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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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02. Dezember 2015

Therapiestrategien beim kastrationssensiblen und -resistenten Prostatakarzinom

Drei große Studien haben gezeigt, dass beim hormonsensiblen Prostatakarzinom durch Hinzunahme einer Chemotherapie zur Androgendeprivation ein Überlebensvorteil erzielt werden kann (22 Monate OS-Vorteil in STAMPEDE (1), 17 Monate in CHAARTED (2), allerdings nur 4 Monate in der französischen Studie GETUG AFU-15 (3)), sodass die Leitlinien (ASCO, AIO, ESMO (4)) diesen aggressiveren Therapieansatz nun empfehlen.

„Das Prostatakarzinom ist ein biologisch sehr heterogener Tumor“, sagte Dr. Martin Schostak, Magdeburg. Small et al. (5) haben bei mCRPC-Patienten nach Enzalutamid oder Abirateron bei einem Drittel der Patienten den neuen Tumortyp eines sog. intermediären atypischen Karzinoms identifiziert, der ebenso wie das kleinzellige Karzinom eine deutlich schlechtere Prognose hat als ein Adenokarzinom. Eine pathologische Metastasenbiopsie kann daher sinnvoll sein, so Schostak.

Van Soest et al. haben für die Erstlinientherapie des mCRPC bei hochgradigen Tumoren (Gleason-Score ≥ 7) einen OS-Vorteil für Docetaxel gezeigt (6), bei Abirateron hat der Gleason-Score weniger prädiktive Aussagekraft, ein GS < 8 scheint aber vorteilhaft zu sein, sagte Schostak.

Zu empfehlen ist die frühe Bildgebung, die im 3-Monats-Intervall wiederholt werden sollte, um eine primäre Resistenz gegenüber der Androgen-Rezeptor-gerichteten Therapie zu diagnostizieren sowie um viszerale Metastasen früher zu entdecken, bevor sie sich als PSA-Anstieg bemerkbar machen (7).

Cabazitaxel und Docetaxel wirken unabhängig vom Rezeptorstatus, also auch bei AR-V7-Resistenz, sie stellen also eine Art „sichere Bank“ dar. „Bei Progress des mCRPC sollte eine Mutationstestung durchgeführt werden, da es neben AR-V7 viele weitere Mutationen, auch Punktmutationen gibt“ (8), sagte er. Hier müssen für die Zukunft aber noch wesentlich mehr Daten erhoben werden.

Eine Aussage, die sich bereits jetzt treffen lässt, so Schostak, ist, dass die Chemotherapie nicht als letzte Reserve herhalten sollte, denn Patienten unter Cabazitaxel als Zweitlinientherapie nach Docetaxel und dann anschließender AR-gerichteteter Therapie hatten in einer aktuellen gepoolten Analyse eine 12-Monats-OS-Rate von 76,4% (9). Hierzu läuft mit SCOPE gerade eine weitere Studie an (10), um diesen möglichen Überlebensvorteil der Cabazitaxel-Therapie nach Docetaxel-Versagen als kontinuierliche Taxan-Therapie vor AR-gerichteter Therapie versus intermittierende Therapie (Docetaxel, AR-gerichtete Therapie, Cabazitaxel) weiter zu evaluieren, sagte Schostak.

(ab)
Satellitensymposium „Einfluss molekularer Marker auf die Therapiewahl beim mCRPC (...) – heute und in Zukunft“, 11.10.2015, Basel; Veranstalter: Sanofi
Literatur:

(1) James N et al. J Clin Oncol (Meeting Abstracts) 2015; 33(15)_suppl 5001.
(2) Sweeney C et al. J Clin Oncol 32:5s, 2014 (suppl; abstr LBA2).
(3) Gravis G et al. Lancet Oncol 2013;14(2): 149-58.
(4) Parker C et al. Ann Oncol (2015) 26 (suppl 5): v69-v77.
(5) Small EJ et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr 5003).
(6) van Soest R et al. Eur Urol. 2014;66(2):330-6.
(7) Fitzpatrick JM. Eur J Cancer 2014;50(9): 1617-27.
(8) Steinestel J et al. Oncotarget 2015 Apr 23. (Epub ahead of print).
(9) Maines F et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl 7; abstr 258).
(10) Bokemeyer C et al. P 263, Poster presented at DGHO 2015, Basel.

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