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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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24. Februar 2014

Lebensrettende Forschung, individuelle Therapie: Transplantation am Universitätsklinikum Essen

Stellv. Pressesprecherin Kristina Gronwald, Universitätsklinikum Essen (AöR), Essen.

Das Universitätsklinikum Essen (UK Essen) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Eurotransplant-Region zu einem der führenden Zentren für Transplantationsmedizin entwickelt: Es ist eine der wenigen Universitätskliniken, an der Mediziner Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge verpflanzen: Mit 144 Leber- und 155 Nierentransplantationen war 2011 der bisherige Höhepunkt erreicht. 2012 lagen die Zahlen mit 139 Lebern und 133 Nieren nur wenig darunter. Auch im bundesweiten Vergleich ist Essen Spitze: Eine aktuelle Erhebung des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) listet das UK Essen auf dem ersten Platz bei der Lebertransplantation - eine Auszeichnung und gleichzeitig Bestätigung für einen der drei Schwerpunkte des Klinikums.

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Forschung für neue Therapien und bessere Erfolgschancen

Die Transplantation ist auch einer der wissenschaftlichen Schwerpunkte des Universitätsklinikums: Sowohl klinische Forscher als auch Grundlagenforscher arbeiten hier in verschiedensten drittmittelgeförderten Projekten und in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft an der Entwicklung neuer Verfahren und therapeutischer Maßnahmen.

Die Spezialisten konzentrieren sich hierbei auf mehrere Schwerpunkte - darunter die wissenschaftliche Untersuchung der Transplantation von Organen mit erweiterten Spenderkriterien. Sie prüfen dabei, inwieweit Organe verpflanzt werden können, obwohl der Spender älter war, das Organ verfettet ist oder die Laborwerte nicht optimal sind. Diese Untersuchungen sind - anders als bei fast allen anderen Zentren in Deutschland - sogar nachts möglich, sodass betroffene Patienten zeitnah transplantiert werden können.

Die Organspende nach dem Tod, darunter die Konservierung von Organen Verstorbener, haben die Essener Mediziner ebenfalls erfolgreich erforscht. Das Ergebnis sind eine bessere Qualität der Transplantate und geringere Abstoßungsreaktionen. Darüber hinaus sind Transplantationen entgegen der eigentlich passenden Blutgruppe des Empfängers möglich. Damit das so gespendete Organ vom Körper des Empfängers nicht abgestoßen wird, ist es erforderlich, dessen Immunsystem zu unterdrücken. Hierfür benötigt der Patient entsprechende Medikamente. Deshalb beteiligt sich das UK Essen an Studien, die zur Zulassung solcher Arzneimittel führen und geführt haben. Hier leistet das Essener Klinikum aufgrund seiner Expertise und hohen Patientenzahlen einen wichtigen Beitrag.
 

 

Transplantation bei Tumorerkrankungen

Eine Transplantation kann auch bei Krebserkrankungen eine sehr gute Therapieoption mit hervorragenden Langzeitergebnissen sein, so beispielweise beim Klatskins-Tumor, einem Karzinom des oberen Gallengangdrittels. Das gleiche gilt für Leberkrebs (HCC). Weltweit ist HCC mit rund 748.300 Neuerkrankungen pro Jahr der fünft-häufigste bösartige Tumor und die dritthäufigste tumorbedingte Todesursache. Bei beiden Tumorerkrankungen hat das UK Essen wichtige Anstöße zur Grundlagenforschung und Patientenversorgung geliefert.

Lebertransplantation: Schwerpunkt Leberversagen

Besonderes Augenmerk legen die Essener Transplantationsmediziner auf die Behandlung von Patienten mit akutem Leberversagen: Diese Patienten fühlen sich zunächst völlig gesund, dann aber innerhalb kürzester Zeit sehr schlecht. Die einzige Therapiemöglichkeit: Eine Lebertransplantation. Dann zählt jede Minute - eine längere Wartezeit auf das Organ hätte in den meisten Fällen den Tod des Patienten zur Folge.

Um schnellstmöglich helfen zu können, haben die Spezialisten des UK Essen die "Acute liver study" ins Leben gerufen (http://www.akutesleberversagen.de) und damit ein Netzwerk gegründet, das es der zuweisenden Klinik ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit telefonisch oder per E-Mail mit den entsprechenden Experten in Kontakt zu treten. Sobald ein nicht mehr umkehrbarer Leberschaden durch Kreislaufinstabilität oder die Zunahme der Enzephalopathie - eine Verwirrtheit bedingt durch die Leberinsuffizienz - und ein geeignetes Organ vorliegt, werden die betroffenen Patienten kurzfristig auf eine spezielle Intensivstation aufgenommen und für die Transplantation vorbereitet.

