Sonntag, 19. August 2018
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren
Kasuistiken
Studien


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
16. März 2018

Roboter, Computer und künstliche Intelligenz: Ein Krankenhaus ohne Ärzte?

J. A. Werner, Universitätsmedizin Essen.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens respektive des Krankenhauses ist ohne Alternative: Der sich abzeichnende Pflegenotstand wird sich ebensowenig durch Personalrekrutierung aus dem Ausland beherrschen oder gar vermeiden lassen wie der Mangel von Landärztinnen und Landärzten durch die Eröffnung neuer Medizin-Universitäten oder Kooperation von Stadtkrankenhäusern mit ausländischen Universitäten. Daher ist Digitalisierung und das Etablieren von Arztassistenten und Datenmanagern mit Zugriff auf intelligente Computersysteme notwendig, um den aktuellen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung wirkungsvoll zu begegnen.
Anzeige:
Fachinformation
 
Geht man offensiv mit dem Thema um, ist es nicht verwunderlich, wenn einem eine Flut von Argumenten entgegengehalten wird oder wenn überspitzt ins Gegenteil argumentiert wird. So erklärt sich auch die Fragestellung, ob denn Roboter, Computer und Künstliche Intelligenz (KI) zu einem arztfreien Krankenhaus führen werden. Bevor die Frage mit einem klaren Nein beantwortet wird, sollten einige Aspekte zu den vorgenannten Themen Erwähnung finden.

Beginnen wir mit Robotersystemen, die schon heute vielfältige Anwendungen im Gesundheitswesen finden. Aus modernen Laborstraßen sind sie nicht mehr wegzudenken. Die damit einhergehenden Vorteile in Richtung Qualität und Geschwindigkeit werden sehr gerne wahrgenommen. Die erfolgreiche Einführung der Robotik ins Krankenhaus ließe sich durch weitere Beispiele ergänzen. Emotional stärker behaftet sind Fragen um die Einbindung von Roboter-Assistenzsystemen in die Therapie und hier besonders in die Chirurgie. In Anbetracht des stetigen Bemühens um höhere Präzision, geringeres Trauma und steigende Sicherheit ist der ansteigende Einsatz Roboter-unterstützter Systeme unausweichlich. Eine dreidimensionale Sicht mit bis zu 10-facher Vergrößerung, eine hohe Bildauflösung mit Integration der Bildgebung und eine bessere Beweglichkeit der Instrumente bieten Vorteile, besonders in anatomisch schwer zugänglichen Körperregionen. Etabliert ist diese Form bei der Prostataentfernung, ebenso bei bestimmten gynäkologischen Operationen. Aktuell rüstet die Allgemeinchirurgie mit diversen Roboter-assistierten OP-Techniken auf, die in absehbarer Zeit das größte Fachgebiet in diesem Sektor werden dürfte.


Ziel ist eine verbesserte Patientenversorgung

Zwischenzeitlich sind verschiedene, patientennah einsetzbare Roboter in Planung und Erprobung. Humanoide Roboter, Androide Roboter, Intelligente Roboter werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Eine offene und auch kritische Diskussion zur Robotik ist angezeigt, aufkommende Fragen zur Ethik müssen beantwortet werden. Mit diesem Ansinnen wurde an der Universitätsmedizin Essen als Diskussionsplattform eine „Ethik-Ellipse“ gegründet, in der sich ausgewiesene Fachleute aus Medizin, Philosophie, Theologie, Wirtschaft und weiteren Bereichen der Gesellschaft zu den verschiedensten ethischen Aspekten austauschen. Auch dies ist ein unverzichtbarer Beitrag auf dem Weg zum Smart Hospital, auf den sich die Universitätsmedizin Essen Ende 2015 begeben hat. Das Ziel dieser Smart Hospital Initiative ist nicht die Steigerung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Es geht um 2 andere Zielsetzungen. Dies ist zum einen die Verbesserung der Patientenversorgung. Zum anderen sollen die Mitarbeiter durch die Digitalisierung von ermüdenden, repetitiven administrativen Tätigkeiten entlastet werden.

