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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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26. März 2014

Fortgeschrittenes NSCLC mit EGFR-M+ - Aktueller Fall aus der klinischen Praxis

NSCLC: Drei Jahre kein Progress bei guter Lebensqualität unter Afatinib (GIOTRIF®)

Afatinib* (GIOTRIF®) ist eine neu zugelassene Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und aktivierender EGFR-Mutation (EGFR-M+). Unter Behandlung mit dem irreversiblen ErbB-Family-Blocker erreichten Patienten der Subgruppe mit häufigen EGFR-Mutationen (del19/L858R) in der Zulassungsstudie LUX-Lung 3 ein progressionsfreies Überleben (PFS) von 13,6 Monaten vs. 6,9 Monaten unter Cisplatin/Pemetrexed (Abb. 1) (1). Die von Dr. Wilfried Eberhardt vom Universitätsklinikum Essen vorgestellte Kasuistik zeigt, dass der im Rahmen der Zulassungsstudie LUX-Lung 3 behandelte Patient von Afatinib mit einem PFS von insgesamt 3 Jahren profitierte. Wie in LUX-Lung 3 insgesamt bestätigt, hatte er zudem eine gute Lebensqualität (2). "Fälle wie dieser sind ermutigende Beispiele für die erreichten Fortschritte beim NSCLC", so Dr. Eberhardt.

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Eine möglichst lange progressionsfreie Zeit und eine effektive Symptomkontrolle bei guter Lebensqualität gehören zu den wichtigsten Zielen der NSCLC-Therapie. Die Wahl der optimalen Therapie ist besonders wichtig, da die Leitsymptome der Erkrankung - Husten, Atemnot und Schmerzen - die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen können. NSCLC-Patienten wünschen sich daher eine Behandlung, die es ihnen ermöglicht, ihr gewohntes Alltagsleben möglichst lange weiterzuführen.
 

Die Kasuistik auf einen Blick

Patient, 53 Jahre, Nieraucher

Symptome:
- Husten

Diagnose: 2/2010
- NSCLC, Stadium IV
- ossäre und hepatische Metastasierung
- EGFR-Mutation

Therapie: 3/2010 bis 3/2013 (3 Jahre)
- 40 mg Afatinib p.o. täglich

Therapieergebnis:
- deutliche partielle Remission des Primärtumors und der Lebermetastase
- kein Husten mehr
- gute Lebensqualität

Verträglichkeit:
- Nebenwirkungen: Diarrhoe Grad 1, Rash Grad 2, Paronychie, kurzfristig Grad 2; alle Nebenwirkungen waren gut therapierbar

Therapie nach Progress: 3/2013
- Cisplatin + Pemetrexed

Afatinib verbesserte in der Zulassungsstudie die krankheitsbedingten Symptome und verlängerte das Zeit-intervall bis zur klinisch relevanten Verschlechterung der krankheitsbedingten Symptome. Ein verzögertes Auftreten der tumorspezifischen Symptome ist klinisch relevant, da Patienten in gutem Allgemeinzustand für längere Zeit weniger durch Symptome belastet werden. Dies wirkte sich in den Phase-III-Studien LUX-Lung 3 und LUX-Lung 6 positiv auf die Lebensqualität insgesamt aus (1-4). Ein proaktives Therapiemanagement kann die Lebensqualität der Patienten unter Therapie positiv beeinflussen, wie der folgende Fall demonstriert.
 

Abb. 1: LUX-Lung 3: GIOTRIF® verdoppelte nahezu das PFS bei Patienten mit häufigen EGFR-Mutationen (del19/L858R) (1, 2).
 

Diagnose: Fortgeschrittenes NSCLC

Der 53jährige Mann stellte sich wegen eines ausgeprägten trockenen Reizhustens im Februar 2010 bei seinem Hausarzt vor. Aufgrund eines auffälligen Befunds im Röntgen Thorax wurde eine CT veranlasst. Die Aufnahme zeigte einen rechts lateral gelegenen Tumor mit mediastinalen Lymphknoten und eine Lebermetastase. Darüber hinaus wurde skelettszintigraphisch eine multiple ossäre Metastasierung festgestellt. Bis auf den Husten hatte der Patient trotz der ausgedehnten Erkrankung keine weiteren Symptome. Die histopathologische Untersuchung ergab ein nicht-kleinzelliges Adenokarzinom der Lunge im Stadium IV (T2N2M1b nach IASLC-Klassifikation). Im Rahmen der Anamnese wurden eine arterielle Hypertonie und eine Hyperlipoproteinämie dokumentiert. Der Patient war Nieraucher.

