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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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24. Februar 2014

Meningeosis neoplastica - der verborgene Feind

H. Strik, Neurologische Klinik Philipps Universität Marburg.

Auch im Jahr 2013 ist die Erkennung und individualisierte Behandlung der Meningeosis neoplastica eine anhaltende Herausforderung, denn die Ausbreitung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten ist meist Ausdruck einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung und mit einer schlechten Prognose verbunden. Dabei ist ein therapeutischer Nihilismus nicht angebracht. Denn immer wieder können auch bei bereits deutlichen klinischen Symptomen klinische Stabilisierungen über einen längeren Zeitraum erreicht werden.

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Eine spezifische Symptomatik für Meningeosen existiert nicht. Daher muss bei diskreten, aber unspezifischen neurologischen Symptomen immer auch an eine Meningeose gedacht und eine entsprechende Diagnostik mittels MRT und Liquorzytologie eingeleitet werden, insbesondere bei vorbekannter Neoplasie. Eine MRT-Diagnostik des gesamten zentralen Nervensystems ist bei multiplen Symptomen unerlässlich. Erst nach Ausschluss obstruierender Raumforderungen erfolgt die Liquordiagnostik. Dabei muss auf die Abnahme einer ausreichenden Liquormenge und rasche Verarbeitung zu zytologischen Präparaten geachtet werden, um eine qualitativ hochwertige zytologische Beurteilung zu ermöglichen.

Trotz Therapie ist die Prognose bei Meningeosis neoplastica insbesondere bei den soliden Neoplasien sehr unbefriedigend, mit medianen Überlebenszeiten von 7-12 Monaten bei Patientinnen mit Mammakarzinom und je etwa 4 Monaten bei Bronchialkarzinomen und bei malignen Melanomen. Zur optimalen Behandlungsstrategie gibt es leider nur eine sehr unzureichende Datenbasis. Prospektiv randomisierte Studien existieren kaum und unterscheiden bislang nicht zwischen den verursachenden Primärtumoren. Zudem ist die Vergleichbarkeit in den Behandlungsgruppen durch Unterschiede beim Status des Primärtumors und der Verteilung von systemischen und soliden ZNS-Metastasen stark eingeschränkt.

Dadurch ist der Stellenwert der Behandlungsoptionen - systemische und intrathekale Therapie sowie Ganzhirn- und kraniospinale Bestrahlung - schwer zu ermitteln. Mehrere retrospektive Auswertungen aus den letzten Jahren belegen einen positiven Effekt einer systemischen Chemotherapie bei einer Meningeosis neoplastica durch solide Tumore. Der Effekt einer intrathekalen Therapie ist nicht eindeutig belegt. Allerdings konnten z.B. Serien mit reiner systemischer Chemotherapie bei Mammakarzinom selbst im besten Fall keine vergleichbaren Überlebenszeiten erzielen, wie sie bei günstigen Verläufen mit intrathekaler Therapie von teils deutlich über 1 Jahr durchaus möglich sind.

Startzeitpunkt des Registers war der 1.1.2014. Eine Anmeldung zur Teilnahme am Register und zur vorherigen Teilnehmerschulung ist möglich unter www.meningeosis.net. oder per mail an info@meningeosis.net.

Mit liposomal verkapseltem Ara-C (DepoCyte®), das mindestens für 2 Wochen zytotoxische Wirkspiegel im Liquor aufrechterhält, steht seit einigen Jahren ein modernes Medikament mit optimierter Galenik zur intrathekalen Behandlung zur Verfügung. Dadurch müssen die intrathekalen Gaben nur einmal alle zwei bis vier Wochen erfolgen, was den Patienten, im Gegensatz zur Standardtherapie mit MTX, etliche Punktionen erspart und dadurch ihre Lebensqualität deutlich verbessert. Eine große prospektiv randomisierte Studie bei Patienten mit verschiedenen hämatologischen Neoplasien und soliden Tumoren konnte belegen, dass liposomales Ara-C bei rein lumbaler Applikation eine bessere Effizienz besitzt als MTX. Weitere prospektive randomisierte Studien zur Effizienz von liposomalem Ara-C bei ausgewählten soliden Tumoren mussten leider wegen der kleinen Fallzahlen und den daraus resultierenden Rekrutierungsproblemen geschlossen werden.

Aufgrund der geringen Datenbasis ist heute immer noch schwer abzuschätzen, welche Kombination aus Bestrahlung, intrathekaler und systemischer Chemotherapie den besten Mittelweg aus Belastung und Therapieeffizienz bietet.

Da also in absehbarer Zukunft prospektiv randomisierte Studien aus methodischen und organisatorischen Gründen nicht zu erwarten sind, wurde an der Universität Marburg ein Internet-basiertes Register zur Dokumentation von Krankheitsverläufen bei Meningeosis neoplastica entwickelt. Das über jeden gängigen Internet-Browser zugängliche Register bietet die Möglichkeit, neben klinischem Erscheinungsbild, Allgemeinzustand und histologischer Diagnose auch das Erkrankungsstadium und Informationen zum Remissionsstatus von Primärtumor, systemischen Metastasen, ZNS-Metastasen und Meningeose differenziert anzugeben. Detaillierte Angaben zu Bestrahlungsmodalitäten, systemischer und intrathekaler Chemotherapie können genauso dokumentiert werden wie Informationen zu den Ergebnissen von bildgebender und Labordiagnostik. In der Abschlussdokumentation können neben dem Todeszeitpunkt auch weiterführende Informationen über die Todesursache - z.B. durch die Meningeose oder systemische Metastasierung - gegeben werden. Dies ist wichtig, da etwa 30-50% der Patienten mit Meningeosen am systemischen Progress versterben. Durch eine möglichst große Anzahl von dokumentierten Krankheitsverläufen sollen Rückschlüsse auf die Art der verabreichten Behandlungen und auf die Effizienz der verschiedenen Therapiemodalitäten differenziert nach den einzelnen Tumorentitäten möglich werden.

Fortbildungsveranstaltung zur Klinik, Diagnostik und individualisierten Therapie der Meningeosen am 2.11.2013 in Nürnberg

 

 

Prof. Dr. med. Herwig Strik

Neurologische Klinik, Philipps Universität Marburg
Baldinger Straße
35033 Marburg

Tel.: 06421/586 51 79
Email: strik@med.uni-marburg.de

 

 

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