Donnerstag, 23. November 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
04. Juli 2014

Supportivtherapie - wichtige Stütze bei Chemotherapie des Pankreaskarzinoms

Interview mit Herrn PD Dr. med. Helmut Oettle, Friedrichshafen.

Die Supportivtherapie nimmt einen besonderen Stellenwert bei der Behandlung des Pankreaskarzinoms ein, da durch die Krebserkrankung, die Systemtherapie oder eine Operation viele Nebenwirkungen auftreten können. Eine Ernährungsberatung und -umstellung kann dem häufigen Gewichtsverlust frühzeitig entgegenwirken, Therapie-bedingte Nebenwirkungen wie der Tumorschmerz können ebenso behandelt werden wie die Fatigue. Psychische und soziale Betreuung sowie ein geregelter Tagesablauf unterstützen die Patienten und helfen, etwas Lebensqualität zu erhalten. Dies stärkt das Durchhaltevermögen für die Chemotherapie und die Chance auf ein besseres Behandlungsergebnis wird erhöht.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Dr. Oettle, weshalb spielt die Supportivtherapie eine große Rolle bei Patienten mit Pankreaskarzinom?

Oettle:
Die Supportivtherapie spielt beim Pankreaskarzinom eine große Rolle, da eines der Problemfelder bei diesen Patienten die exokrine und endokrine Pankreasinsuffizienz ist. Das heißt, der behandelnde Onkologe muss einerseits diese Insuffizienz abklären, sich also die diabetische Stoffwechsellage ansehen, und letztlich auch beurteilen, inwieweit die Substitution mit Pankreasenzymen zur Mahlzeit notwendig ist. Viele der Patienten kommen ja in die Tumorkachexie. Der Gewichtsverlust spielt eine große Rolle bei der Diagnose des Pankreaskarzinoms aber auch im weiteren therapeutischen Verlauf. Deshalb ist es eben auch wichtig, den Ernährungsstatus in seiner Gesamtheit zu sehen und entsprechend rechtzeitig zu substituieren.

Bei uns wird z.B. jeder Patient von einem Ökotrophologen mitbetreut, der eine Ernährungsberatung und gegebenenfalls enterale oder parenterale Ernährung anbietet. Wenn die Patienten keinen Hunger haben, zu wenig essen, das Essen schon zur Qual wird, dann muss man versuchen, ob man die Situation durch eine entsprechende Substitution, unter Umständen sogar durch parenterale Ernährung entspannen kann.

Häufig haben die Patienten auch Mangelzustände, die entsprechend kontrolliert werden sollten. Dazu gehören insbesondere fettlösliche Vitamine, Vitamin D, aber auch B-Vitamine. Nach ausgedehnten Operationen leiden die Patienten auch häufig unter Diarrhö, so dass wir als Supportivtherapie die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen mit Loperamid oder mit Tinctura Opii treffen. Patienten mit Pankreaskarzinom haben häufig eine Tumor-bedingte Cholestase. Dann gilt es zu klären, ob sie mit einem Stent versorgt werden müssen, um eine entsprechende Ableitung zu gewährleisten. Präoperativ ist eher Zurückhaltung geboten, man versucht dann, die Patienten relativ schnell einer Operation zu zuführen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Supportivtherapie braucht man bei einer Chemotherapie?

Oettle:
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass die Therapie eines Pankreaskarzinoms eine komplizierte Angelegenheit ist, die unbedingt in die Hände erfahrener Onkologen gehört. Diese wissen dann auch, welche supportiven Maßnahmen notwendig sind.

Wichtig ist, dass eine an das Chemotherapieschema angepasste Antiemese durchgeführt wird. Als Schmerztherapie würde ich das klassische WHO-Stufenschema empfehlen. Die Symptomatik einer Fatigue muss man erst einmal wahrnehmen und dann die Therapie adaptieren - abhängig davon, ob eine Tumor- oder eine Therapie-bedingte Fatigue vorliegt. Darüber, wie man die Symptomatik gezielt beseitigen kann gibt es nicht besonders viele gesicherte Daten. Wenn eine Anämie-bedingte Fatigue vorliegt, kann man die Anämie natürlich beheben.

