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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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10. September 2018

BNGO Hauptstadtkongress 2018

Neue Therapieoptionen, patientenrelevante Endpunkte und gesundheitspolitische Fragestellungen im Fokus

Unter dem Motto „Die Patienten stehen im Mittelpunkt“ fand am 22. und 23. Juni der diesjährige BNGO Hauptstadtkongress in Berlin statt. Fast 200 TeilnehmerInnen informierten sich über relevante Fragestellungen für die gynäko-onkologische Praxis. Wie bereits in JOURNAL ONKOLOGIE 4/2018 dargestellt, erfassen die Mitglieder des BNGO seit mehreren Jahren in Praxisumfragen die Zufriedenheit der Patientinnen mit der Behandlung und den Belastungen durch Krankheit und Therapie. Die letzte Umfrage zeigte: die Patientenzufriedenheit ist außerordentlich hoch. Zunehmend spielen rechtliche, gesundheitspolitische und ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle – auch diesen Punkten trug der Kongress Rechnung. Dazu gab es brandaktuelle Daten vom ASCO zu gynäkologischen Tumoren und vom Senologiekongress zum Mammakarzinom.
Spannende Daten zum Ovarial- und Zervixkarzinom vom ASCO 2018 präsentierte Prof. Dr. Jalid Sehouli, Berlin, zum Auftakt. Beim Ovarialkarzinom ist auch nach dem ASCO 2018 nach wie vor unklar, ob die neoadjuvante Therapie sinnvoll ist. Der Stellenwert der Rezidivoperation wird erst eindeutig geklärt werden, wenn die Daten der AGO-Desktop-III-Studie vorliegen, da die beim ASCO vorgestellten Daten der GOG 213-Studie hinsichtlich des Überlebens negativ waren. Die Reinduktion mit Bevacizumab kann im Spätrezidiv einen hochsignifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben bringen, allerdings gibt es hierfür keine Zulassung. Interessante Daten gab es mit PARP- und Checkpoint-Inhibitoren und auch deren Kombination, die sowohl beim Ovarial- als auch beim Zervixkarzinom bei einigen Patientinnen vielversprechende Ergebnisse mit langen Verläufen zeigen.

In der den Kongress eröffnenden Podiumsdiskussion (Abb. 1), moderiert von Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg, Arzt und Digitalisierungsexperte, diskutierten BNGO-Vorsitzender Dr. Jörg Schilling, Berlin, stv. BNGO-Vorsitzende Dr. Steffi Busch, Mühlheim, Patientenvertreterin Renate Haidinger, München, und die Journalistin Dr. Petra Ortner, München, welche Wünsche Krebspatienten an die moderne Medizin haben und wie das Gesundheitssystem diese Wünsche berücksichtigt. Welche Rolle spielt dabei die gewünschte Digitalisierung? Kann sie bereits die sprechende Medizin ablösen? Dies ist momentan laut der überwiegenden Meinung der Diskutanten noch Zukunftsmusik. Die Digitalisierung ist jedoch, was die wissenschaftliche Information anbetrifft, in verstärktem Maße auf dem Vormarsch. So gibt es verschiedene Apps, mit der Fachkreise DocCheck-geschützt medizinische Informationen abrufen können (z.B. onkowissen.de im Internet oder im AppStore).
 
Abb. 1: Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Renate Haidinger, Dr. Steffi Busch, Dr. Petra Ortner, Dr. Jörg Schilling, Dr. Friedrich Overkamp.
Abb. 1: Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Renate Haidinger, Dr. Steffi Busch, Dr. Petra Ortner, Dr. Jörg Schilling, Dr. Friedrich Overkamp.


Mit dem wichtigen Thema rechtliche Fragestellung/Arzthaftung bei fehlerhafter Diagnostik setzte sich die Rechtsanwältin Stephanie Kollwitz, Potsdam, auseinander. Sie stellte anhand von Fallbeispielen den Unterschied zwischen einem Diagnosefehler und einer unterlassenen Befunderhebung dar und erläuterte, was dabei schwerer wiegt, wie die Beweisführung im Prozess auszusehen hat und auf Basis welcher Dokumentation diese zu führen ist.