Therapie: Erstlinienbehandlung mit Afatinib

Als potenzieller Kandidat für die Phase-III-Studie LUX-Lung 3 wurde der Patient auch hinsichtlich des Mutationsstatus untersucht. Die molekular-pathologische Analyse der Tumorprobe ergab eine aktivierende EGFR-Mutation (del19). Damit lagen alle therapierelevanten Informationen vor. Der Patient stimmte einer Teilnahme an der LUX-Lung 3-Studie zu und wurde auf Afatinib randomisiert. Ab März 2010 begann die orale Therapie mit täglich 40 mg Afatinib.

Abb. 2: LUX-Lung 3: GIOTRIF® führte zu einer signifikanten Verbesserung der Ansprechrate vs. Cisplatin/Pemetrexed (1, 2).
 

Ergebnis: Rasches und lang anhaltendes Ansprechen

Der Patient sprach schnell und sehr gut auf die Therapie mit Afatinib an. Bereits 6 Wochen nach Beginn der Behandlung zeigte sich im CT eine deutliche partielle Remission des Primärtumors und der Lebermetastase (Abb. 2). Dies korrelierte mit einer deutlichen Verbesserung der initialen Symptombelastung - der Patient hatte keinen Husten mehr, und sein Allgemeinzustand entsprach ECOG 0. Insgesamt nahm er Afatinib von März 2010 bis März 2013 ein. Durch die anhaltende Remission konnte somit 3 Jahre lang eine relevante Krankheitskontrolle erreicht werden. Da der Patient darüber hinaus eine gute Lebensqualität hatte, äußerte er sich sehr zufrieden über die Behandlung.

Interdisziplinäres Therapiemanagement

Da mögliche Nebenwirkungen unter einer Therapie mit EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren vor allem in den ersten Wochen beobachtet werden, wurde der Patient in dieser Zeit engmaschig betreut. Eine anfängliche, leichte Diarrhoe (Grad 1) war ohne Behandlung bereits nach einer Woche wieder verschwunden. Behandlungsbedürftige TKI-typische Hautreaktionen waren Rash/Folliculitis und eine Paronychie (jeweils Grad 2, bei Rash nur kurzfristig). Der Hautausschlag besserte sich nach topischer Anwendung von Metronidazol und systemischer Minocyclin-Therapie.  Bezüglich der zunächst rezidivierenden Paronychie erfolgte eine interdisziplinäre Abstimmung mit den Dermatologen des Klinikums. Die Anwendung der empfohlenen kortikoidhaltigen Externa sowie die Einhaltung von bestimmten Verhaltensregeln durch den Patienten führten zu einer deutlichen Besserung auf Grad 1. Insgesamt beeinträchtigten die geringgradigen temporären Nebenwirkungen das Befinden des Patienten kaum. Dies spiegelte sich auch darin wider, dass seine Lebensqualität während der gesamten Therapie gut war.

Weiterer Therapieverlauf

Im März 2013 kam es zu einer Zunahme der Krankheitsaktivität im Primärtumor. Im CT bestätigte sich ein Krankheitsprogress, aufgrund dessen eine konventionelle Chemotherapie mit Cisplatin/Pemetrexed eingeleitet wurde.

Fazit

Der Patient hat unter Afatinib-Therapie aufgrund der erreichten Langzeitremission drei Jahre nahezu beschwerdefrei gelebt. Dies ist für ein NSCLC im Stadium IV eine relevante Zeitspanne. Gleichzeitig führte die Behandlung zu einer signifikanten Besserung des initialen Leitsymptoms Husten und einer guten Lebensqualität. Dieser Erfolg konnte mit einem adäquaten Therapiemanagement unterstützt werden. Dadurch war es möglich, Afatinib über die gesamten 3 Jahre ohne Dosisreduktionen zu geben und die Wirksamkeit bestmöglich auszuschöpfen. Daran anknüpfend konnte er auch noch einer Zweitlinientherapie zugeführt werden.

Anne Krampe-Scheidler

*Afatinib ist zugelassen zur Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem und/oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen.


Literaturhinweise:
(1) Sequist L et al. J Clin Oncol 2013;31(27):3327-3334.
(2) Yang J et al. J Clin Oncol 2013;31(27):3342-3350.
(3) Wu YL et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8016).
(4) Geater SL et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8061).


Mit freundlicher Unterstützung der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

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