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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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08. Dezember 2016

Sorafenib – der Weg vom Wirkstoffkandidaten zur Standardtherapie

Der Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Sorafenib (Nexavar®) ist heute nicht nur Standardtherapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom, sondern seit 2007 auch die einzige zugelassene systemische Therapie beim hepatozellulären Karzinom (HCC). Seit 2014 besteht eine Zulassung von Sorafenib beim progressiven, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Radiojod-refraktären Schilddrüsenkarzinom und schließt damit eine Therapielücke.
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Bis zur Zulassung von Sorafenib im Jahr 2006 war es ein weiter Weg, berichtete Prof. Dr. Bernd Riedl, Wuppertal, der das Projekt von Anfang an mit betreute. Über 200.000 Verbindungen wurden getestet, 7.000 Verbindungen synthetisiert, bis schließlich im Mai 2000 die erste Phase-I-Studie startete.


Nierenzellkarzinom

Auf Basis der Phase-III-Studie TARGET wurde Sorafenib zur Therapie des fortgeschrittenen RCC bei Patienten zugelassen, bei denen eine vorherige Interferona- oder Interleukin-2-basierte Therapie versagt hat. Gute Evidenzen gibt es für Sorafenib in der Behandlung älterer Patienten, sagte Prof. Dr. Markus Kuczyk, Hannover. Sie seien insbesondere Kandidaten für eine Erstlinientherapie mit Sorafenib. Die EAU-Guidelines empfehlen Sorafenib für die Zweit- und Drittlinie, obwohl eine Zulassung für die Erstlinientherapie besteht. Die aktualisierten ESMO-Leitlinien hingegen empfehlen Sorafenib als Erstlinienoption, ebenso wie die NCCN-Guidelines für ausgewählte Patienten.


Hepatozelluläres Karzinom

Sorafenib ist bis heute die einzige systemische Therapie des HCC. In der Phase-III-Studie SHARP demonstrierte Sorafenib gegenüber Placebo einen Überlebensvorteil von 2,8 Monaten (10,7 vs. 7,9 Monate; HR=0,69; p=0,00058). Sorafenib wurde in einer Vielzahl weiterer Studien getestet, die alle negativ für neue Vergleichssubstanzen verliefen, berichtete Prof. Dr. Peter Galle, Mainz. Die deutschen S3-Leitlinien und die europäischen Guidelines der European Association for the Study of the Liver (EASL) empfehlen Sorafenib mit der höchsten Evidenz bei Patienten mit Fernmetastasen und erhaltener Leberfunktion (Child-Pugh-A). Es kann gemäß S3-Leitlinie auch für Patienten mit kompensiertem Child-Pugh-B-Stadium im Einzelfall eingesetzt werden. Sorafenib wird ebenso bei HCC-Patienten im intermediären Stadium empfohlen, bei denen eine TACE nicht wirksam oder kontraindiziert ist. Unter klinischen Alltagsbedingungen wird mit Sorafenib ein medianes Gesamtüberleben von 15,6-20,6 Monaten erreicht, das laut Galle etwa dem entspricht, was mit einer TACE erreicht wird. Zu wenig würde laut Galle beachtet, dass eine häufig durchgeführte TACE Arterien schädigt und die Patienten später nicht mehr systemisch therapierbar sind.


Schilddrüsenkarzinom

Beim Radiojod-refraktären, progressiven, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, differenzierten Schilddrüsenkarzinom schließt Sorafenib nach sehr langer Zeit eine Therapielücke, da Patienten, die auf eine Behandlung mit radioaktivem Jod nicht mehr ansprechen, eine sehr schlechte Prognose haben. In der randomisierten Phase-III-Studie DECISION verlängerte Sorafenib im Vergleich zu Placebo das PFS signifikant um 5 Monate (10,8 vs. 5,8 Monate; p<0,0001). Aufgrund der sehr hohen Crossover-Rate von Patienten aus der Placebo- in die Sorafenib-Gruppe übersetzte sich der PFS-Vorteil in keinen signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben, erläuterte Prof. Dr. Christoph Reuter, Hannover.

Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg, ist überzeugt, dass künftig die Kombination von TKIs mit anderen Wirkstoffen, wie etwa mit mTOR-Inhibitoren oder gegen PD-1 gerichteten Immuntherapien weiter an Bedeutung gewinnen werden.


Weitere Informationen sowie Literatur unter: www.journalonko.de/news/anzeigen/9957
(as)
Pressekonferenz „10 Jahre Nexavar®“, 14.10.2016, Dresden; Veranstalter: Bayer
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