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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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09. Februar 2017 Seite 2/2
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JOURNAL ONKOLOGIE: Welche innovativen chirurgischen Verfahren befinden sich auf dem Vormarsch?

Dietz:
Die Inzidenz der Oropharynxkarzinome steigt kontinuierlich, während die der Kehlkopf- und Hypopharynxkarzinome eher stabil ist. Und bei den Oropharynxkarzinomen werden die transoralen Verfahren zunehmend häufiger eingesetzt. Sie verdrängen die großen Eingriffe über einen offenen Zugangsweg. Es gibt verschiedene Techniken wie die transorale Laserchirurgie oder die Operation mit dem da-Vinci-System. Aktuell sehen wir weltweit sehr interessante technische Entwicklungen, die die Systeme für die HNO-Anwendung deutlich praktikabler machen. Bei den transoralen Verfahren gelten die gleichen onkologischen Prinzipien. So ist darauf zu achten, dass die Sicherheitsabstände nicht vernachlässigt werden.

Entscheidungskriterium für den transoralen Zugangsweg ist die Tumorausdehnung, und sicher spielt auch die persönliche Erfahrung eine Rolle.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Bedeutung besitzt heute die Salvage-Chirurgie?

Dietz:
Die Bedeutung der Salvage-Chirurgie nimmt eher ab, da versucht wird, häufiger primär zu operieren. Eine primäre Radiochemotherapie kann zu eklatanten Verläufen führen und die Patienten erleben danach oft Toxizitäts-bedingte Gewebeveränderungen, die eine Operation als äußerst schwierig bis zu manchmal nicht mehr durchführbar werden lassen. Deshalb meine Bitte an die Kollegen, dass z.B. bei einem gut durch Laryngektomie operablen T4a-Larynxkarzinom gleich zu operieren und keine Versuche mit einer Radiochemotherapie durchzuführen. Eindeutiger Trend ist: Salvage-Chirurgie so wenig wie möglich.

Die Studie von Mehana et al., die letztes Jahr im New England Journal of Medicine publiziert wurde, hat gezeigt, dass selbst eine Neck-Dissektion bei Vorliegen von Lymphknotenmetastasen vor Radiochemotherapie im Falle einer  posttherapeutischen PET-CT-Negativität nicht durchgeführt werden muss. Damit konnte die Rate der Salvage-Neck-Dissektionen auf 20% heruntergebrochen werden, ohne dass sich ein Nachteil im Überleben bei den Patienten gezeigt hat. Früher wurde oft bei vorbestehenden vergrößerten Lymphknoten nach erfolgter Radiochemotherapie eine geplante Neck-Dissektion durchgeführt. Heute kann man bei negativer PET-CT darauf verzichten.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Prognose haben Sie für die Zukunft?

Dietz:
Die chirurgischen Eingriffe werden immer weniger invasiv, mit dem Ausmaß der Neck-Dissektion ist man deutlich zurückhaltender und die Möglichkeiten, die sich durch die Immuncheckpoint-Inhibitoren bieten, sind vielversprechend, so dass ich optimistisch in die Zukunft sehe. Ein weiterer positiver Trend ist, dass sich immer mehr Zentren in Deutschland zertifizieren lassen. Bundesweit gibt es mittlerweile über 20 zertifizierte Zentren für Kopf-Hals-Tumoren und der Anteil derer, die sich zertifizieren lassen, steigt. In Studien wurde gezeigt, dass die spezifizierten Zentren zu besseren Therapieergebnissen kommen.


Vielen Dank für das Gespräch!
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