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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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11. Dezember 2014

Onkologische Biotechnologie: Fortschritte und Perspektiven

In den letzten Jahren konnte in allen Bereichen der onkologischen Biotechnologie eine Verbesserung erzielt werden, so zum Beispiel in der Chemotherapie, der Supportivtherapie und der Diagnostik. Dies führte zu einem deutlich verbesserten Gesamtüberleben (OS), verlängertem progressionsfreien Überleben (PFS) und auch zu einer gesteigerten Lebensqualität (QoL). Mit diesen Worten eröffnete Prof. Matthias Schieker, München, den MediaDialog im Rahmen des DGHO in Hamburg.

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Immuntherapie

Bei der Krebsimmuntherapie werden die körpereigenen T-Zellen aktiviert, um die Tumorzellen zu zerstören. Schieker stellte zwei verschiedene Substanzen vor, die bereits im klinischen Alltag im Einsatz sind. Bei dem ersten Medikament handelt es sich um das Talimogen Laherparepvec (T-VEC) das sich selektiv in der Tumorzelle vermehrt und diese onkolytisch zerstört. Zusätzlich wird durch die Antigenpräsentation das Immunsystem angeregt und weitere Tumorzellen werden zerstört, berichtete Dr. Achim Rieth, München.

Die Wirksamkeit von T-VEC wurde in der Phase-III-Studie OPTiM beim Melanom geprüft, in der T-VEC intratumoral (n=292) randomisiert gegen GM-CSF  (Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor) subkutan (n=144) verglichen worden ist. Primärer Endpunkt dieser Studie war das dauerhafte Ansprechen (DRR; Durable Response Rate), als sekundärer Hauptendpunkt war das OS festgelegt. Rieth führte an, dass das DRR im T-VEC-Arm mit 16,3% klar verbessert ist im Vergleich zu 2,1% bei GM-CSF (95%-KI 2,7-29,2; p<0,0001) (1). Das OS hat sich im Vergleich zur Kontrolle deutlich verbessert mit einem Unterschied von 4 Monaten (23,3 Monate vs. 18,9 Monate; HR 0,79; 95%-KI 0,62-1,00) (2). "Leider ist Signifikanz bei einem p-Wert von 0,051 knapp verfehlt worden", so Rieth. "In weiteren Studien soll T-VEC in Kombination mit anderen Substanzen wie z.B. PD-1 und Ipilimumab (3) getestet werden."

Das zweite vorgestellte Therapieprinzip ist der gentechnisch hergestellte BiTE®-Antikörper, der für eine Bindung der Krebszelle an die T-Zelle sorgen soll. Die T-Zelle wird aktiviert und löst die Apoptose der Tumorzelle aus. Als Beispiel führte Rieth den Antikörper Blinatumomab an, der derzeit in Zulassungsstudien bei Leukämie-Patienten Anwendung findet.

Lebensqualität und Überleben

"Inzwischen ist die Lebensqualität ganz wesentlich in den Vordergrund gerückt", eröffnete Dr. Friedrich Overkamp, Recklinghausen, seinen Vortrag. Das Auftreten von Knochenmetastasen ist eine häufige Komplikation bei Krebserkrankungen mit soliden Tumoren. Es ist eine bedrohliche Komplikation, denn nicht nur Schmerzen schränken die Lebensqualität ein, auch Komplikationen wie Wirbelfrakturen haben einen erheblichen negativen Einfluss auf die Lebensqualität und das Überleben.

Aus diesem Grund wird in den ESMO-Leitlinien schon ab Auftreten einer ersten Knochenmetastase eine effektive Osteoprotektion empfohlen (4). "Entscheidend ist der frühe Einsatz von Denosumab (XGEVA®) sofort nach Erscheinen der ersten Knochenmetastase", sagte Overkamp. Seine Aussage beruht auf den Daten einer integrierten Analyse von 5.723 Patienten mit soliden Tumoren, in denen Denosumab Zoledronsäure signifikant überlegen war und eine um 8,2 Monate längere Zeit ohne Knochenkomplikationen zeigte (27,6 Monate vs. 19,4 Monate; HR 0,83; p<0,0001) (5). Bei Mammakarzinom-Patientinnen konnte zudem die Zeit bis zum Auftreten von moderaten oder starken Schmerzen unter Denosumab (n=542) im Vergleich zur Zoledronsäure (n=500) hochsignifikant um 4 Monate verzögert werden (9,7 Monate vs. 5,8 Monate; HR 0,78; p=0,0024) (6).

Hoher Bedarf an weiteren Therapiemöglichkeiten

Trotz Fortschritten besteht bei vielen Tumoren ein hoher Bedarf an weiteren Therapiemöglichkeiten. Ein Beispiel dafür ist das Multiple Myelom, v.a. im fortgeschrittenen refraktären Stadium sind bisher wenige effektive Therapiemöglichkeiten vorhanden. Wenn die Tumorzellen eine Resistenz gegen Bortezomib entwickeln, besteht laut Prof. Hartmut Goldschmidt, Heidelberg, eine Versorgungslücke. Erste Zellkultur-Daten des Wirkstoffs Carfilzomib konnten zeigen, dass Myelomzellen, die eine Resistenz gegen Bortezomib entwickelt haben, nach wie vor sensitiv auf Carfilzomib wirken (7). Eine erste Zwischenauswertung der klinischen Phase-III-Studie ASPIRE konnte eine Verlängerung des primären Entpunktes PFS um 8,7 Monate unter der Kombination von Carfilzomib, Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason (KRd-Regime) im Vergleich zu Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason zeigen (26,3 Monate vs. 17,6 Monate; HR 0,69; p<0,0001) (8). Der sekundäre Endpunkt OS wies zum Zeitpunkt der Auswertung einen Trend zugunsten des KRd-Regimes auf. Die Ergebnisse dieser Studie werden auf dem 56. Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) erwartet.

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AMGEN-MediaDialog: "Es geht um mehr! Onkologische Biotechnologie: Fortschritte und Perspektiven", 10.10.2014

Literaturhinweise:

(1) Andtbacka RHJ et al. J Clin Oncol. 2013; 31(15) suppl (May 20 Supplement). LBA9008.
(2) Kaufman H et al. J Clin Oncol. 2014; 32(15) suppl (May 20 Supplement). LBA9008a.
(3) Puzanov I et al. ASCO, Chicago 2014; Abstract #9029^.
(4) Coleman R et al. Annals of Oncology 2014; 25 (Supplement 3): iii124-iii137.
(5) Lipton A et l. Eur J Cancer 2012; 48:3082-92.
(6) Cleeland CS et al. Ann Oncol. 2010; 21 (Suppl 8):viii379 (Abstract 1248P).
(7) Suzuki E et al. ASH 2009; Abstract 2852.
(8) Pressemitteilung Amgen. http://www.journalonko.de/newsview.php?id=7583.

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