Kürzere Wartezeiten dank "Lebendspende"

Basis für eine solche Operation sind Organe, die Verstorbenen entnommen werden. Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte "Lebendspenden": Hierbei stellt ein naher Angehöriger einen Teil seiner eigenen Leber zur Verfügung. Das kann die Wartezeit auf ein neues Organ entscheidend verkürzen und damit - gerade bei Tumorerkrankungen - lebensrettend sein. Für die "Lebendspende" kommen allerdings nur wenige Verwandte und andere dem Patienten nahestehende Menschen, in Frage. Da für die Leberlebendtransplantation ein gesunder Mensch operiert wird, müssen höchste medizinische und ethische Ansprüche erfüllt sein, um das damit verbundene Risiko des Spenders so gering wie möglich zu halten. Deshalb überprüft eine Ethikkommission am UK Essen vor einer möglichen Operation aus rechtlicher Sicht, ob eine Spende zulässig ist. Kriterien sind unter anderem, ob die Spende freiwillig ist und ob finanzielle Motive ausgeschlossen sind. In den letzten zehn Jahren wurden bei mehr als 2.000 potentiellen Spendern Voruntersuchungen für eine Leberlebendspende eingeleitet. Am UK Essen haben die Spezialisten bereits über 250 Lebertransplantationen mit einer Lebendspende durchgeführt, unter anderem bei 70 Kindern. Denn nicht nur Erwachsene, auch Kinder können bereits auf eine Organtransplantation angewiesen sein - um angeborene Stoffwechselerkrankungen, Fehlanlagen oder Tumore zu behandeln. Alleine in Essen haben bisher über 250 Kinder eine neue Leber und mehr als 400 eine neue Niere erhalten. Basis hierfür ist die enge Kooperation der Transplantationsmediziner mit den Pädiatern des UK Essen.

"Lebendspende" bei Nieren

Neben der Leber kommt die "Lebendspende" auch bei der Niere zum Einsatz: Aktuell entnehmen die Essener Mediziner etwa 20 Prozent der zu transplantierenden Nieren bei Lebendspendern. Gerade für Kinder ist die Nierentransplantation durch die Lebendspende eine wichtige Therapieoption, um eine Dialyse zu vermeiden, die mehrmals pro Woche notwendig wäre, und so die Lebensqualität der jungen Patienten zu steigern.

Insgesamt fanden bisher über 370 Nierenlebendspenden bei Kindern und Erwachsenen im UK Essen statt. Zur Entnahme der Niere haben sich sowohl offene, als auch minimal-invasiv-chirurgische Zugangswege, beispielsweise durch eine sogenannte Laparoskopie, etabliert. Welche Technik für den Spender die richtige ist, wird jeweils individuell ermittelt.

Transplantation von Herz und Lunge

Ein weiterer Schwerpunkt der Transplantationsmedizin liegt auf den thorakalen Organen, darunter insbesondere Herz und Lunge. Nach über 300 durchgeführten Lungen- und 169 Herztransplantationen können die Ärzte des Westdeutschen Herzzentrums auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen, um Patienten vor, während und nach der Transplantation individuell und auf hohem medizinischem Niveau zu begleiten. Dabei arbeiten sie eng mit den Medizinern der Kardiologie, Chirurgie und internistischen Medizin zusammen und legen so die Grundlagen für eine optimale Therapie fest. Aus diesem Grund begutachten die Klinikteams auch alle zur Transplantation vorgesehenen Herzen und Lungen persönlich vor Ort. Dafür nehmen die Essener Ärzte zum Teil Anreisen von bis zu 2.000 Kilometern in Kauf. Diese Strategie zahlt sich insgesamt aus: So beträgt die Sterblichkeit nach einer Lungentransplantation am UK Essen - bezogen auf die ersten drei Monate - aktuell 10 Prozent. Damit gehört das Westdeutsche Herzzentrum Essen (WHZ) zu den führenden Transplantationszentren in Deutschland.

Unterstützung kranker Organe

Für den Fall, dass keine geeigneten Spenderorgane zur Verfügung stehen, haben die Mediziner ebenfalls vorgesorgt: Am UK Essen stehen sämtliche modernen Verfahren zur Unterstützung des Herzens und der Lunge zur Verfügung. So wurden 2013 unter anderem die neue Herzambulanz und die neue Herzstation für Patienten mit terminaler Herz- oder Lungeninsuffizienz am Westdeutschen Herzzentrum Essen eröffnet. Insgesamt 14 Betten stehen Patienten, die an Herzinsuffizienz im Endstadium leiden, seitdem auf einer neuen und hierfür ausgelegten Station zur Verfügung. Das dort arbeitende Team bietet das gesamte Spektrum an Therapien von der klassischen konservativen und interventionellen Therapie der Herzinsuffizienz über mechanische Herz- und Lungenunterstützungssysteme bis hin zur Kunstherzimplantationen an. Auch niedergelassene Ärzte finden hier kompetente Ansprechpartner und gegebenenfalls eine Therapieoption, wenn sie Patienten mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen betreuen, denen es trotz intensiver Behandlung immer schlechter geht. Patienten, die nicht rechtzeitig transplantiert werden können, erhalten so eine effektive und lebensrettende Behandlung.