Wie in den vorhergehenden Jahren wurden für Ärzte und medizinische Fachkräfte praxisbezogene Workshops angeboten. In einem eineinhalbtägigen Workshop beschäftigten sich die Teilnehmer anhand von Kasuistiken mit onkologischen Notfällen. Diese sind eine große Herausforderung für das Behandlungsteam. Sie kommen zwar selten vor, aber wie ist im Ernstfall zu handeln? Dr. Jens Reichel, Weimar, zeigte auf, wie man sich für Notfälle wappnen sollte und ging dabei auch auf die rechtliche Situation ein. Er erläuterte, was bei der Einschätzung der Notfallsituation wichtig ist, wie man sehr rasch erkennt, um welche Komplikation es sich handelt, und wie das Patientenmonitoring verlaufen sollte. Er ging u.a. auf unmittelbar lebensbedrohliche Störungen wie Herzstillstand, Luftnot, Dehydrierung und Hypoglykämie und deren Management ein, schilderte aber auch ungewöhnlich Fälle, die vorkommen können, wie ein Sturz auf der Praxistreppe.

Prof. Dr. Ulrich Kampa, Hattingen, erläuterte die Bedeutung der Fehl- und Mangelernährung bei Tumorpatienten und den Einfluss des Ernährungsstatus auf die Mortalität und Morbidität von Krebspatienten. Des Weiteren ging er auf die Diagnostik einer Mangelernährung ein und erklärte die ernährungsspezifischen Präventions- und Therapiemaßnahmen, die dann auch mit den Patienten zu besprechen sind.

Im Workshop zu „Good Clinical Practice (GCP)” führte Dr. Saskia Borregaard, Hamburg, die Teilnehmer in die rechtlichen und ethischen Grundlagen einer ordnungsgemäßen klinischen Prüfung ein und erläuterte zudem, wie die Dokumentation zu erfolgen hat.

Hygiene und Infektionen sind immer wieder wichtige Themen in den Praxen, wie Dr. Wolfgang Rulf, Erkrath, und Dr. Götz Geiges, Berlin, in den Workshops „Hygiene 2018 – Neues und Bewährtes“ und „Infektiologie 2018 – Neues und Bewährtes“ sehr klar verdeutlichten. Bei onkologischen Patienten können Infektionen lebensbedrohlich sein und sollten daher tunlichst vermieden werden.

Auf die Bedeutung von körperlicher Aktivität in verschiedenen onkologischen Behandlungsphasen wurde im Workshop von Dr. phil. Thorsten Schmidt, Kiel, eingegangen. Er erläuterte sowohl die präventive Rolle von Bewegung und Sport als auch die Möglichkeiten und den Nutzen von körperlicher Betätigung während der Therapie. Besonders effektiv sind Programme gegen Fatigue, aber wie mehrere Studien zeigen konnten, haben Bewegungsprogramme zudem einen positiven Effekt auf die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung und sogar das Überleben.

Eine interessante Übersicht „Best of Seno“ mit neuen Daten beim Mammakarzinom vom ASCO und Senologie-Kongress gab Prof. Dr. Jens-Uwe Blohmer, Berlin, in seinem Plenarvortrag. Auf diese Highlights wurde bereits im letzten BNGO Beitrag in JOURNAL ONKOLOGIE 7/8 2018 eingegangen. Insbesondere die Daten zu den CDK4/6-Inhibitoren, der sinnvolle Einsatz molekularer Marker und der derzeitige Stand zur Axilla-OP wurden thematisiert.

Die beiden letzten Workshops befassten sich mit der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen, aber auch mit der Kommunikation innerhalb des Teams und mit Coping-Konzepten. Prof. Dr. Frank Förster, Chemnitz, erläuterte Strategien zur Gesprächsführung und die Definition von Zielen und Inhalten von Gesprächen. Was unterscheidet Wahrheit und Wahrhaftigkeit und wieviel Wahrheit verkraftet der Patient? Wie kann man Angehörige einbinden? Förster gab hilfreiche Tipps, die in der Praxis Anwendung finden können.

Die Diagnose Krebs kann Patienten in eine schwere Lebenskrise versetzen, selbst wenn die Erkrankung potentiell heilbar ist. Deshalb ist der Umgang mit Krebspatienten und ihren Nächsten manchmal schwierig und Therapeuten oder pflegende Mitarbeiter können leicht in eine Burnout-Situation geraten. Dipl.-Psych. Ilka Fischer, Berlin, gab im Workshop zur Stressbewältigung einen Überblick über das Phänomen Stress und dessen seelische und körperliche Folgen. Sie stellte Inhalte und Ergebnisse des ReSource-Projekts vom Max-Plank-Institut Leipzig vor, der weltweit größten Studie zur Wirksamkeit unterschiedlichster Meditationstechniken. Diese können das subjektive Stressempfinden beeinflussen und ggf. vor dem Burnout schützen. Diese können und sollten auch in der täglichen Praxis Anwendung finden.

Insgesamt war es ein sehr interessanter Kongress mit vielen neuen Aspekten, die die vielfältigen Aufgaben einer umfassenden Versorgung von Patientinnen in gynäko-onkologischen Praxen widerspiegelte.



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