Kommen wir zurück zu den Patienten. Um deren Erleben, aber auch ihre Erwartungen an den Digitalisierungsprozess eines Krankenhauses angemessen berücksichtigen zu können, hat die Universitätsmedizin Essen ein „Institut für Patienten Erleben“ gegründet. Patienten befinden sich zum Zeitpunkt der Aufnahme ins Krankenhaus in einer mehr oder weniger ausgeprägten Ausnahmesituation. In dieser Verfassung möchte man sich nicht zusätzlich belasten oder gar ärgern, man möchte Verlässlichkeit, das vorbereitete Bett, die Orientierung, keine unnötigen Wartezeiten, eine größtmögliche Sicherheit und natürlich nicht zuletzt höchste Diagnostik- und Therapiequalität. Ganz besonders möchte man aber auch Freundlichkeit, Zuwendung und Vertrauensbildung. Zum ersten Block der genannten Patientenerwartungen kann die Maschine, kann die Digitalisierung organisatorischer Prozesse, unterlegt mit Künstlicher Intelligenz, wesentlich beitragen. Befreit man die Mitarbeiterschaft von diesen teilweise erheblich Zeit kostenden, mitunter auch belastenden Tätigkeiten, schafft man Freiräume für die eigene Entlastung und auch für die Zuwendung zu den Patienten. Damit rücken dann die so wichtigen Wünsche nach Freundlichkeit, Zuwendung und Vertrauensbildung in den Mittelpunkt. Hierfür wird es in den unterschiedlichen Bereichen der Medizin mehr Zeit geben müssen. Die Digitalisierung zielt dabei nicht nur auf eine Verbesserung in Organisation, sondern auch in Diagnostik und Therapie.

Ein Paradebeispiel für die Einführung der KI in die Diagnostik ist das Gebiet der Radiologie. Hier gibt es bereits bestechende Anwendungen zur Diagnostik-Optimierung und Beschleunigung, ganz besonders aber auch zur Arbeitserleichterung von Radiologinnen und Radiologen. Die beispielsweise im Rahmen der Brustkrebsvorsorge erfolgende Mammographie mag verdeutlichen, dass für die Radiologen eine Erleichterung erzielt werden kann, wenn diese, eine hohe Konzentration erfordernde, Ermüdung verursachende und nicht immer begeisternde Tätigkeit maschinell unterstützt wird. Wenn sich das für die Mammographie durchsetzt, dann wird es erst recht Arbeitserleichterung bringen, wenn das Programm zum CT-Lungenscreening Einzug hält. Wie die KI-unterstützte Diagnostik in das breite Gebiet der Radiologie Einzug halten wird, wird sich Ähnliches in der Pathologie sowie in anderen Fächern mit Aufgaben in der Musteranalyse zutragen, wie Oberflächendiagnostik von Haut und Schleimhaut oder die Diagnostik des Augenhintergrundes. Hinzu kommt die Verknüpfung der Befunddaten aus dem Gebiet der Labordiagnostik mit den vorgenannten Fächern. Diese Aspekte zusammenfassend, sollte man davon ausgehen, dass die Grenzen zwischen den einzelnen diagnostischen Disziplinen in ihrer Schärfe deutlich abnehmen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das zu befürworten, da Innovationen eben sehr oft aus den Überlappungsgebieten medizinischer Fachdisziplinen entstehen.


Mehr Zeit für Arzt-Patienten-Beziehung

Wie Computer die Diagnostik erleichtern, verbessern und vor allem beschleunigen werden, werden intelligente Computersysteme maßgeblichen Einfluss auf therapeutische Entscheidungen nehmen. Einer immer genaueren Diagnostik bis in die Genomebene steht die unglaubliche Zunahme des Wissens gegenüber. Dies im Detail vollständig zu überblicken, ist für Menschen schlichtweg nicht mehr möglich. Die intelligente, das heißt, mit KI unterlegte Verknüpfung beider Themen wird es den behandelnden Ärzten künftig mehr und mehr erlauben, die Therapiemöglichkeiten besser gegeneinander abzuwägen und den Patienten stärker individualisiert zu versorgen. Die empathische Begleitung im Therapieprozess, die Vertrauensbildung in der Arzt-Patienten-Beziehung, das und vieles mehr wird durch die Maschine nicht geschwächt: Im Gegenteil, die Ärzte werden genau hierfür mehr Zeit haben. Dazu gehört jedoch auch die Bereitschaft, Kliniken für neue Berufsgruppen zu öffnen, beispielhaft genannt sind hier Datenwissenschaftler im Gesundheitswesen.

