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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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09. Februar 2017 Seite 1/2

Kopf-Hals-Tumoren – die Trends in der Chirurgie

Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Dietz, Universitätsklinik Leipzig.

Die chirurgische Therapie der Kopf-Hals-Tumoren hat sich in den letzten Jahren beträchtlich weiter entwickelt. Welche neuen Trends und Standards sich daraus ergeben, erläuterte Prof. Dr. Andreas Dietz von der Universitätsklinik Leipzig in einem Interview mit JOURNAL ONKOLOGIE.
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Prof. Dr. med Andreas Dietz
JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Dietz, was sind die entscheidenden Kriterien für oder gegen eine primäre Resektion und die sich daraus ergebenden Therapiepfade?

Dietz:
Entscheidende Kriterien sind die Ausdehnung des Primärtumors und der Status des Halslymphknotenbefalls. Wenn man sicher davon ausgehen kann, dass eine R0-Resektion möglich ist – also die komplette Entfernung des Tumors mit einem Sicherheitsabstand von 5 mm –, dann ist immer eine chirurgische Indikation gegeben. Wenn eine Resektion zwar technisch möglich ist, aber eine bestimmte Funktion nicht mehr erhalten werden kann, wie etwa bei einer Komplettentfernung der Zunge, würden wir eine primäre Radiochemotherapie durchführen – auch in einer T4a-Situation. Beim Kehlkopf gilt dasselbe. Auch wenn der Kehlkopf wegen eines fortgeschrittenen Stadiums entfernt werden muss, gibt es doch Patienten, die sich für eine Strahlen-/Chemotherapie als Alternative entscheiden. In Deutschland wird aber die Strategie verfolgt, gerade auch große Kehlkopftumoren und Oropharynxkarzinome primär zu operieren, weil die Ergebnisse nach Chirurgie – auch was das Überleben angeht – besser sind. Dazu existieren mittlerweile auch Daten aus amerikanischen Studien. Ist eine R0-Situation nach vorheriger Einschätzung nicht erreichbar, sollte einer primären Radiochemotherapie der Vorzug gegeben werden. Wenn eine Chirurgie irgendwie möglich ist mit Aussicht auf Erhalt einer sinnvollen Funktion, sollte deshalb die Chirurgie, gefolgt von einer Rekonstruktion durchgeführt werden. Bei der Rekonstruktion kommen mittlerweile mikrovaskuläre anastomosierte Fernlappen zur Anwendung, die gute Ergebnisse erzielen.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie geht man bei einem Rezidiv vor?

Dietz:
Auch hier sollte vorher unbedingt geprüft werden, ob das Rezidiv operabel ist. Es gibt Daten, die ganz klar belegen: Ist das Rezidiv noch operabel, dann ist die Chirurgie die bessere Wahl. Wenn eine Chirurgie nicht mehr möglich ist, kommen die Erst- oder Zweitlinienchemotherapien zur Anwendung. Standard in Deutschland ist eine Erstlinientherapie mit Cisplatin, 5-FU und Cetuximab.


JOURNAL ONKOLOGIE: Ergeben sich neue Möglichkeiten mit den Checkpoint-Inhibitoren?

Dietz:
Im Moment noch nicht. Wir rechnen aber in Kürze mit der Zulassung von Nivolumab und später auch Pembrolizumab für die Zweitlinie. Die Studie mit Nivolumab war positiv. Subgruppenanalysen haben aber ergeben, dass es unterschiedliche Ansprechsraten bei Asiaten, Europäern und Nordamerikanern gegeben hat. Deshalb nehme ich zunächst eher die Position eines vorsichtigen Beobachters ein. Die Standards werden sicher so schnell nicht verlassen werden. Im Moment werden sehr viele Studien durchgeführt, um diese Substanzen besser kennenzulernen und eine Idee dafür zu bekommen, für welche Patienten sie sinnvoll sind. Es laufen auch viele Studien in der Erstlinientherapie. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Kopf-Hals-Tumoren (IAG-KHT) bringt in Deutschland die ADRISK-Studie auf den Weg, die den Einsatz von Pembrolizumab in der adjuvanten Therapie von operablen Patienten mit erhöhtem Rezidivrisiko, also in der operativen Primärtherapie prüfen wird.
 
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