Es gibt für die Fatigue Programme, bei denen der Patient ein Tagebuch bekommt, in das er seinen Tagesablauf einträgt. So bekommt der Arzt ein Gefühl dafür, wie es mit dem Energiehaushalt des Patienten aussieht: in wieweit sind körperliche und geistige Belastungen vorhanden, wie viel bewegt er sich, gibt es Zeit für gezielte Entspannung, wie viel schläft er am Tag. Wichtig ist, dass die Patienten einen normalen Schlafrhythmus bekommen, also nicht tagsüber schlafen, sondern nachts durchschlafen können, damit die Tumorbedingte Erschöpfung nicht noch durch eine normale Erschöpfung gesteigert wird. Es ist auch psychologisch schlecht, wenn die Patienten nachts stundenlang wach sind und dann natürlich auch viel nachdenken.

JOURNAL ONKOLOGIE: Es ist, glaube ich, für die Patienten auch wichtig, dass man sie motiviert, selbst aktiv zu werden. Was können Patienten beitragen?

Oettle:
Besonders wichtig ist es, den Tag wieder zu organisieren. Für die Patienten dreht sich plötzlich nur noch alles um die Tumorerkrankung. Sie befinden sich sowieso schon in einer enormen psychischen Belastungssituation, insbesondere wenn ihnen die medianen Überlebenszeiten von fünf bis sieben Monaten bewusst sind. Hinzu kommen die physischen Belastungen durch die Erkrankung und die Therapie und die ganzen Behandlungs-bedingten Termine. Um da wieder raus zu kommen ist es wichtig, sich einen festen Tagesablauf vorzunehmen. Dazu gehören ein Pflichtprogramm mit bestimmten notwendigen Dingen wie Körperpflege und Essen, aber auch schöne Dinge - als Motivation für ein lebenswertes Leben. Patienten können auch selbst aktiv werden, indem sie Hilfen annehmen, wie z.B. die Möglichkeit zum Psychoonkologen zu gehen oder sich einer Sport- oder Yoga-Gruppe anzuschließen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Kommen von Ihren Patienten auch öfter mal Fragen nach alternativen Komplementärmaßnahmen, die Patienten zusätzlich durchführen können? Wie gehen Sie damit um?

Oettle:
Ein wichtiger Rat ist, das Thema Alternativmedizin im Patientenkontakt frühzeitig anzusprechen. In der Arzt-Patienten-Beziehung sollte ein Vertrauensverhältnis bestehen, in dem der Patient mit entsprechenden Wünschen dann auch zu seinem Arzt kommt, damit man sich damit auseinandersetzen kann. Patienten sollten ihre alternativmedizinischen Vorhaben unbedingt mit ihrem Arzt abstimmen. Wie ich persönlich damit umgehe, hängt davon ab, um welche komplementären Maßnahmen es sich handelt. Gerade sehr hoch dosierte Vitamine wie z.B. Vitamin A und E aber auch Spurenelemente wie Selen können dem therapeutischen Erfolg auch entgegenwirken. Wenn ein Patient zu mir kommt, dem jemand gesagt hat, dass er Selen nehmen soll, dann sehe ich gezielt nach, ob er einen Selenbedarf hat. Hat er keinen, dann bringt eine Substitution nichts und kann vielleicht sogar schaden.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sehen denn die supportiven Maßnahmen bei den momentan relevanten Chemotherapieschemata aus?

