proben vor. 70% der Bronchialkarzinome werden ausschließlich mit kleinen Biopsien oder zytologischen Proben diagnostiziert. Bei diesen Proben soll in Zukunft der Begriff des großzelligen Karzinoms und des Carcinoma in situ nicht mehr verwendet werden, das bronchioloalveoläre Karzinom soll auch hier nicht weiter verwendet werden. Das ehemals bronchioloalveoläre Wachstumsmuster wird ersetzt durch den Begriff „lepidisches“ Wachstum. Weiter empfiehlt die Expertengruppe, sowenig Gewebe wie möglich für immunhistochemische Untersuchungen zu verbrauchen, um Material für Molekularuntersuchungen zu sparen. Für morphologisch klare Adeno- oder Plattenepithelkarzinome soll möglichst gar keine immunhistochemische Untersuchung zusätzlich durchgeführt werden. Falls die Probe morphologisch nicht eindeutig eingeordnet werden kann, werden je ein Marker jeweils für Adeno- (TTF1) oder Plattenepithelkarzinom (p63 oder CK5/6) empfohlen, eventuell ergänzt durch eine Schleimfärbung (PAS). Weiter nicht einzuordnende Präparate sollen als NSCLC nos eingestuft werden. Wenn gleichzeitig zytologische Proben entnommen wurden, müssen auch diese zur morphologischen Einordnung herangezogen werden, so dass ein histologisches NSCLC nos mit zytologischem Nachweis von drüsigen Formationen als niedrig differenziertes Adenokarzinom eingestuft werden kann. Bereits bei der ersten Diagnose eines Lungenkarzinoms ist daher eine große Expertise in der Entnahme des zu untersuchenden Materials zu fordern, um zusätzliche immunhistochemische und molekularbiologische Untersuchungen zu ermöglichen. Eine qualifizierte klinisch-zytologische Untersuchung in der Abteilung, die das Material entnimmt und eine enge Kooperation von Pathologen und Klinikern werden immer wichtiger.

Fazit

Die Erhaltungstherapie erscheint mittlerweile bei Patienten im guten Allgemeinzustand als Therapiestandard. Dabei muss je nach Ansprechen auf die Erstlinientherapie entschieden werden, welche Form der „Maintenance-Therapie“ angewendet wird. Unsere Kenntnisse über Onkogene bei Lungenkrebs nehmen jedes Jahr zu. Am weitesten in die Routinediagnostik integriert ist die EGFR-Mutationsanalyse. Eine Behandlung mit einem Inhibitor der EGFR-Tyrosinkinase ist bei aktivierender Mutation sicher eine gute Option, allerdings nicht bei jedem Patienten zwangsläufig die beste Alternative. Bedauerlicherweise führt die enorme Zahl von Studien mit neuen Zielen der Therapie des Lungenkarzinoms nur zu einer sehr geringen Ausbeute an Substanzen für den klinischen Alltag. Eine Früherkennung kann, wenn auch mit erheblichem Aufwand, einen kleinen Teil der Todesfälle durch den Lungenkrebs verhindern. Mehr als 70% der Patienten mit einem Bronchialkarzinom werden aufgrund von kleinen Biopsien oder zytologischen Befunden behandelt. Hier ist eine einfachere Klassifikation als bei operativ entfernten Tumoren sinnvoll. Gleichzeitig muss bereits bei der Materialgewinnung berücksichtigt werden, dass in Zukunft die Zahl der therapeutisch relevanten Zusatzuntersuchungen eher zunehmen wird.

3 Dr. med. Achim Rittmeyer

Lungenfachklinik Immenhausen
Robert-Koch-Straße 3
34376 Immenhausen

Tel.: 05673/501317

Email: a.rittmeyer@lungenfachklinik-immenhausen.de

www.lungenfachklinik-immenhausen.de


Abstract

Achim Rittmeyer, Pneumologische Onkologie, Lungenfachklinik Immenhausen.

There have been three important meetings in 2011 with loads of important publications concerning lung cancer most of them as usual dealing with NSCLC. Three key issues can be summarized: EGFR as a target of lung cancer therapies, maintenance-therapy and other new drugs tested in different phases of drug-development. Furthermore there have been two full paper publications dealing with lung cancer screening and a new proposal for the classification of lung adenocarcinoma that have already led to a consider-able amount of discussion throughout the year and that shall be outlined and annotated.

