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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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03. August 2015

Praxisnahes Fortbildungskonzept zum Thema Brustkrebs

Postmenopausales triple-negatives Mammakarzinom im Fokus

Auf dem Interdisziplinären Fortbildungsforum FACTTUM, das die TU München zusammen mit der Firma Teva regelmäßig durchführt, haben Ärzte die Möglichkeit, in kleinen Teams reale Fälle von Mammakarzinom-Patientinnen zu erarbeiten und mit einem Expertengremium anschließend zu diskutieren. Prof. Hans-Joachim Lück, gynäko-onkologische Schwerpunktpraxis Hannover, stellte auf der FACTTUM-Veranstaltung anlässlich des Senologiekongresses in Leipzig unter anderem folgenden Fall vor.

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Bei einer 59-jährigen Frau wurde ein triple-negatives invasives Mammakarzinom NST (no special type) im Stadium cT2 (25 mm), klinisch cN0, Ki67 90%, festgestellt. Das Staging, das aufgrund der ungünstigen Tumorbiologie durchgeführt wurde, ergab keinen Hinweis auf Fernmetastasen.

Standard für das triple-negative Mammakarzinom ist eine neoadjuvante Chemotherapie. Darin stimmten die Teams weitgehend überein. Wie Prof. Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik der TU München erläuterte, lässt sich mit der neoadjuvanten Therapie ein Downstaging und ein höherer Anteil von brusterhaltenden Operationen erreichen. Aber am wichtigsten: Die Frauen können am Schrumpfen des Tumors selbst den Nutzen der Chemotherapie erfahren.

Bei der Frage, ob eine dosisdichte Therapie durchgeführt werden soll, waren sich die Teams uneinig. Wie Prof. Diana Lüftner, Oberärztin an der Charité Berlin, betonte, stellt auch das exzessiv hohe Ki67 einen dringenden Grund für eine dosisdichte Therapie dar. Dieser Tumor verhält sich biologisch wie eine akute Leukämie. Diese hochaktive Tumorzell-Replikation muss so schnell wie möglich durch eine Chemotherapie gestoppt werden.

Die Patientin lehnte jedoch die vorgeschlagene neoadjuvante dosisdichte Therapie ab, weil sie den Tumor sofort loswerden wollte. Sie wurde dann primär inklusive Axilladissektion operiert. 3 von 16 entfernten Lymphknoten waren histologisch befallen. Von der anschließenden dosisdichten adjuvanten Chemotherapie ließ sich die Patientin nun doch überzeugen. Sie wurde in die GAIN2-Studie eingeschlossen und bekam 4 Zyklen Epirubicin/Cyclophosphamid und 4 Zyklen Docetaxel. Im Rahmen der Studie erhielt sie auch prophylaktisch G-CSF.

Wenn die eingesetzte Chemotherapie ein Risiko für eine febrile Neutropenie über 20% mit sich bringt – das ist bei dosisdichten Regimes immer der Fall – ist laut AGO-Leitlinie immer eine primäre G-CSF-Prophylaxe indiziert. Bei einem Risiko im intermediären Bereich zwischen 10 und 20% hängt die Indikation für die primäre G-CSF-Prophylaxe davon ab, ob individuelle Risikofaktoren bestehen wie ein Alter > 65 Jahre. Ist dies der Fall, kann eine G-CSF-Prophylaxe auch bei konventionellen Regimes sinnvoll sein.

Wird das Risiko für schwere Neutropenien durch G-CSF-Prophylaxe gesenkt, lässt sich die Chemotherapie besser ohne Abstriche durchführen. Und das bedeutet auch einen Überlebensvorteil. In einer Studie mit Brustkrebspatientinnen, die eine adjuvante CMF-Therapie erhielten, wurde gezeigt, dass sich das rezidivfreie und das Gesamtüberleben signifikant vermindern, wenn die Chemotherapiedosis auf weniger als 85% des Optimums abfällt. Das ist in einer kurativen Situation nicht akzeptabel.

Signifikant stärker als mit 1x täglich zu spritzenden kurzwirksamen G-CSF-Präparaten wie Filgrastim kann die Inzidenz schwerer Neutropenien vermindert werden mit langwirksamen G-CSF-Präparaten wie Pegfilgrastim oder Lipegfilgrastim (Lonquex®), bei denen eine Injektion pro Zyklus genügt. Lück erklärte diesen Unterschied damit, dass es bei Substanzen, die die Patientin täglich selbst spritzen muss, auch täglich eine gewisse Unsicherheit besteht, ob, wann und wie sie dies tut.

Angelika Bischoff
FACTTUM – Interaktives Lunch-Symposium, 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, 26.06.2015, Leipzig, Veranstalter: Teva
Literatur:

(1) Noeding S et al. Senologie 2014; 11-A89.
(2) www.ago-online.de
(3) Bonadonna G et al. N Engl J Med 1995; 332: 901-906.
(4) Almenar Cubells D et al. Eur J Cancer Care 2013; 22: 400-412.

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