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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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03. August 2015

Metastasiertes Mammakarzinom: Effektive Taxantherapie mit nab-Paclitaxel

Für Patientinnen mit metastasiertem HER2-negativen/HR-positiven Mammakarzinom (mBC) empfiehlt die Organkommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) nab-Paclitaxel (Abraxane®) als palliative Chemotherapie nach Anthrazyklin-Vorbehandlung in der adjuvanten oder metastasierten Situation. nab-Paclitaxel ist eine kolloidale Suspension von Paclitaxel und humanem Serumalbumin sowie das erste pharmazeutische Produkt mit Nanotechnologie, das auf dem Markt zugelassen wurde.

Die Besonderheiten von nab-Paclitaxel beruhen laut PD Dr. Marc Thill, Frankfurt/Main, darauf, dass die nab-Plattform die einzigartigen Transporteigenschaften von Albumin (Glycoproteinrezeptor gp60 und secreted protein acidic and rich in cysteine (SPARC)) nutzt, was zu einer höheren antitumoralen Konzentration und selektiven Anreicherung im Tumorgewebe führt. Thill erklärte: „Körpereigene Transportmechanismen werden verwendet, um etwas Artifizielles, sprich hier das Zytostatikum, in die Tumorzelle hineinzubringen. Die Therapie wird somit direkt an den Wirkort gebracht, da wo wir sie haben wollen, nämlich in der Krebszelle.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass durch eine rasche Elimination aus dem intravasalen Raum weniger Neutropenien auftreten. Des Weiteren werden keine Lösungsvermittler gebraucht, die bei herkömmlichen Taxanen erforderlich sind, aber zum Teil sehr heftige allergische Reaktionen hervorrufen. Wie Thill betonte, kann durch die Abwesenheit von Lösungsvermittlern auch auf Antihistaminika und Kortikosteroide verzichtet werden, was für die Patientinnen, insbesondere Diabetikerinnen, ein weiterer Benefit ist.

 

Prinzipien der palliativen Therapie

Welche Faktoren für die Auswahl einer palliativen Systemtherapie beim mBC entscheidend sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, so PD Dr. Cornelia Liedtke, Lübeck. Die Gabe eines Zytostatikums wird u.a. vom Hormonrezeptorstatus mitbestimmt: Während beim metastasierten Hormonrezeptor-negativen Mammakarzinom die Indikation klar ist, stellt beim metastasierten Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom die endokrine Therapie die erste Option in der Behandlung dar. „D.h. wir müssen rechtfertigen, wenn wir uns für eine Chemotherapie entscheiden. Die Rechtfertigung begründet sich in der Regel durch das Ausmaß der Erkrankung. Vor allem dann, wenn eine Therapiedringlichkeit besteht, ist eine Chemotherapie indiziert“, sagte Liedtke. Bei der Wahl des Zytostatikums gibt es ebenso eine Reihe von Aspekten, die in der Tumorkonferenz diskutiert werden müssen. Laut Liedtke geht es dabei um die Tumorbiologie, Art der Vorbehandlung, mögliche Therapieresistenz, Kombination mit Biologicals, Aggressivität der Erkrankung, Lokalisation der Metastasen, Mono- versus Polychemotherapie, Begleiterkrankungen, Lebenserwartung sowie schließlich auch um die Erwartungen und Präferenzen der Patientinnen selbst. Bei der palliativen Therapiesituation steht deshalb nicht immer nur alleine die Effizienz im Vordergrund, vor allem die Lebensqualität ist mitentscheidend, weshalb bei der Behandlung die Toxizität in besonderem Maße berücksichtigt werden sollte.

 

Verträglichkeit und Wirksamkeit von nab-Paclitaxel

Die Therapie mit nab-Paclitaxel (260 mg/m2 als 30-minütige Infusion alle 3 Wochen ohne Prämedikation) zeigt den Ergebnissen der Zulassungsstudie zufolge eine gute Verträglichkeit. Hierbei traten seltener Grad-3- und Grad-4-Neutropenien auf als in der Kontrollgruppe (Therapie mit konventionellem Paclitaxel, 175 mg/m2 alle 3 Wochen plus übliche Standardprämedikation mit Antihistaminika und Dexamethason). Bezüglich der Gesamtansprechrate (ORR) wurde außerdem unter der Therapie mit nab-Paclitaxel im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung deutlich, ebenso wie eine signifikante Verzögerung der Krankheitsprogression.

Eine hohe Wirksamkeit zeigte nab-Paclitaxel zudem in 2 Phase-II-Studien bei wöchentlicher Gabe. „Das Regime mit 125 mg/m2 nab-Paclitaxel wöchentlich über 3 Wochen und einer Woche Pause hat sich wegen seiner hohen Wirksamkeit und des akzeptablen Nebenwirkungsprofils bewährt“, betonte Prof. Hans-Joachim Lück, Hannover.

 

Biologie des Tumors ist entscheidend für die Therapie

Wie von Lück ausgeführt wurde, hängt die Wirksamkeit eines Zytostatikums sehr entscheidend von der Tumorbiologie ab, welche zum Zeitpunkt der Indikationsstellung besteht. Konkret bedeutet dies, dass die tumorbiologischen Faktoren einer Metastase relevant sind. „Deshalb sollte, und das steht schon seit Jahren in den AGO-Empfehlungen, sofern den Patientinnen zumutbar, eine Biopsie der Metastase gewonnen werden“, betonte Lück und ergänzte: „Wir müssen wegkommen vom empirischen Therapieverhalten, in dem wir wahllos Substanzen einsetzen, sondern vielmehr die Biologie des Tumors beachten. Chemotherapie hat das Potenzial zur Überlebenszeitverbesserung und dabei steht für die Patientinnen die Symptomverbesserung bei guter Lebensqualität im Vordergrund.“

siko
Pressegespräch „Metastasiertes Mammakarzinom: Für welche Patienten ist nab-Paclitaxel die effektivste Taxantherapie?“, 20.05.2015, Frankfurt/Main; Veranstalter: Celgene GmbH
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