Betrachtet man die vorangestellten Ausführungen unter der Frage, welche Teile des Arztberufes von Computer und Roboter ersetzt werden können, dann wird man natürlich bei der einen oder anderen Aufgabe fündig. Ebenso klar ist aber auch, dass die Digitalisierung nicht zum Ziel hat, die medizinisch tätigen Berufsgruppen zu reduzieren und zum Schluss sogar einen verdeckten Personalabbau betreiben zu wollen. Es gilt, vorhandenes Personal im Beruf zu halten und dem Nachwuchs Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu geben, bis hin zur Schaffung neuer Berufsbilder. Traditionelle Berufsbilder verändern sich – auch das des Arztes.

Der Arzt wird künftig viel weniger als unverzichtbarer Wissensträger gebraucht. Das reine Wissen steht im Netz. IBM-Watson, Dr. Google und andere IT- und Wissenssysteme schlagen schon heute Diagnostikprozeduren vor und geben Therapieempfehlungen. Ärztinnen und Ärzte werden in Zukunft das von derartigen Medizinberatersystemen vermittelte Wissen ihren Patienten erläutern müssen, sie beraten und deren individuelle Gesundheitskompetenzen stärken. Die Ärzte sollten sich künftig auch als Gesundheitsmanager ihrer Patienten verstehen, die durch Empathie, Hinwendung und Vertrauensbildung die wichtigsten Ansprechpartner für die sich ihnen anvertrauenden Menschen bleiben werden. Denn diese Kernelemente des Arztberufs werden noch über viele Jahre hinweg kein Computer oder Roboter ersetzen können. Die Ärzte sollten sich in diesem Kontext zeitnah auch der Gesunden annehmen, weil die Krankheiten im Vorfeld abgewendet werden müssen. Digital unterstützte Prävention wird ein enormes Betätigungsfeld, das weit über die Funktion der Wearables hinausgeht. Die damit erhobenen Daten aufzuzeichnen, auszuwerten und den Arzt in die Prävention einzubinden, ist die künftige Zielsetzung. Dies ist auch deshalb wichtig, weil der Arzt ein heute immer noch viel komplexeres Wissen zum Umfeld und Verhalten seiner Patienten hat, als es die Maschine in den nächsten Jahren abbilden wird.

Intelligente Computer- und Robotersysteme werden also die Patientenversorgung vor, während und nach dem Krankenhaus verbessern. Ihr Einsatz wird aber noch lange Zeit durch die Ärzte selbst gesteuert. Sie sind diejenigen, die ihre Patienten auch künftig mit aller Zuwendung durch die schwierige Situation im Krankenhaus begleiten werden.


 
Prof. Dr. Jochen A. Werner Prof. Dr. Jochen A. Werner
Vorstandsvorsitzender

Universitätsmedizin Essen
Hufelandstraße 55
45147 Essen

Tel.: 0201/723-5001
E-Mail: jochen.werner@uk-essen.de













 
ABSTRACT

J. A. Werner, Universitätsmedizin Essen
 

Currently, medicine experiences the most important change of all times. Digital transformation is also accompanied by fears if robots and artificial intelligence (AI) will lead to physician-free hospitals. AI-based linking of both topics will allow physicians to profoundly explain well-prepared knowledge and information to their patients. Intelligent robotic systems will improve medical care. However, their implementation will still be controlled by physicians for a long time who will, also in the future, accompany their patients with empathy.
 

Keywords: Artificial intelligence, robotics, physicians, empathy
 
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
Anzeige:
Zur Fachinformation
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CUP
CML
NET
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Fachgesellschaften
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
Betroffenenrechte
AGB
Fakten über Krebs
 
ASCO 2018