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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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31. Mai 2017 Seite 1/4

AGO-Symposium „State of the Art“ in München – Systemtherapie gynäkologischer Tumore 2017

G. Heinrich, Fürstenwalde.

Vom 6. bis 8. April fand in München der AGO-State-of-the-Art-Kongress Gynäkologische Onkologie mit mehr als 400 Teilnehmern statt (Abb. 1). Konzentriert wurden der aktuelle Stand des Wissens und die aktuellen Leitlinien, darüber hinaus aktuelle Studienergebnisse zum Mamma-, Endometrium-, Ovarial-, Zervix-, Vulva- und Vaginalkarzinom vermittelt. In einem dreitägigen Fortbildungsmarathon mit überquellendem Plenarsaal und ausgebuchten Workshops bildeten sich die Teilnehmer interessiert und ausdauernd fort. Die Leitlinien sind kein Ersatz für die individuelle Therapieentscheidung des Arztes und entheben ihn auch nicht der Verantwortung. Sie sind jedoch eine wichtige Entscheidungshilfe im klinischen Alltag, z.B. bei interdisziplinären Fallkonferenzen der gynäkologischen Organzentren. Im Folgenden werden der aktuelle Stand der Leitlinienentwicklung durch die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) sowie ausgewählte Highlights der Systemtherapie dargestellt.
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Abb.1: Insgesamt 420 Teilnehmer zählte das diesjährige AGO-Symposium in München.
420 Teilnehme am diesjährigen AGO-Symposium in München


Endometriumkarzinom

Die S2k-Leitlinie der AGO Organkommission Uterus ist in der Version vom 30.04.2013 online verfügbar (www.ago-online.de). Die Integration in eine S3-Leitlinie der AWMF ist derzeit in Bearbeitung.

Es besteht Konsens, Patientinnen ab dem Stadium IB und G3, II, III sowie allen klarzelligen und serösen Subtypen zusätzlich zur Bestrahlung eine adjuvante Chemotherapie (Platin und Paclitaxel) anzubieten. Eine optimale Kombination oder Sequenz wurde noch nicht definiert. Eine adjuvante Gestagentherapie sollte nicht durchgeführt werden.

Ist in der palliativen Situation eine OP oder eine Radiatio nicht mehr möglich, kommen hier bei ER/PR-positiven Tumoren Gestagene (MPA 250 mg/d) zum Einsatz. Im Falle eines Progresses, Rezeptornegativität oder akuter Lebensbedrohung kann die Monotherapie mit Anthrazyklinen, Platinderivaten oder Paclitaxel sinnvoll sein. Eine Kombinationstherapie bietet demgegenüber einen marginalen Vorteil für das Gesamtüberleben. Die Kombination von Carboplatin/Paclitaxel ist bei geringerer Toxizität äquieffektiv gegenüber Adriamycin/Cisplatin/Paclitaxel.

Im Falle extraabdomineller Fernmetastasen muss eine individuelle Entscheidung bezüglich operativer, radio­logischer oder systemischer Therapie getroffen werden.

Zervixkarzinom

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und AGO sind federführende Herausgeber der AWMF-Leitlinie auf S3-Niveau vom September 2014. Die Aktualisierung ist für 2017 geplant. Es besteht das ambitionierte Ziel der AGO-Organgruppe, jährliche Überarbeitungen zu dieser Tumorentität zu erstellen.

Im Stadium IIB (Uterus-überschreitendes Karzinom mit Parametriumbefall) wird in dieser Leitlinie im Gegensatz zur vorherigen Version auch für Deutschland erstmals die primäre Radiochemotherapie (RCT) nach einem operativen Staging oder interventioneller Diagnostik präferiert. Für eine alleinige Chemo- oder Strahlentherapie wird (neo-)adjuvant keine Empfehlung ausgesprochen. Auch die Stadien IB2 (klinisch erkennbar, > 4 cm) und IIA2 (Uterus-überschreitend, > 4 cm) in Kombination mit Risikofaktoren (positive pelvine/paraaortale Lymphknoten (LK; L1, V1, G3)) werden dem fortgeschrittenen Stadium mit Indikation zu sukzessiv eingesetzten, kombinierten Therapiemodalitäten (RCT, OP) zugeordnet. Der Stellenwert der tiefen Stromainvasion zur Entscheidung für eine RCT ist noch nicht ausreichend evident.

Für den Systemtherapeuten ist daher die vorherige bildgebende, operative oder interventionelle Klärung des Tumorstadiums und der Risikofaktoren zur Klärung der Therapiesequenz (OP, RCT) unverzichtbar.

(Neo-)adjuvant erfolgt die RCT unter Verwendung von Cisplatin. In der Praxis hat sich das wöchentliche Schema mit 40 mg/m2 etabliert.

Eine Therapie-induzierte Anämie sollte mit Transfusion und nicht mehr mit Epoetin (Epo) behandelt werden. Beim Zervixkarzinom wurden unter Epo-Therapie vermehrt Thromboembolien beobachtet.

Besteht eine disseminierte oder eine lokal nicht zugängliche Metastasierung, ist eine medikamentöse Therapie indiziert. Diese sollte in einer Kombination aus Cisplatin mit Paclitaxel oder Topotecan bestehen.

In der GOG-240-Studie zeigte die Addition von Bevacizumab 15 mg/kg KG zu Cisplatin 50 mg/m2 und Paclitaxel 135 oder 175 mg/m2 oder zu Topotecan 0,75 mg/m2, Tage 1-3, und Paclitaxel 175 mg/m2 alle 3 Wochen bei 452 Patientinnen mit vorbehandeltem und rezidiviertem Zervixkarzinom eine Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) um median 3,7 Monate (HR=0,71; 95% KI 0,54-0,95; p=0,004) und der Response-Rate von 48% vs. 36%, p=0,008 (Abb. 2) (3). Das verbesserte OS war insbesondere durch Hinzunahme von Bevacizumab in der Kombination Cisplatin/Paclitaxel signifikant (HR=0,68; 95% KI 0,48-0,97; p=0,04). Beide Zytostatikavarianten mit Bevacizumab sind durch die amerikanische (FDA) und die europäische Zulassungsbehörde (EMA) bereits zugelassen und werden in die überarbeitete Leitlinie eingehen. Zu beachten ist, dass Bevacizumab nur gemeinsam mit der ­Chemotherapie zugelassen ist. Der Antikörper darf nicht darüber hinaus als Erhaltungstherapie wie z.B. beim Ovarialkarzinom fortgeführt werden.

 
Abb. 2: PFS (oben) und OS (unten), Chemotherapie mit und ohne Bevacizumab bei rezidiviertem Zervixkarzinom (mod. nach (4)).
PFS (oben) und OS (unten), Chemotherapie mit und ohne Bevacizumab bei rezidiviertem Zervixkarzinom


 
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