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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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07. Februar 2012

Kasuistik: Patientin mit fortgeschrittenem Mammakarzinom und Pleurakarzinose

Eine 45-jährige Patientin suchte im April 2006 ihren Frauenarzt auf, um ihre Brust untersuchen zu lassen, da bei einer Freundin wenige Wochen zuvor ein Mammakarzinom diagnostiziert worden war. Dieser stellte einen suspekten Befund in der linken Brust fest. Die Patientin befand sich in einem guten Allgemeinzustand. In der Familie waren bislang keine malignen Erkrankungen aufgetreten.
Diagnose und Ersttherapie

Zur histologischen Sicherung erfolgte eine Stanzbiopsie aus dem suspekten Areal in der linken Brust. Die Histologie bestätigte den Verdacht auf einen bösartigen Tumor. Es handelte sich um ein undifferenziertes, invasiv-duktales, Hormonrezeptor-negatives (ER-, PgR-) und HER2-negatives (HER2-) Mammakarzinom.

Im Mai 2006 erfolgte die brusterhaltende Tumorentfernung aus der linken Brust mit initialer Sentinel-Lymphonodektomie und eine sekundäre Ablatio (Abb. 1). Da der Sentinel-Lymphknoten befallen war, wurde in einer zweiten Operation die klassische Axilla-Dissektion durchgeführt. Abschließend handelte es sich um ein Mammakarzinom li. im Primärstadium pT2 (22 mm) pN1a (2/23) M0 G3 L0 R0.

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Abb. 1: Mammakarzinom li. nach sekundärer Ablatio

Das postoperative Tumorboard empfahl die adjuvante Chemotherapie mit 3x FEC gefolgt von 3x Docetaxel, sowie eine Thoraxwandbestrahlung ohne Boost nach sekundärer Ablatio.

Verlauf
Anfang Januar 2009 entwickelte die Patientin einen therapieresistenten Husten. Im Februar 2009 zeigten sich im CT einseitig betont Pleuraergüsse mit Pleuraverdickungen infolge einer Pleurakarzinose (Abb. 2). Es fand sich kein Anhalt für weitere Metastasen insbesondere in Knochen, Leber oder Lunge.

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Abbildung 2: Einseitig betonte Pleuraergüsse mit Pleuraverdickung aufgrund einer Pleurakarzinose

Rezidivtherapie

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Patientin erstmalig in unserer Praxis vorgestellt. Wir empfahlen wegen der symptomatischen pleuralen Metastasierung eines triple-negativen Mammakarzinoms und des Therapie-freien Intervalls von über 1 Jahr die Re-Induktion mit einem Taxan in Kombination mit Bevacizumab. Die Patientin erhielt Docetaxel 100 mg/m² Tag (d) 1 alle 21d in Kombination mit Bevacizumab 15 mg/kg d1 alle 21d.

Unter dieser Therapie besserten sich die Beschwerden der Patientin rasch. Schon zu Beginn des zweiten Zyklus war der Husten verschwunden. Nach 3 Zyklen zeigte ein erneutes CT einen Rückgang der Pleuraergüsse.

Wir empfahlen die Fortsetzung der Therapie für weitere 3 Zyklen. Die erneute Kontrolle danach ergab eine komplette Rückbildung der Pleuraverdickung.

Zunächst wurde die Therapie gut vertragen. Der Blutdruck lag die gesamte Zeit über im Normbereich. Auch eine Proteinurie trat nicht auf. Unter der Therapie hatte sie ca. 8 kg zugenommen. Ab dem 4. Zyklus entwickelte die Patientin jedoch zunehmend Docetaxel-assoziierte Nebenwirkungen. Sie berichtete insbesondere über eine voranschreitende Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Sie schaffte die Hausarbeit kaum noch, Probleme mit den Finger- und Fußnägeln kamen hinzu.

In Anbetracht der Nebenwirkungen empfahlen wir die Beendigung der Docetaxel-Therapie bei Fortsetzung der Behandlung mit Bevacizumab.

Bei der letzten Kontrolluntersuchung im September 2009 war die Patientin insgesamt beschwerdefrei. Die Therapie mit Bevacizumab wurde problemlos vertragen. Es fanden sich klinisch keine Zeichen für eine erneute Progression der Erkrankung.

Prof. Hans-Joachim Lück, Hannover
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