Mittwoch, 20. September 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
01. August 2017 Seite 1/2

Osteosarkome: Therapiestandard unverändert, aber Fülle neuer Ansätze

Interview mit Prof. Dr. Uta Dirksen, Universitätsklinikum Essen.

Das Osteosarkom wird zu den seltenen Erkrankungen gerechnet, ist jedoch der häufigste maligne Knochentumor im Kindes- und Jugendalter. Frau Prof. Dr. Uta Dirksen vom Sarkomzentrum am Universitätsklinikum Essen sprach mit JOURNAL ONKOLOGIE über die Diagnose, Therapiestandards sowie neue Therapieansätze und Strategien.
Uta Dirksen
JOURNAL ONKOLOGIE: Frau Prof. Dirksen, was sind Risikofaktoren für die Entstehung eines Osteosarkoms?

Dirksen: Das Osteosarkom ist der häufigste maligne Knochentumor im Kindes- und Jugendalter. Jungen und Männer sind 1,4 mal häufiger betroffen. Die meisten Osteosarkome treten sporadisch auf. Das Osteosarkom gehört aber auch zu den Malignomen, die typischerweise mit dem Li-Fraumeni-Syndrom assoziiert sind, dem eine Keimbahnmutation im Tumorsuppressor-Gen p53 zugrunde liegt. Des Weiteren sind Osteosarkome klassische Zweittumoren bei Patienten mit RB1-Mutationen (hereditäre Retinoblastome), Rothmund-Thompson-Syndrom, zudem treten sie bei Patienten mit Morbus Paget, Morbus Ollier oder dem Maffucci-Syndrom häufiger auf. Osteosarkome zählen außerdem zu den Malignomen, die radiogen induziert werden.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Osteosarkom neu diagnostiziert haben?

Dirksen:
Zu empfehlen ist die Vorstellung in einem erfahrenen Zentrum. Für die Planung der Lokaltherapie ist eine adäquate Schnittbildgebung, die immer den gesamten betroffenen Knochen inklusive der angrenzenden Gelenke darstellen muss. Da das Osteosarkom am häufigsten ossär und pulmonal metastasiert, gehören ein CT-Thorax und eine Darstellung des Skelettsystems zu obligaten initialen Untersuchungen.


JOURNAL ONKOLOGIE: Bisher gilt das EURAMOS-1-Protokoll als Therapiestandard, worauf basiert es?

Dirksen:
Die letzte große Osteosarkom-Studie, EURAMOS-1, wurde 2011 beendet. Die Studie war auf Patienten mit resektablem Osteosarkom ausgelegt. Alle registrierten Patienten erhielten eine Induktionstherapie, die präoperativ aus 2 Zyklen Cisplatin/Doxorubicin und 4 Zyklen Methotrexat bestand (2x MAP), gefolgt von der operativen Therapie. Postoperativ wurden die Patienten nach histologischem Ansprechen stratifiziert. Bei Patienten mit gutem histologischen Tumoransprechen (< 10% vitaler Resttumor) wurde zwischen einer Therapiefortsetzung mit MAP und einer Therapiefortsetzung mit MAP Interferon-α (MAPifn) randomisiert. Bei Patienten mit ungünstigem histologischen Ansprechen (≥ 10% vitaler Resttumor) wurde zwischen einer Therapiefortsetzung mit MAP und MAP plus Ifosfamid/Etoposid (MAPIE) randomisiert. In beiden Armen konnten keine verbesserten Heilungschancen im experimentellen Arm gezeigt werden. Einschränkend ist zu sagen, dass von den 357 Patienten, die für MAPinf randomisiert wurden, ca. 24% die Therapie nicht begonnen haben und weitere 30% der randomisierten Patienten die Therapie frühzeitig abgebrochen haben (1). Ein wichtiges Ergebnis ist somit, dass die Therapie so nicht durchführbar war. Für Patienten die in den MAPIE- Arm randomisiert wurden, konnte ebenfalls kein Überlebensvorteil gezeigt werden (2). Der Arm war aber mit einer erhöhten Akut-toxizität assoziiert. Standardtherapie für alle Patienten mit Osteosarkom ist seit Juni 2011 MAP. Eine Nachfolge-Studie wurde bisher nicht aufgelegt. Frankreich hat nicht an der EURAMOS-1-Studie teilgenommen. Dort wurde eine randomisierte Studie (OS2006) zur Wertigkeit von Zoledronsäure durchgeführt. Patienten, die jünger als 18 Jahre waren, erhielten präoperativ eine Chemotherapie mit Methotrexat, Etoposid und Ifosfamid. Je nach histologischem Ansprechen wurde postoperativ für eine Fortführung der Therapie oder bei ungünstigem Ansprechen einer Fortführung mit MAP stratifiziert. Patienten über 25 Jahre erhielten präoperativ eine Therapie, bestehend aus Doxorubicin, Ifosfamid und Cisplatin. Bei gutem histologischen Ansprechen wurde die Therapie fortgeführt, Patienten mit ungünstigem Ansprechen wurden auf eine Therapie mit Ifosfamid und Etoposid umgestellt. Bei Patienten zwischen 18 und 25 Jahren war es den Kliniken freigestellt, welche Chemotherapie eingesetzt wurde. Alle Patienten wurden für die ergänzende Therapie mit Zoledronsäure randomisiert. Die Studie wurde im März 2014 nach der zweiten Interimsanalyse gestoppt, weil sich abzeichnete, dass kein positives Ergebnis zu erwarten war.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sind die aktuellen Therapieempfehlungen in Deutschland?

Die Therapie hochmaligner Osteosarkome besteht aus Chemotherapie und Lokaltherapie, sie ist immer multimodal. Die Therapie erfolgt in Deutschland nach den Protokollen oder Therapieempfehlungen der Cooperativen Osteosarkom Studiengruppe Stuttgart (COSS). Sie führt ein Register, in dem die Patienten gemeldet werden können. Es gibt eine Empfehlung für jüngere Patienten (COSS-REGISTER) und eine Empfehlung für Patienten über 40 Jahre (EUROBOSS). Nach einer ca. 11 Wochen dauernden systemischen Therapie folgt die Lokaltherapie. Die Lokaltherapie der Wahl ist die operative Therapie in Form einer weiten Tumorresektion. Inoperable Tumoren können strahlentherapeutisch behandelt werden. Nach erfolgter Lokaltherapie folgt eine adjuvante systemische Therapie. Mittel der Wahl sind derzeit für junge Patienten Cisplatin, Adriamycin und hochdosiertes Methotrexat. Nur niedrig-maligne, parostale und periostale Osteosakome werden operativ behandelt.

 
Vorherige Seite
1 2
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CUP
CML
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
EHA 2017