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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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07. Dezember 2017

Komplementärmedizinische Optionen unter Chemotherapie oder zielgerichteter Therapie

B. Ost, 1. Vorsitzender des NATUM (Naturheilkunde, Akupunktur, Umwelt- und Komplementärmedizin) e.V., Komplementärmedizinisch-onkologische Schwerpunktpraxis, Düsseldorf.

Die schulmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten in der Onkologie werden immer spezifischer und immer effektiver, aber das Nebenwirkungsspektrum wird in vielen Anwendungsbereichen auch leider gravierender und schränkt z.T. die Lebensqualität erheblich ein. Komplementärmedizinische Therapieansätze haben gerade hier eine besondere Möglichkeit dem Begriff des Komplementären (Ergänzenden) gerecht zu werden, um die Nebenwirkungen zu mindern oder zu beseitigen.
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Wichtig ist die Beratungskompetenz des Arztes
 
Es gibt jede Menge fragwürdiger und sogar schädlicher Alternativpräparate bei Krebs, welche im Internet angeboten werden und in Deutschland und z.T. weltweit verboten sind. Dem einzelnen Bürger aber steht es frei, sich im Ausland solche Präparate zu besorgen. Diese rechtliche, ganz individuelle Freiheit wird leider allzu oft gleichgesetzt mit Bedenkenlosigkeit und Sicherheit. „Man könne es ja nicht bestellen, wenn es kriminell wäre“ – so die naive Meinung bei solchen Bestellungen. Diese betrügerischen Angebote sind oft mit angeblichen Studien belegt, welche niemals offiziell vorgelegt wurden und mit angeblich tausenden Dankesschreiben (ganz sicher aus der gleichen Feder des Herstellers) unterlegt sind. Umso wichtiger ist für jeden onkologisch tätigen Arzt eine entsprechende Beratungskompetenz durch einen umfassenden komplementärmedizinischen und alternativen Kenntnisstand. Hierzu bietet die NATUM als AG der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Zusammenarbeit mit der Universitätsfrauenklinik in Essen ein dreiteiliges Curriculum „Ganzheitliche gynäkologische Onkologie“ an.
 

Für welche Nebenwirkungen ist die Komplementärmedizin eine ideale Option?
 
• Übelkeit
• Erbrechen
• Fatigue-Syndrom
• Haut- und Schleimhautprobleme

Übelkeit und Erbrechen
 
Übelkeit und Erbrechen lassen sich sehr effizient mit Ingwerwasser (ggf. auch Ingwertabletten oder Kapseln) behandeln. Marx et al. publizierten 2015 eine Übersichtsstudie (1), bei der die Wirksamkeit von Ingwer bei Nausea und Erbrechen untersucht wurde. Die Autoren überprüften 9 Studien und 7 Übersichtsarbeiten. Dabei gelangten sie zu einem positiven Resultat. Der bedeutende antiemetische Inhaltsstoff ist das 6-Gingerol. Die Patienten sollten schon vor der Chemotherapie mit der täglichen Einnahme von Ingwerwasser beginnen. Nebenbei ist Ingwerwasser auch blutdrucksenkend. Die Zubereitung von Ingwerwasser ist sehr einfach. Eine ca. daumendicke Scheibe einer Ingwerwurzel wird gerieben und mit 1 Liter kochendem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen lassen und durch ein Sieb geben, das Ganze dann über den Tag verteilt in größeren Portionen trinken. Ingwer hilft bei Übelkeiten unterschiedlicher Genese.

Fatigue-Syndrom
 
Das Fatigue-Syndrom ist eine der häufigsten Nebenwirkungen der Tumortherapie mit einer Prävalenz von 59%-96% (2). Ca. 70%-99% aller Tumorpatienten, die Chemo- oder Strahlentherapie erhalten, sind davon betroffen. Fatigue kann als Erstsymptom oder zu jedem Zeitpunkt einer Tumorerkrankung auftreten. Die Häufigkeit steigt mit Dauer und Intensität der Chemotherapie – oft auch noch Jahre nach Abschluss einer zytostatischen Therapie nachweisbar. Sofern andere internistische Grunderkrankungen mit ähnlicher Symptomatik wie Blutarmut, Lebererkrankungen etc. ausgeschlossen sind, kann eine Therapie der Fatigue mit folgenden Maßnahmen guten Erfolg versprechen: Schrittweise zunehmende körperliche Aktivität, um Muskelmasse aufzubauen (3), und für geregelten Schlaf und Pausen sorgen.
 
Eine weitere Therapieoption stellt Colostrum dar. In einer Tierversuchsstudie zeigte sich, dass eine moderate Aufnahme von Colostrum-Serum die Trainingsleistung erhöht und das serotonerge System in den dorsalen Raphekernen von Ratten unterdrückt. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Einnahme von Colostrum-Serum effektiv die zentrale Erschöpfung durch erschöpfende Bewegung unterdrückt und möglicherweise die Unterbrechung des Immunsystems durch die Unterdrückung des zentralen serotonergen Systems lindert.
 
Insgesamt legt die Studie nahe, dass Colostrum-Serum positive Auswirkungen auf die zentrale Ermüdung hat, die durch Intensitätsübungen ausgelöst wird, was Auswirkungen auf das soziale, gemeinschaftliche und menschliche Leben haben kann (4). In einer weiteren Studie mit Marathonläufern konnten neben mehr Ausdauer positive Effekte auf Immunglobuline, den Cortisolspiegel, CK und LDH festgestellt werden (5). Ich empfehle allen meinen onkologischen Patienten Colostrum. Das Fatigue-Syndrom ist in meiner Praxis nahezu unbekannt. Bei den Colostrum-Präparaten ist allerdings wichtig, dass es sich um Colostrum (meist Rindercolostrum) der ersten 2 Tage handelt, weil bereits am 3. Tag postpartal sämtliche Grund-immunglobuline und gut ein Drittel aller ursprünglich vorhandenen immunkompetenten Inhaltsstoffe nicht mehr vorhanden sind.

Haut- und Schleimhaut-Erkrankungen
 
Haut und Schleimhaut-Erkrankungen stellen eine der häufigsten Nebenwirkungen der verschiedenen schulmedizinischen Primärtherapien wie Chemotherapie, Targeted-Therapy, und Radiatio dar und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Da die Haut besonders teilungsaktive Zellen enthält, die im Rahmen der Krebstherapie besonders angegriffen werden, treten hier häufig Schäden auf. Durch die vorgenannten Therapien kommt es zu einer verminderten Zellteilung. Die Haut kann diese nicht mehr regenerieren. Daher nehmen Hautschäden deutlich zu. Körper und Abwehr befinden sich im Ungleichgewicht. Die Anfälligkeit der Haut und Schleimhaut ist u.a. in ihrer Regenerationsfähigkeit und in einer Mastzell-Aktivierung begründet. Als Zellen des Abwehrsystems helfen die Mastzellen dem Körper, sich gegen schädliche Einflüsse zu wehren.
 
Abb. 1: Störung der physiologischen Regulation der Mastzellen (mod. nach Vorlage von BENDALIS).

 
Mastzellen als wesentliche Vermittler der Nebenwirkungen
 
Die Mastzellen gehören zur Immunabwehr des Menschen, stellen die „Grenzpolizei“ des Körpers dar und sind keine zirkulierenden Abwehrzellen, sondern in Haut und Schleimhaut lokal sesshaft. Sie machen Bakterien unschädlich, heilen Wunden und sorgen für gesundes Zellwachstum – solange sie planmäßig funktionieren. Da die Mastzellen vermehrt in der Nachbarschaft von Nervenzellen liegen, wirkt sich das auch auf das Schmerzempfinden aus.
 
Zudem können Übelkeit oder Durchfall auftreten, denn die Symptome einer Überreaktion sind nicht an eine bestimmte Körperstelle gebunden. In pathologischen Situationen, die mit Entzündungen verbunden sind, zeigte sich, dass Endocannabinoide in Geweben akkumulierten und lokale anti-inflammatorische Wirkung aufweisen (6). Es hat sich herausgestellt, dass diese N-Acylamide (Endocannabinoide) unter anderem eine hemmende Funktion auf die Degranulation von Mastzellen in der Haut und in der Mucosa aus-üben, also die Mastzell-Aktivität negativ regulieren. Im Normalfall sondern die Mastzellen bedarfsadaptiert bestimmte Mengen Granula ab, die verschiedene Zytokine und Histamin freisetzen. Ist jedoch die Wirkung auf die Haut und Schleimhäute zu stark, kommt es zu einer vollständigen Degranulation der Mastzellen und einer Überreaktion an Haut und Schleimhäuten. Die Schäden sind mitunter so schlimm, dass Therapieabbrüche notwendig werden (Abb. 1). Der Körper bildet ständig aus stets vorhandener Palmitinsäure und Ethanolamid das körpereigene Endocanabinoid PEA (Palmytoylethanolamid) und regelt dadurch die Mastzell-Aktivität. Ist jedoch durch äußere Eingriffe wie die vorgenannten Therapien diese Regulation außer Kontrolle geraten, können schlimmste Hautveränderungen und Schleimhautschäden entstehen. Der Körper kommt mit der Produktion von PEA nicht mehr nach. Daher sollte PEA zugefügt werden, auf dem Markt sind verschiedene PEA-Präparate zur topischen Anwendung. Auch periphere Neuropathien wie das Hand-Fuß-Syndrom unterliegen diesem Mechanismus und können frühzeitig erfolgreich behandelt werden. Die zusätzliche Gabe von B-Vitaminen kann diese Therapie komplettieren. Verschiedene Studien belegen die Wirksamkeit von Cannabinoiden bei peripheren Nervenschädigungen (7-9).
 