Die allogene Transplantation Blut-bildender Stammzellen

Neben der Transplantation von sogenannten soliden Organen wurden in den vergangenen zehn Jahren allein in Deutschland mehr als 20.000 Patienten mit einer "allogenen Stammzellentransplantation" (SZT) behandelt. In der Klinik für Knochenmarktransplantation am UK Essen erhielten im Jahre 2013 insgesamt 206 Patienten (195 Erwachsene und 11 Kinder) eine allogene Stammzelltransplantation. Insgesamt wurden bislang mehr als 3500 Patienten mit einer allogenen Stammzelltransplantation an der Klinik behandelt. Damit gehört Essen zu den weltweit größten Zentren.

Bei der Therapie erhalten die Patienten blutbildende Stammzellen eines gewebeverträglichen Spenders. Dieses Verfahren kommt insbesondere bei Erkrankungen wie akuten und chronischen Leukämien sowie bösartigen Lymphknotenerkrankungen in fortgeschrittenen Stadien zur Anwendung, bei denen andere Therapien nicht zum Erfolg geführt haben. In den letzten Jahren haben Mediziner schonendere Techniken der zuvor sehr intensiven und entsprechend risikoreichen Behandlung entwickelt. Seitdem können auch in zunehmenden Maße ältere Patienten von der Behandlung profitieren - zuvor kamen wegen des Nebenwirkungsrisikos fast ausschließlich jüngere Menschen in gutem Allgemeinzustand für die SZT in Frage.

Um die "allogene Stammzellentransplantation" weiter zu entwickeln, haben mehr als 20 europäische Universitätszentren für allogene SZT unter der Leitung der Essener Klinik für Knochenmarktransplantation eine große internationale Studie begonnen. Ihr Ziel ist es, ein neues Verfahren - die sogenannte "Intensitäts-reduzierte Konditionierungstherapie" mit dem das erkrankte Knochenmark und lymphatische Gewebe vor der "allogenen SZT" abgetötet wird - bei älteren Patienten auf seine Wirksamkeit und Verträglichkeit zu untersuchen.

Das neue Verfahren hat bereits in entsprechenden Patientengruppen seine sehr gute Wirksamkeit und Verträglichkeit unter Beweis gestellt, muss nun aber noch mit dem bislang eingesetzten Standardverfahren direkt verglichen werden.

Die Studie ist weltweit die umfassendste vergleichende Untersuchung bei älteren Patienten im Rahmen der "allogenen SZT". Sie soll entscheidend dazu beitragen, dass dieses Therapieverfahren auch den Patienten künftig zugute kommt, die bislang wegen zu hoher Risiken nicht zu einer lebensrettenden Transplantation zugelassen werden konnten.

Weitere Forschung notwendig

Das Beispiel der "allogenen SZT" verdeutlicht, dass im Bereich der Transplantation in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Fortschritte gemacht wurden, es aber immer noch Patienten gibt, denen die Mediziner nicht helfen können.

Aus diesem Grund forschen die Kliniken und Institute des UK Essen in mehreren Studien und Projekten weiter. Zum Beispiel daran, wie Spenderorgane durch die Konservierung vor der Transplantation so schonend wie möglich gelagert werden können. Um dies herauszufinden, führen die Transplantationsmediziner die sogenannte OPAL-Studie klinisch durch. Ziel ist es, die Endphase der bislang üblichen kalten Lagerung einer gespendeten Leber durch Zugabe von Sauerstoff zu verbessern und so eine Schädigung des Organs zu verhindern. Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

In einem weiteren Projekt testen Wissenschaftler und Ärzte die Maschinenperfusion von Nieren: Durch Anschluss an einen Pumpenkreislauf wird das konservierte Organ permanent mit kühler Lösung versorgt; und zwar pulsartig, also passend zur Physiologie des Körpers. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, eine Fortführung der als Pilotprojekt angelegten Untersuchung ist in mehreren deutschen Transplantationszentren geplant. Auch die warme Lagerung von Niere und Leber wird zurzeit experimentell und voraussichtlich bald auch in klinischen Studien untersucht.

Auch im Bereich von Herz und Lunge forschen die Essener Wissenschaftler. Aktuell entwickeln sie eine neue Konservierungslösung zur Herz- und Lungenaufbewahrung mit. Diese soll eine optimale Organkonservierung bis zur Verpflanzung gewährleisten. Außerdem arbeiten sie an einem miniaturisierten Herz- und Lungenunterstützungssystem, damit Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht transportfähig waren, sicher zur weiteren Behandlung zu einem Transplantationszentrum gebracht werden können. Zusätzlich werden in einem interdisziplinären Forschungsansatz bei Patienten mit kardialer Kreislaufunterstützung (Kunstherzimplantation) die Reparaturprozesse am Herzen erforscht um mittelfristig auch neue Therapieansätze Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz anbieten zu können.


Stellv. Pressesprecherin
Kristina Gronwald

Universitätsklinikum Essen (AöR)
Marketing und Kommunikation
Hufelandstraße 55
45147 Essen

Tel.: 0201/723 3683
Fax.: 0201/723 5618
E-Mail: kristina.gronwald@uk-essen.de
Internet: www.uk-essen.de

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