Keywords: Lung cancer, update 2011, EGFR, maintenance-therapy


Literatur:
1. Rosell et al. Erlotinib versus chemotherapy (CT) in advanced non-small cell lung cancer (NSCLC) patients (p) with epidermal growth factor receptor (EGFR) mutations: Interim results of the European Erlotinib Versus Chemotherapy (EURTAC) phase III randomized trial. JCO 2011;29 (suppl; abstr 7503)
2. Maemondo. Gefitinib or Chemotherapy for Non-Small-Cell Lung Cancer with Mutated EGFR. N Engl J Med 2010; 362:2380-8.
3. Mitsudomi et al. Gefitinib versus cisplatin plus docetaxel in patients with non-small-cell lung cancer harbouring mutations of the epidermal growth factor receptor (WJTOG3405): an open label, randomised phase 3 trial. Lancet Oncol 2010; 11: 121-28
4. Zhou C et al. Erlotinib versus chemotherapy as first-line treatment for patients with advanced EGFR mutation-positive non-small-cell lung cancer (Optimal, CTONG-0802): a multicentre, open-label, randomise, phase 3 study. Lancet Oncology 2011;12:735-742
5. Zhang L et al. Efficacy, tolerability and biomarker analysis from a Phase III, randomized, placebo-controlled, parallel group study of gefitinib as miantenance therapy in patients with locally advanced or metastatic non-small cell lung cancer (NSCLC; INFORM; C-TONG 0804). JCO 2011;29 (suppl; abstr 7511)
6. Capuzzo F et al. Erlotinib as maintenance treatment in advanced non-small-cell lung cancer: a multicentre, randomised, placebo-controlled phase 3 study. Oncol 2010; 11: 521-29
7. Yamamoto N. A Phase II trial of afatinib (BIBW 2992) in patients (pts) with advanced non-small cell lung cancer previously treated with erlotinib (E) or gefitinib (G) JCO 2011;29 (suppl abstr 7511)
8. Pirker et al. A randomized, multicenter, phase III study of cetuximab in combination with cisplatin/vinorelbine (CV) versus CV alone in the first-line treatment of patients with advanced non-small cell lung cancer (NSCLC). JCO 2008;26: (suppl; abstr 3)
9. Pirker et al. Epidermal growth factor receptor (EGFR) expression as a predictor of survival for first-line chemotherapy plus cetuximab in FLEX study patients with advanced non-small cell lung cancer (NSCLC). J Thorac Oncol 2011;6 (suppl; abstr O01.06)
10. O‘Byrne et al. Molecular and clinical predictors of outcome for cetuximab in non-small cell lung cancer (NSCLC): Data from the FLEX study. JCO 2009;27 (suppl; abstr 8007)
11. O‘Byrne et al. Molecular and clinical predictors of outcome for cetuximab in non-small cell lung cancer (NSCLC): Data from the FLEX study. Lancet Oncol 2011; 12: 795-805
12. Pirker. Epidermal growth factor receptor (EGFR) expression as a predictor of survival for first-line chemotherapy plus cetuximab in FLEX study patients with advanced non-small cell lung cancer (NSCLC). J Thorac Oncol 2011;6 (suppl; 01.06)
13. Boyer et al. Overall survival (OS) results of a randomized Phase 2 trial of PF299804 versus erlotinib in patients with advanced non-small cell lung cancer (NSCLC) after failure of chemotherapy. J Thorac Oncol 2011;6 (suppl; abstr O10.07)
14. Paz-Ares et al. PARAMOUNT: Phase III Study of Maintenance Pemetrexed (Pem) Plus Best Supportive Care (BSC) Versus Placebo Plus BSC Immediately Following Induction Treatment with Pem Plus Cisplatin for Advanced Nonsquamous Non-small Cell Lung Cancer. JCO 2011;29 (suppl abstr 7510)
15. Barlesi et al. Final efficacy outcomes for patients with advanced non-squamous non-small cell lung cancer randomized to continuation maintenance with bevacizumab or bev+pemetrexed after first-line bev-cisplatin-pemetrexed treatment. EJC: 2011; (suppl; abstr 34LBA)
16. Spigel et al. Final efficacy results from OAM4558g, a randomized phase II study evaluating MetMAb or placebo in combination with erlotinib in advanced NSCLC. J Clin Oncol 2011;29 (suppl; abstr 7505)
17. Lara et al. Randomized phase III placebo-controlled trial of carboplatin/paclitaxel (CP) with or without the vascular-disrupting agent vadimezan (ASA404) in advanced non-small cell lung cancer (NSCLC). J Clin Oncol 2011;29 (suppl; abstr 7502)
18. Novello et al. Aflibercept in combination with docetaxel for second-line treatment of locally advanced or metastatic non-small-cell lung cancer (NSCLC): Final results of a multinational placebo-controlled phase III trial (EFC10261-VITAL). J Thorac Oncol 2011;6 (suppl; abstr O43.06)
19. Rosell et al. An open label, randomized Phase II study evaluating dalotuzumab combined with erlotinib in patients with non-small cell lung cancer following failure of prior chemotherapy. J Thorac Oncol 2011;6 (suppl; abstr O19.02)
20. The National Lung Screening Trial Research Team Reduced lung-cancer mortality with low-dose computed tomographic screening. NEJM 2011; 365: 395-409
21. Travis et al. IASLC/ ATS/ ERS International multidisciplinary classification of lung adenocarcinoma. J Thorax Oncol 2011;6: 244-285
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