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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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15. Dezember 2014

Pankreaskarzinom: Die Therapiestrategien werden vielfältiger

Die Mortalitätsraten der vier häufigsten Tumorentitäten Lungen-, Prostata-, Brust- und Darmkrebs sind rückläufig. Im Gegensatz dazu steigt die Mortalitätsrate beim Pankreaskarzinom. "Bis 2015 wird das Pankreaskarzinom in den USA bereits den 2. Platz bei den krebsbedingten Todesursachen einnehmen und bis 2020 auf Platz 1 vorgerückt sein", erläuterte Prof. Margaret Tempero, San Francisco/USA, die über aktuelle und zukünftige Therapiestrategien berichtete.

Das Pankreaskarzinom hat eine sehr schlechte Prognose. 80% der Patienten werden in einem fortgeschrittenen, nicht mehr resektablen Krankheitsstadium diagnostiziert. Ebenfalls 80% der Patienten, die reseziert werden können, rezidivieren nach einer adjuvanten Therapie. Die Heilungsrate liegt lediglich bei 5-6%. Patienten im metastasierten Stadium überleben ohne Therapie im Median nur etwa 3 Monate. Es gibt keine spezifischen Frühsymptome, weshalb der Tumor oft erst spät diagnostiziert wird, und bei einigen Patienten metastasiert der Tumor sehr früh.

MPACT-Studie: Erstlinie beim metastasierten Pankreaskarzinom mit nab-Paclitaxel + Gemcitabin

Tempero: "Für Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom stehen mit FOLFIRINOX und nab-Paclitaxel + Gemcitabin* zwei gute und sehr aktive Chemotherapieoptionen zur Verfügung, die sich in ihrem Toxizitätsspektrum unterscheiden. Deshalb müssen wir mit jedem Patienten zusammen entscheiden, welches Regime wir einsetzen, in Abhängigkeit davon, welche Nebenwirkungen der Patient bereit ist, in Kauf zu nehmen. Falls ein Patient z.B. unter einer Diarrhoe leidet, würden wir kein Regime verwenden, das diese noch verstärkt. Beide Regime würde ich eher bei Patienten mit gutem Performance-Status einsetzen." Grundsätzlich gilt zu berücksichtigen, dass in der MPACT-Studie ein sehr breites Patientenkollektiv eingeschlossen war - u.a. auch Patienten die älter als 75 Jahre waren, bereits multiple Metastasierungen aufwiesen oder einen Karnofsky-Index von 70% hatten.

Noch vieles unklar

Tempero: "Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem/nicht operablem Pankreaskarzinom setzen wir primär immer eine Chemotherapie ein. Das empfehlen auch die NCCN-Guidelines. Und da wir effektive Regime haben, setzen wir diese auch ein. Es gibt aber einen großen Bedarf an klinischen Studien in diesem Bereich. In der Regel bieten wir den Patienten nach erfolgreicher Chemotherapie und guter Krankheitskontrolle eine Radiotherapie an. Wir wissen, dass wir mit einer weniger effektiven Chemotherapie wie einer Gemcitabin-Monotherapie durch die zusätzliche Radiotherapie eine Verbesserung im Überleben erzielen. Ob dies auch der Fall ist, wenn wir ein effektiveres Chemotherapie-Regime verwenden, wissen wir allerdings nicht."

Studien zur adjuvanten Therapie des Pankreaskarzinoms, die in den letzten 25 Jahren durchgeführt wurden, gibt es nur wenige. Tempero: "Wenn man sich das beste Gesamtüberleben in diesen Studien betrachtet, so sieht man, dass es im 20-Monats-Bereich liegt, und es ist wirklich an der Zeit für eine Veränderung im adjuvanten Bereich. Gelernt haben wir aus diesen Studien: 1. 25-30% der Patienten sterben im ersten Jahr. Viele dieser Patienten haben Mikrometastasen und wir wissen nicht, wie wir diese Patienten identifizieren können. 2. Chemotherapie wirkt. Das zeigt die CONCO-001-Studie, in der ein Gemcitabin-Arm gegen einen Beobachtungsarm verglichen wurde. 3. Gemcitabin und optimal verabreichtes 5-FU sind ähnlich effektiv. Die Rolle der Radiotherapie ist nach wie vor unklar. Zu berücksichtigen ist auch, dass es sich in diesen Studien um ein hoch selektioniertes Patientengut handelt. In der "real world" erhalten 25% der Patienten keine adjuvante Therapie."

nab-Paclitaxel bringt Bewegung in die Therapie

Aktuell rekrutiert die Studie APACT (Adjuvant Therapy for Patients With Resected Pancreatic Cancer; NCT01964430), in der randomisiert nab-Paclitaxel + Gemcitabin vs. Gemcitabin Monotherapie geprüft wird. Primärer Studienendpunkt ist das krankheitsfreie Überleben, sekundäre Endpunkte sind Gesamtüberleben und Verträglichkeit.

Wichtige Daten aus der Neoadjuvanz verspricht sich Tempero von der Studie A021101, die eine neoadjuvante Chemotherapie und Radiochemotherapie gefolgt von Resektion und adjuvanter Chemotherapie bei Borderline-resektablem Pankreaskarzinom untersucht.

"Des weiteren gibt es viele klinische Studien mit neuen Substanzen, die häufig in Kombination mit nab-Paclitaxel + Gemcitabin eingesetzt werden, da es einfacher zu sein scheint, diesen Chemotherapie-Backbone mit neuen Substanzen zu kombinieren", so Tempero.

Ein interessantes Target beim Pankreaskarzinom sei RAS, betonte Tempero. Bis jetzt würde es leider noch kein RAS spezifisches Medikament geben. Ein weiteres sehr interessantes Gebiet sei das Microenvironment des Tumors, einschließlich des "Immunomicroenvironments". Auch hier sei zukünftig mit interessanten Ergebnissen zu rechnen.

as

Celgene-Satellitensymposium und Interview mit Prof. Margaret Tempero, 11. AIO Herbstkongress, Berlin, 14.11.2014

* nab-Paclitaxel ist bislang die einzige für die Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Pankreas zugelassene Substanz (in Kombination mit Gemcitabin).

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