Oettle:
Eine FOLFIRINOX-Therapie erfordert sicherlich die aufwändigsten Supportivmaßnahmen. Da muss man noch aufmerksamer sein als z.B. bei einer Gemcitabin-Monotherapie, auch hinsichtlich der Antiemese. Bei Patienten unter FOLFIRINOX ist außerdem eine neutropenische Sepsis gefürchtet. Insbesondere die Gefahr einer Cholangiosepsis ist relativ groß. Engmaschige Blutbildkontrollen sind notwendig. Patienten mit einem Stent sollten antibiotisch abgeschirmt werden, insbesondere in einer neutropenischen Phase.

Wenn bei Erlotinib Hautreaktionen auftreten, sind hautpflegerische Maßnahmen wie pH-neutrale Seife und regelmäßiges Einfetten sinnvoll. Bei akneiformen Exanthemen verhindert eine niedrig dosierte Minocyclin-Gabe die Weiterentwicklung des Exanthems. Man kann mit 50 mg/Tag beginnen. Diese Nebenwirkung ist ja gewünscht. Nur Patienten, die unter der Kombination aus Gemcitabin plus Erlotinib eine Hautreaktion haben, sollten überhaupt weiter behandelt werden. Erfahrene Onkologen wissen, welche Supportivmaßnahmen bei welchem Therapieschema erforderlich sind und handeln dementsprechend.

JOURNAL ONKOLOGIE: Ist Ihr Praxisteam auch in die Supportivtherapie eingebunden?

Oettle: Zur Supportivtherapie gehört auch eine entsprechende Ausbildung des Pflegepersonals. Wir haben jetzt z.B. gerade eine Schwester speziell für das Nebenwirkungsmanagement bei oralen Therapieformen ausgebildet, die dann noch einmal zusätzlich mit den Patienten spricht. Auch beim Thema Ernährung ist das Praxisteam sehr wichtig. Unsere Ökotrophologin nimmt sich Zeit für die Patienten und kann dann auch alles entsprechend dokumentieren. Wir haben in unserer Praxis auch schon Kochkurse angeboten, um Patienten und Angehörige ein bisschen dafür zu sensibilisieren, was sie machen können, damit der Patient Lust am Essen hat.

JOURNAL ONKOLOGIE: Werden supportive Maßnahmen in klinischen Studien für die Zulassung von Medikamenten eigentlich berücksichtigt?

Oettle: Gerade beim Pankreaskarzinom geht es erst einmal um die Verbesserung des Gesamtüberlebens. Natürlich werden die auftretenden Nebenwirkungen erfasst, daraus lassen sich dann ja auch supportive Maßnahmen ableiten, insbesondere für die Zukunft. Häufig werden im Rahmen von Studien durchgeführte supportive Maßnahmen aber gar nicht aufgeführt, weil die Supportivtherapie eben nicht Gegenstand der Studie ist. In der Regel ist in den Veröffentlichungen nicht vermerkt, wie viele Patienten eine parenterale Ernährung erhalten haben oder was alles an Supportivmaßnahmen durchgeführt worden ist, z.B. wie viele Patienten welche Schmerztherapie bekommen haben. Es wird nur der Schmerzgrad erfasst und dann muss bewertet werden, ob die Schmerzen durch den Tumor oder die Therapie verursacht werden. In der Regel sind Schmerzen ja Zeichen einer Tumorprogression.

Ein wichtiges Thema wird sein, im Vergleich abzuklären, welches Therapieschema beim Pankreaskarzinom in der Gesamtabwägung das beste ist. Es geht ja nicht nur um zwei, drei Wochen längeres Überleben, sondern darum, welches Konzept besser zu handhaben ist und da ist mein persönlicher Eindruck, dass nab-Paclitaxel mit Gemcitabin insgesamt einfacher zu steuern ist und weniger Aufwand für den Patienten und alle Beteiligten bedeutet als das relativ komplexe FOLFIRINOX-Schema - wenn man es so durchführt wie es publiziert ist.

Vielen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte Dr. Petra Ortner, München

Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
STICHWÖRTER:
Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CUP
CML
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs