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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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08. September 2017 Seite 1/2

Komplementärmedizin in der Gynäkologischen Onkologie

Im Rahmen des 5. BNGO Hauptstadtkongresses am 9. und 10. Juni in Berlin fand ein gemeinsames Symposium des BNGO* und der NATUM** zum Stellenwert der Komplementärtherapie in der gynäkologischen Onkologie statt. Die Komplementärmedizin ist heute fester Bestandteil der Behandlung von onkologischen Patienten. Auch wenn es zum Teil noch viel „Wildwuchs“ gibt, kann für viele Methoden die Evidenz inzwischen als ausreichend angesehen werden. Auf dem Symposium diskutierten Experten und Auditorium ihre Erfahrungen mit komplementärmedizinischen Maßnahmen bei Patientinnen mit gynäkoonkologischen Erkrankungen.
Nebenwirkungen lindern und Lebensqualität verbessern

Die Komplementärtherapie kann heute neben Operation, Medikamenten und Strahlentherapie als vierte Säule der onkologischen Therapie angesehen werden, so der niedergelassene Facharzt für Frauenheilkunde, Dr. Steffen Wagner aus Saarbrücken.

Als Beispiel für eine inzwischen gut durch Studien belegt Therapie nannte der Frauenarzt die Misteltherapie, die bereits seit 2.000 Jahren in verschiedenen Indikationen eingesetzt werde. Bei der Beurteilung der Wirkmechanismen sei man heute längst nicht mehr auf die z.T. etwas merkwürdig anmutenden Vorstellungen des Begründers der anthroposophischen Medizin, Rudolf Steiner, angewiesen. Als wirksame Hauptbestandteile der weißbeerigen europäischen Mistel wurden Lectin 1 und Viscopeptid A3 identifiziert, für die zahlreiche immunmodulatorische Wirkungen sowie die Freisetzung von beta-Endorphin nachgewiesen wurden. Als weitere Wirkmechanismen nannte der Experte DNA-Stabilisierung, Antiangiogenese und die Förderung von Tumorzellnekrosen.


Mistel zur Reduktion Therapiebedingter Nebenwirkungen

Eingesetzt wird die Misteltherapie vor allem zur Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten und zur besseren Verträglichkeit der Chemotherapie. In einer Metaanalyse von 2011 zeigten 22 von 26 eingeschlossenen, prospektiv randomisierten klinischen Studien mit insgesamt über 3.000 onkologischen Patienten eine deutlich Verbesserung der Lebensqualität – insbesondere in den Bereichen Coping, Fatigue, Erschöpfung und Schlaf. In der aktuellen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Onkologie (AGO) der DGGG** werden Mistellektine (Viscum album) zur Reduktion Therapie-bedingter Nebenwirkungen bedingt empfohlen (1a – B – +/-).


Keine Förderung des Tumorwachstums

Negative Effekte der Misteltherapie – insbesondere eine Stimulation des Tumorwachstums – müssten nach den Ergebnissen präklinischer und klinischer Studien nicht befürchtet werden, sagte Dr. Wagner. Das Gleiche gelte für Interaktionen mit Zytostatika und Trastuzumab (2). Einer Therapie auch während einer laufenden Chemotherapie stehe somit nichts im Weg – auch hier konnte die Lebensqualität von Mammakarzinom-Patientinnen deutlich verbessert werden (3). Kontraindikationen sind neben allergischen Reaktionen auf Mistel-extrakte hochfieberhafte entzündliche Erkrankungen, akute Hyperthyreose mit Tachykardien, chronisch granulomatöse Erkrankungen wie Sarkoidose, floride Autoimmunerkrankungen und eine immunsuppressive Therapie.


Ausgleich eines Selenmangels macht Bestrahlung verträglicher

Eine weitere wichtige Option in der onkologischen Komplementärtherapie ist die Selen-Substitution. Rationale ist die Beobachtung, dass ein Selenmangel mit einer höheren Tumorinzidenz und einem schlechteren Outcome von Krebspatienten assoziiert ist. In einer Studie mit 81 Patientinnen mit Zervix- oder Uteruskarzinom und Selenmangel wurde gezeigt, dass sich durch die Substitution von Selen während der postoperativen Strahlentherapie die Rate an Radiotherapie-induzierter Diarrhoe deutlich reduzieren lässt (4). Auch wenn die Studie dafür nicht ausreichend gepowert war, zeichnete sich zudem eine bessere Überlebensrate ab, was zumindest dagegen spricht, dass die Selentherapie die Wirksamkeit der onkologischen Therapie einschränkt, sagte Dr. Wagner. Er empfahl niedrige Selenspeicher schon vor Beginn der Therapie aufzufüllen und während und bis zu 3 Monate nach der Chemo- oder Strahlentherapie Selen zu substituieren. Auch bei der Behandlung von bestrahlungsbedingten Lymphödemen habe sich die Selen-Gabe bewährt.


Krebspatienten profitieren von begleitender Enzym-Therapie

Die Komplementärtherapie bietet zahlreiche Möglichkeiten, Nebenwirkungen der Chemotherapie und zielgerichteten Therapie entgegenzuwirken, wie Dr. Bernhard Ost, niedergelassener Gynäkologe in Düsseldorf und 1. Vorsitzender des NATUM e.V.** in der DGGG***, darstellte.

Ein Beispiel sei die Gabe von Enzymen, wobei sich hier das aus der Ananas gewonnene Proteinase-Gemisch Bromelain durch eine besonders gute Resorption nach oraler Gabe auszeichne. Einfach viel Ananas zu essen bringe nicht den gleichen Effekt wie das Enzym-Präparat, da die Hauptenzyme im Strunk und nicht im Fruchtfleisch zu finden sind, betonte der Experte. Die Enzyme interagieren mit dem Enzym-Netzwerk und führen über die Bindung an α2-Makroglobulin zur verstärkten Clearance von Zytokinen wie TGF-β, das in Tumorgewebe überexprimiert ist und zur vermehrten Fibrose-Bildung und Stimulation des Tumorgewebes beiträgt. Nach einer Bestrahlung befinden sich immer erhöhte TGF-β-Spiegel im Gewebe. Eine additive Enzym-Therapie senke die TGF-β-Spiegel und mildert so die akuten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie wie Mukositis und Hautreaktionen (5). Durch die Spaltung von Fibrin und Immunkomplexen durch die Proteasen werden aber auch die Abwehrstrategien der Tumorzellen bekämpft und durch die Spaltung von Adhäsionsmolekülen wird die Wanderung von Krebszellen in das Gewebe und damit die Metastasenbildung behindert. Somit haben Enzym-Präparate auch das Potenzial, das Tumorwachstum und die Metastasenbildung zu begrenzen, meinte Dr. Ost.

 
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