 
Dr. med. Bernhard Ost Dr. med. Bernhard Ost
1. Vorsitzender der NATUM e.V.
AG der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG e.V.

 
Komplementärmedizinische-onkologische Schwerpunktpraxis
Lindemannstraße 3
40237 Düsseldorf
 
Tel.: 0211/671707
E-Mail: berndost.gyn@gmail.com












 
ABSTRACT

B. Ost, 1. Vorsitzender des NATUM e.V., Komplementärmedizinisch-onkologische Schwerpunktpraxis, Düsseldorf
 

Conventional medical treatment options in oncology are becoming more and more specific and more and more effective, but unfortunately the range of side effects in many areas of application is becoming more serious and is currently limiting the quality of life considerably. Complementary medical therapeutic approaches have a special opportunity to do justice to the concept of complementary in order to reduce or eliminate side effects. Many patients develop significantly burdening skin and mucosal changes under chemotherapy, radiation and hormone therapy. New findings suggest that mast cell dysregulation is the cause of such irritation. These can now be treated very effectively by PEA, a topically (locally) supplied acylamide. This influence on mast cell degranulation represents a truly amazing scientific achievement, where the success rate is unusually high. Further complementary medical treatment options are explained in detail.
 

Keywords: Side effects, complementary medical therapeutic approches, mast cell dysregulation, PEA=palmitoylethanolamide
 
Literatur:
(1) Marx W, Kiss N, Isenring L. Is ginger beneficial for nausea and vomiting? An update of the literature. Curr Opin Support Palliat Care 2015;9:189-195.
(2) Horneber M, Fischer I, Dimeo F et al. Cancer-related fatigue: epidemiology, pathogenesis, diagnosis, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012;109(9):161-72.
(3) Heim ME, v d Malsburg ML, Niclas A. Randomized controlled trial of a structured training program in breast cancer patients with tumor-related chronic fatigue. Onkologie July 2007;30(8-9):429-34.
(4) Kim TW, Kim CJ, Seo J. Effects of colostrum serum on the serotonergic system in the dorsal raphe nuclei of exercised rats. J Exerc Nutrition Biochem. 2017 Mar 31;21(1):33-39. doi: 10.20463/jenb.2017.0047.
(5) Buckley JD, Abbott MJ, Brinkworth GD, Whyte PB et al. Bovine colostrum supplementation during endurance running training improves recovery, but not performance. Centre for Research in Education and Sports Science, School of Physical Education Exercise and Sport Studies, University of South Australia, Adelaide. J Sci Med Sport 2002 Jun;5(2):65-79.
(6) Di Marzo V. Targeting the endocannabinoid system: to enhance or deduce? Nature Reviews 2008;7:438-454.
(7) Costa B, Comelli F, Bettoni I et al. The endogenous fatty acid amide, palmitoylethanolamide, hasanti-allodynamic andante-hyperalgesic effects in a murine model of neuropathic pain: involvement of CB(1),TRPV1 and PPARgamma receptors and neuropathic factors. Pain 2008;139:541-550.
(8) Rahn E J, Hohmann AG. Cannabinoids as pharmacotherapies for neuropatthic pain: from the bench to the bedside. Neurotherapeutics 2009:6:713-737.
(9) Skaper SD, Facci L. Mast Cell- glia axis in neuroinflammation an therapeutic potential of anandamide congener palmitoylethanolamide. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci 2012;367:3312-3325.
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